Die kleinen schönen Dinge des Lebens zu sehen und sich an ihnen zu erfreuen - Darin geht es im Lied "Genau underm Himml". Das gleichnamige Titellied des aktuellen Albums sowie Soloprogramms von Wolfgang Buck - natürlich "underm" mit einem fränkischen "d" - ist in Worte gefasste Poesie: so schön, so wahr und so berührend, dass das geistige Auge herrliche Bilder sieht und einem wohltuende Schauer über den Rücken laufen. Zurücklehnen und genießen bei einer Musik, die nicht nur ins Ohr, sondern auch unter die Haut geht - keine Frage: Wolfgang Buck ist ein Erlebnis. Kalt lässt der fränkische Mundart-Liedermacher wohl niemanden. Vielmehr schafft er eine eigene Klang- und Gefühlswelt, die tief ins Innere, in die Seele geht und die Emotionen freisetzt ... und das alles - sozusagen als Sahnehäubchen - in der schönsten "Sprache" der Welt, dem Fränkischen.


Es sind herrliche Texte, die Wolfgang Buck uns Franken auf den Leib geschrieben hat. Für ihn ist Fränkisch "die" Sprache. Anders könnte er bestimmte Dinge nicht so gezielt auf den Punkt bringen - gerade über die Franken, die in seinen Liedern eine so große Rolle spielen. Wolfgang Buck, der seit mehr als 25 Jahren auf der Bühne steht, kokettiert mit seiner fränkischen Herkunft. Detailliert schildert er die "kleinen" Eigenheiten und Macken seiner "Landsleute", den "Ossis von Bayern" - humorvoll, spitzzüngig, frech, aber immer auf sehr respektvolle Art und Weise. "Die Oberbayern haben die Berge, wir Franken haben den Horizont", sagt er.

Und man könnte sich wohl keinen besseren Botschafter vorstellen als den evangelischen Pfarrer und Clubfan, der solo oder mit seiner 1992 gegründeten Band Fans in ganz Deutschland hat. Für alle hat der 1958 geborene Sänger und Musiker gesungene Botschaften und Lebensweisen im Gepäck. Dabei bringt er auch die Schattenseiten des Lebens, die er selbst aufgrund einer mittlerweile überstandenen Depression nur zu gut kennt, ein. Tiefgründig und lebensnah singt er über Beziehungen in "Su süß und salzich" oder "Du bisd a Minafeld". Es sind Texte, bei denen man ganz genau zuhören muss. Dabei ist er laut oder leise - aber stets authentisch, ehrlich und echt.

Eine einzige Hommage an das Leben und gegen die krankmachende Hektik unserer Zeit sind Songs wie "Aans nachn annern" oder "Dudined oh". Aufregen, wenn mal etwas schiefgeht, lohne sich nicht. Aber es gebe auch Ausnahmen. Wenn nämlich der Club bis kurz vor Schluss 1 : 0 führt und dann noch zwei Gegentore kassiert und zu allem "Überfluss" Augsburg ausnahmsweise mal gewinnt und am Club vorbeizieht. Da habe man allen Grund, sich abzutun.

Wolfgang Buck, der im Landkreis Fürth aufgewachsen ist und bei Bamberg lebt, ist Franke mit Leib und Seele und in seiner Schaffenskunst ungemein vielseitig. Er ist ebenso lyrischer Seelenstreichler wie witziger Stimmungsmacher, der die Dinge ironisch und manchmal durchaus ein bisschen böse auf den Punkt bringt und den Leuten die Wahrheit sagt - wie beispielsweise über die "freundlichen" fränkischen Baumarkt-Mitarbeiter in dem Zungenbrecher-Song "An Hammer gibt s ned, an Gibs hammer aa ned", das fast einer logopädischen Übung gleichkommt.

Das mussten auch die Besucher erfahren, die er zum Mitsingen aufforderte - keine leichte Aufgabe! Egal ob spaßig oder gefühlvoll: In allen seinen Kompositionen, viele davon mit Ohrwurmcharakter, klingen Hoffnung und Optimismus mit. Bei alledem ist er ein toller Sänger und versierter Musiker mit einem varianten Gitarrenspiel mit Jazz-, Soul-, Blues- und Rockeinschlägen. Er liebt den Kontakt mit dem Publikum, sucht ihn auf Augenhöhe und er redet mit ihm gerne in der Pause - so auch in Teuschnitz. Auch das ist sicherlich eine Liebeserklärung an seine fränkische Heimat und seine "Landsleute". Sicherlich sucht er dabei auch neue Ideen für seine Songs, denn es gibt wohl kaum ein Thema, das Buck nicht in einem Lied verarbeiten könnte.

Abschließend noch ein gut gemeinter Tipp: Hungrig sollte man keines seiner Konzerte besuchen, denn die deftige fränkische Küche kommt immer wieder in den Liedern des Songpoeten vor, der scheinbar kein Kostverächter ist. Ein Lied über Schweinebraten mit Wirsing und Klößen wie "Des vom Schweinebrodn" zur Poesie werden zu lassen, ist schon echte Kunst. Eine kleine - im wahrsten Sinne des Wortes - Kostprobe: "Schwarte und Kruste zersplittern zart auf meiner Zunge, Knoblauch und Kümmel treffen sich im Schweinehimmel". Mit großem Beifall bedankten sich die Gäste beim in vielerlei Beziehung außergewöhnlichen Künstler für ein ebenso außergewöhnliches Konzert voller Poesie und lang nachwirkender Musik, die man mit nach Hause nimmt. Ein Glück, des Fränkischen mächtig zu sein. Es wäre schade um jedes Wort gewesen, das man nicht verstanden hätte.