Der heilige Sebastian, Schutzheiliger, Schutzpatron und Helfer in vielen Nöten, wird auch in Wallenfels sehr verehrt. Ein Gelübde aus der Zeit der großen Pestepidemie zeugt noch heute davon, wie sehr sich die Menschen daran erinnern, dass auf die Fürsprache des Heiligen Sebastian der Ort und seine Bewohner von der Pest verschont geblieben sind.

Heute stehen die Menschen vor einer neuen Epidemie . Covid-19 , die Corona-Pandemie , klopft an die Türen und hat schon viele Menschen die Gesundheit oder sogar das Leben gekostet. In so einer Zeit erinnern sich die Menschen an die Traditionen, an das Gelübde aus dem 17. Jahrhundert, als die Pest im Frankenwald zwischen 1607 und 1635 in fast allen Frankenwalddörfern wütete. Seit damals wird in Wallenfels jedes Jahr Sankt Sebastian mit einer großen Prozession geehrt.

Normalerweise ziehen die Männer der Soldatenkameradschaft in ihren altbayerischen Uniformen zusammen mit Musik und Trommlerzug, Stadt- und Pfarrgemeinderäten sowie den Vereinsabordnungen hinauf zur Pfarrkirche St. Thomas. Natürlich war das in diesem Jahr nicht möglich. Aber in einem Gottesdienst wurde trotzdem das Gelübde erfüllt, auch wenn nur wenige Personen teilnehmen konnten.

In früheren Jahren wurde der Sebastianstag in Wallenfels noch als Feiertag gehalten und am Vormittag mit Kirchenparade und Festgottesdienst und am Nachmittag mit einer Andacht und anschließender Prozession feierlich begangen. Auch wenn inzwischen dieser Tag von der örtlichen Industrie nicht mehr arbeitsfrei gehalten wird, so erfolgt doch heute noch nach der Kirchenparade und dem Festgottesdienst am Nachmittag die Sebastiansprozession, um das Vermächtnis zu erfüllen. Dabei wird auch die geschmückte Statue des Heiligen Sebastian mitgetragen, seit 1982 von den Mitgliedern des Tambourzuges. Die erstmals zum 125-jährigen Kirchweihfest 1994 ausgestellte Monstranz mit einer Reliquie des heiligen Sebastians wurde anlässlich des 450-jährigen Pfarreijubiläums 1999 restauriert.

" Heiliger vor Gottes Throne, o Patron in aller Not. Bitte, dass uns Gott verschone, vor der Pest und jähem Tod" - so heißt es im schönen Sebastianslied, das in diesem Jahr nur durch die Orgel und nicht mit Gesang durch das Gotteshaus schallte. Nicht die Pest , sondern Corona bedroht die Menschen. Heute kann Hoffnung durch eine Impfung geschöpft werden, damals zur Zeit der Pest hatten die Kranken diese Hoffnung nicht.

Pater Jan Poja zelebrierte den Gottesdienst und ging in seiner Predigt auf den heiligen Sebastian und seine Geschichte ein. Jeder kennt die Darstellung in und an vielen Kirchen, die den gemarterten Heiligen von Pfeilen durchbohrt darstellt. Auch in der heutigen Zeit könnten Pfeile Menschen treffen und verletzen. Reale Pfeile, aber auch Pfeile, die aus dem Munde kommen, böse Worte, Verleumdungen und verbale Verletzungen.

In einer kleinen Andacht wurde im Anschluss an den Gottesdienst durch Vorbeter Franz Behrschmidt die Sebastianslitanei gebetet. Aufgrund der aktuellen Situation danach noch das "Gebet in der Corona-Krise ". Nicht nur den Gläubigen in der Kirche spendete zum Schluss Pater Jan den sakramentalen Segen mit der Monstranz, sondern auch der ganzen Stadt. Einige Mitglieder des Trommlerzuges begleiteten ihn auf ihren Trommeln beim Segen über die Menschen und ihr Zuhause. sd