Der Fußgängersteg über die Rodach ist fünfzig Meter lang. Darunter schäumt das kalte Wasser. Schon im Vorfeld hat der Bauhof die über dreißig Jahre alten Holzplanken, die verwittert waren, entfernt - samt Geländer. Jetzt ist der Weg frei für die THWler. 15 Jugendliche und zehn Erwachsene rückten am Wochenende mit den blauen Fahrzeugen an und haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Brücke zu erneuern. Gesichert natürlich. Denn alles andere wäre viel zu gefährlich.

Hintergrund ist: Das THW muss im Ernstfall auch Holzbehelfskonstruktionen und Brücken erstellen können, erklärt Hajo Badura vom THW. Und beim Üben am echten Objekt kann der Nachwuchs seine Fähigkeiten unter Beweis stellen, und dabei noch etwas Sinnvolles tun.

Allerdings wird für die Erneuerung der Brücke kein echtes Holz verwendet, sondern Reluma-Material, ein hochbelastbares Baumaterial, das aus Kunststoffabfällen hergestellt wird und aussieht wie Holz. Erst vor knapp zwanzig Jahren wurde dieses Material entwickelt, aber es sticht echtes Holz sogar aus. Denn es ist riss- und splitterfrei, lässt sich deshalb sogar besser verarbeiten. Und außerdem ist es absolut wartungs- und verrottungsfrei. Während Holz immer vor Witterungseinflüssen geschützt werden muss und ständig gestrichen werden sollte, entfällt doch eine Arbeit bei dem Kunststoffrecyclingmaterial.

"Was wir hier machen, soll wieder für die nächsten fünfzig Jahre halten - mindestens", sagt Badura und freut sich über die rege Beteiligung. Jugendliche ab zehn Jahren helfen mit.

Auch Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein, CSU-Politiker Bernd Liebhardt, der die Verbindung zum Stadtbauhof hergestellt hat, schauen sich um. Und Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein verspricht, sich erkenntlich zu zeigen.

Tatsächlich ist der Arbeitseinsatz ziemlich spektakulär. Denn von der Brücke ist nur das Gerüst übrig. Kein Geländer, keine Planken - die Arbeiter kraxeln direkt über dem reißenden Wasser herum. Vom THW-Fahrzeug führt ein Drahtseil über das Brückengerüst. Es ist straff gespannt. Und an dem Drahtseil hängen riesige Sicherungskarabiner. Denn jeder der "Arbeiter" des THW ist mit einem Körpergurt und eben diesem Karabiner gesichert. Denn eigentlich gibt es keinen Halt auf der Brücke. Die Arbeiter legen sich lediglich eine Spanplatte auf die Stahlunterkonstruktion, damit sie notdürftig stehen können. Und dann werden die einzelnen Bretter und die Sicherungsbalken mit Bolzen verschraubt. Meter für Meter arbeiten sie sich vor.

Adrian Welscher, Max Krüger und Daniel Feigl sind das Team, das die Bretter verlegt. Und damit die Zwischenräume auch exakt gleich sind, sichern sie anfangs die Bretter mit kleinen Abstandshaltern.

Heiko Karg und Gerhard Graf liegen nahezu auf der Brücke und bringen die großen Sicherungsbolzen ein. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die der Konstruktion die Grundfestigkeit verleiht. Denn so werden die einzelnen Bretter aus Kunststoff von oben auf die Stahlträger gedrückt.

Doch damit nicht genug. Zur Sicherheit machen sich die Mädchen und andere Arbeiter dann an die Feinarbeit. Franziska Winter (16), die seit 2008 beim THW ist und richtig Spaß am Helfen hat, sowie ihre Freundin Carina Schuster (17), die schon genau so lange dabei ist, drehen die Schrauben, die die Bretter sichern sollen, ein. "Das macht doch keinen Unterschied, ob Frau oder Mann. Mädels können das auch", sagt Carina Schuster selbstbewusst - und beweist ihre Fähigkeiten beim Umgang mit der Bohrmaschine.

Auch an die Geländerkonstruktion haben die THWler gedacht. Für die zeichnet unter anderem Christian Hofmann verantwortlich. Er ist schon weit vorne - mitten über dem Fluß - denn die Befestigungen für die Geländerbretter sind immer zuerst anzubringen.

Zwei Tage lang haben sich die THWler für die Erneuerung der Brücke in Neuses Zeit genommen. Es ist eine Mammutaufgabe.

Ganz fertig werden sie die Konstruktion aber nicht bringen. Denn einige X-Verbindungselemente sind noch nicht eingebracht. Deshalb wird der Bauhof wohl die letzten Meter und das Geländer selbst montieren müssen. Die Brücke ist wohl auch noch nächste Woche gesperrt. Doch dann ist der Weg wieder frei - und die Brücke verbindet Neuses mit Friedrichsburg.

Mindestens ein halbes Jahrhundert soll das "Übungsobjekt" gute Dienste leisten. Gleichzeitig ist die Brücke in Neuses ein Beweis, was aus der immensen Plastiktüten-Sucht der Menschheit werden kann: Jährlich werden 500 Milliarden Plastiktüten verbraucht - und als Brückenbeplankung leisten die recycelten Plastiktüten einen wirklichen sinnvollen Beitrag.