Verena Martin blickt auf die Schule, mit der sie sich fast ein halbes Jahr lang beschäftigt hat - die Lucas-Cranach-Grundschule in Kronach. Für sie ist die Schule nicht einfach nur schön geworden, sie weiß auch, was hinter den ganzen Sanierungsmaßnahmen steckt.

Die 23-Jährige hat sich in ihrer Bachelor- und gleichzeitig Zulassungsarbeit für das erste Staatsexamen in ihrem Studiengang "Lehramt an Grundschulen" mit der Generalsanierung eben dieser Einrichtung befasst. Sie hat die Sanierungsarbeiten aus pädagogischer Sicht unter die Lupe genommen und den Schwerpunkt auf den Einsatz neuer Medien gelegt. Dafür erhielt sie die Note 1,0 - und am Freitag auch den Johann-Kaspar-Zeuß-Preis der Stadt Kronach.

Fragebögen für die Lehrer

"Das Thema hatte ein Dozent ausgeschrieben, weil er darauf aufbauend weiterforschen will.
Ich habe mich dann mit Schulleiterin Anita Neder in Verbindung gesetzt, weil ich wusste, dass man an der Lucas-Cranach-Schule nun mit Whiteboards arbeitet. Ich habe dann an die Lehrer Fragebögen ausgeteilt, darin nach den Vor- und Nachteilen der Whiteboards gefragt beziehungsweise danach, ob sie sich die Tafel zurückwünschen." Dabei ist die angehende Lehrerin zu dem Schluss gekommen, dass die Lehrkräfte trotz anfänglicher Bedenken mittlerweile sehr zufrieden mit den "elektronischen Tafeln" sind und die vielen Vorteile die wenigen Nachteile überwiegen.

Während sie sich mit diesem Thema befasst hat, hat Verena Martin aber gemerkt, dass hinter dem Sanierungskonzept noch viel mehr als Whiteboards steckt. "Ich habe mich mit Stadtplaner Daniel Gerber und Architekt Winfried Lebok unterhalten und erfahren, dass es noch andere interessante Sachen gibt, die durch die Generalsanierung entstanden sind - zum Beispiel das Farb- und Formenkonzept. So haben zum Beispiel die Garderoben die gleiche Farbe wie das jeweilige Klassenzimmer, damit die Kinder sich auch zurechtfinden."

Die Arbeit ist mittlerweile fertig und mit der Bestnote bewertet. Das erste Staatsexamen hat Verena Martin in der Tasche. Nun geht es für sie am 2. Januar erst einmal bis Ostern nach Spanien. Dort wird die angehende Grundschullehrerin an einer deutschen Schule unterrichten. Danach stehen zwei Referendarjahre in Deutschland an, und wenn alles klappt, dann ist die junge Frau ab dem Schuljahr 2015/16 ganz offiziell als Lehrerin im Dienst - vielleicht ja sogar an der Lucas-Cranach-Schule.

Bestnote in der Altenpflege

Auch Horst Kolb wurde für seine Bachelor-Thesis im Rahmen des Studiengangs "Medizinalfachberuf" ausgezeichnet. Für seine 77 Seiten umfassende Arbeit zum Thema "Clinical Reasoning in der Altenpflege", die er an der Privaten Fachhochschule Diploma in Nordhessen eingereicht hatte, erhielt er die Note 1,0.

Dass sich der Fischbacher über diese Auszeichnung freute, war ihm anzumerken. Noch schöner ist jedoch für ihn, dass er mit seiner Arbeit den Pflegebereich ein kleines Stück auch mit beeinflussen kann. "Die Pflegewissenschaft ist eine so junge Disziplin, und da ist es ein gutes Gefühl, dafür Beiträge mit leisten zu können."

Ursprünglich hat der 44-Jährige den Beruf des Fliesenlegers gelernt. Aufgrund seines ehrenamtlichen Engagements bei der Feuerwehr Höfles und beim BRK-Kreisverband sei der Wunsch entstanden, sich beruflich im pflegerischen Bereich zu orientieren, erklärt er. Also absolvierte Kolb eine Ausbildung zum Pflegehelfer/Altenpfleger, unterrichtete an der Berufsfachschule in Steinach und nahm schließlich berufsbegleitend ein Studium für "Medizinalfachberufe" in Angriff.

Ihm gehe es darum, permanent sein Wissen zu erweitern, denn gerade im Gesundheitsbereich hätten in den vergangenen Jahren viele Entwicklungen stattgefunden. In seiner Bachelorarbeit ging er unter anderem auf Pflegeprozesse, auf Eigenschaften und Tugenden ein, die der Pflegekraft helfen, den Prozess des Clinical Reasoning in der Altenpflege umzusetzen. Mit Clinical Reasoning meint Kolb einen Denk-, Handlungs- und Entscheidungsprozess, welcher der Pflegekraft alleine, in Auseinandersetzung mit Berufskollegen oder im interdisziplinären Team als theoretisches Konstrukt dient, um das Vorgehen zur Behandlung, die Therapie - in diesem Fall immer die Planung und Durchführung der Pflege - möglichst optimal mit dem Pflegebedürftigen gestalten zu können. Mittlerweile ist Horst Kolb wieder nebenberuflich am Lernen. Er schreibt eine Masterarbeit für Gesundheits- und Pflegepädagogik.