Großbrand am Ölschnitzsee in Windheim, dringt es aus dem Funkgerät von Detlef Kappe, der in Schauberg vor dem Feuerwehrgerätehaus steht. Von zwei Bränden ist die Rede, einem im Bereich Ölschnitzsee und einem im Bereich der Heeresstraße von Windheim kommend in Richtung Ölschnitzsee.
13.23 Uhr: Die Sirene ertönt, sieben Feuerwehrmänner springen in das Feuerwehrauto, Kommandant Detlef Kappe und Marvin Kröller fahren im Privatauto voraus.
Schon seit 13 Uhr hielten sich die Männer für ihren Einsatz bereit. Nicht, weil sie Hellseher sind und wussten, dass es heute brennen wird, sondern weil es sich bei dem Einsatz um eine Großübung handelt.
20 Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis, vier THW-Verbände (Kronach, Naila, Saalfeld und Bamberg) und ein Großaufgebot an BRK, Polizei und Katastrophenschutz sind an diesem Samstag im Einsatz. Das sind zugleich 230 Feuerwehr-Leute, 70 Einsatzkräfte von THW und 40 vom BRK.
13.40 Uhr: Die Schauberger - eine der kleineren Wehren - sollen sich, am Brandort angekommen, zunächst in Bereitschaft halten. Wenige Meter weiter stehen Silvia Wachter und Urban Förtsch von der Feuerwehr Hirschfeld an einem sogenannten Faltbehälter. Dort wird das Wasser, das ein paar hundert Meter weiter aus dem Ölschnitzsee entnommen wird, über Pumpen hin befördert und mehr Druck aufgebaut.
13.50 Uhr: Norbert Butters, Johannes Kappe, Gerhard Langer und Stefan Wolf rennen mit Schlauchkoffern an den Hirschfeldern vorbei in Richtung Wald. "Wir sollen C-Rohre zum Einsatzort bringen", erklärt Kommandant Detlef Kappe. Durch einen Bach und über eine Brücke aus gesägten Baumstämmen geht es den Hang hinauf in den Wald. Dort dringt sogar Rauch zwischen den Bäumen hervor. Peter Seltmacher und André Völker vom THW Kronach sorgen mit Hilfe einer Nebelmaschine für die Brandsimulation.
14.08 Uhr: Norbert Butters und Johannes Kappe halten den Wasserschlauch gezielt auf die Rauchwolken. Doch plötzlich kommt kein Wasser mehr. "Was ist da mit der Wasserversorgung los? Wir brauchen Wasser", schreit Abschnittsleiter Mathias Vetter von der Feuerwehr Steinbach am Wald in sein Funkgerät. Eine Pumpe ist kaputt, die Schauberger sollen ihre Pumpe zum Austauschen bringen, heißt es kurz darauf. Derweil sitzen einige Feuerwehrleute im Wald herum, warten - bis es um 14.20 Uhr wieder heißt "Wasser Marsch". Im Ernstfall böte sich dort einem wohl eher ein anderes Bild. "Das darf nicht passieren", sagt Christian Schulz, Steinbacher Kommandant und Leiter dieser Großübung, die wegen der zwei Brände in zwei Einsatzstellen aufgeteilt ist. Einsatzleiter sind Christian Wick, Kommandant der Tettauer Feuerwehr, im Bereich des Ölschnitzsees und Matthias Werth, Zweiter Kommandant in Steinbach, im Bereich der Heeresstraße, wo auch die Schauberger das Feuer bekämpfen.
Ein halbes Jahr hat Christian Schulz diese Übung geplant, sich mit Forstbesitzern, Polizei, BRK, THW und Landratsamt besprochen.
Das Szenario: Waldbrand wegen des lang anhaltenden trockenen Sommers an der einen Stelle und Brandstiftung an der anderen. Entdeckt wurde das Feuer gegen 12 Uhr von Luftbeobachter Klaus Dressel, der es dann an die Integrierte Leitstelle gemeldet hat, welche wiederum die Feuerwehren alarmierte.
Das Ziel: Die Zusammenführung der großen Einheiten Feuerwehr, THW, BRK, Polizei und Katastrophenschutz. "Es geht darum, dass jede Einheit Erkenntnisse gewinnt. Dazu gibt es dann auch nochmal eine Einsatznachbesprechung, in der unter anderem geklärt wird, was besser laufen müsste", erklärt Schulz.
Die Herausforderung: Zwei Einsatzstellen so zu koordinieren, dass alles funktioniert. Schließlich geht es ja um eine Brandfläche von einem Hektar. Löschwasser wird deshalb nicht nur aus dem Ölschnitzsee, sondern auch aus dem Hydranten in Steinbach am Wald entnommen und mit Tanklöschfahrzeugen zu den Einsatzorten gebracht. Deshalb hat das THW auch sogenannte Havariepumpen dabei, die eigentlich bei Hochwasser zum Einsatz kommen oder eben bei extrem Großschadensereignissen. "Durch eine Feuerwehrleitung werden in der Minute 1000 Liter durchgepumpt, durch eine des THW bis zu 15 000", vergleicht Schulz auf dem Weg ins Steinbacher Feuerwehrhaus. Dort koordiniert eine Gruppe aus Vertretern von Feuerwehr, THW, BRK, Katastrophenschutz und Polizei den Einsatz. Örtlicher Einsatzleiter (ÖEL) ist Udo Höfer vom THW-Kreisverband Kronach, ihm arbeitet eine Unterstützungsgruppe zu. "Der ÖEL ist der verlängerte Arm des Landratsamtes", erklärt Herbert Eisentraudt, Sachgebietsleiter "Öffentliche Sicherheit und Ordnung" im Landratsamt Kronach. Der ÖEL sei allen Einsatzkräften weisungsbefugt.
15.35 Uhr: "Einsatzziel erreicht", heißt es. Beide Flächenbrände sind nach intensiver Brandbekämpfung gelöscht, teilt Polizeihauptkommissar Markus Löffler von der Polizei Ludwigsstadt mit. Zwei Jugendliche habe man vorläufig festgenommen, nachdem man sie mit Brandbeschleuniger in der Nähe des Brandortes aufgegriffen hat.
16.12 Uhr: Das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Schauberg rollt auf den Platz vor dem Feuerwehrhaus in Steinbach. Nach Einsatzende treffen sich dort sämtliche Einsatzkräfte. Doch bis alle da sein werden, wird noch einige Zeit vergehen. Die Schauberger melden sich deshalb per Funk ab und steuern wieder ihr kleines Feuerwehrgerätehaus an.