Nahtloses Zusammenspiel und delikate Tongebung ließ das "Lazarus Streichquartett" in seinem Konzert des VHS-Musikrings am Samstagabend im Kreiskulturraum nicht nur hören, sondern es faszinierte damit. Das junge Ensemble ist nicht nur instrumentaltechnisch über alle Zweifel erhaben.

Es zeichnet sich insbesondere durch fein ziselierte Homogenität aus. Das bei den Klassikern Haydn und Beethoven, ganz intensiv aber bei Bartoks zweitem Streichquartett. Diesem nahmen die vier Musiker jedwede Sprödigkeit, die in den Interpretionen anderer Quartett-Ensembles oftmals eher unangenehm wirkt.

Aus vier Ländern und von drei Kontinenten stammen Mayumi Kanagawa (USA/Japan) und Jos Jonker (Niederlande/beide Violine), Albin Uusijärvi (Schweden/Viola) sowie Alice Gott (Neuseeland/Violoncello). Sie fanden vor zwölf Jahren in Neuseeland zusammen und residieren seit 2011 als Quartett in Berlin.

Kochen, Spielen, Musizieren

Zusätzlich zu den Probephasen und Konzerten reisen die vier oft nach Holland und Schweden; während dieser Wochen spielen sie nicht nur Quartett, sondern auch klassische Brettspiele. Inspiration kommt auch von gemeinsamem Kochen und von Spaziergängen in der Natur. Vielleicht liegt in solchen außermusikalischen Begegnungen ja das Geheimnis der musikalischen Homogenität der vier erst 25- bis 30-jährigen Streicher.

Das erste Stück des Konzerts, Joseph Haydns Quartett op. 76 Nr. 5, hatte ein Graf Erdödi für 100 Dukaten beim Komponisten bestellt mit der Auflage, dass es erst nach zwei Jahren gedruckt werden darf. Obwohl Auftragswerk, hat Haydn hierfür aber keine Standardnummer produziert, die einer etablierten musikalischen Form folgt.

Luftig und locker

Er hat experimentiert und mehr oder minder leichte Musik um ein Largo geschrieben, das dem gesamten Quartett trotz Eingangstonart Fis-Dur den Namen "Friedhofsquartett" bescherte. Dementsprechend gestaltete das "Lazarus Quartett" auch seine Interpretation luftig und locker - besonders auffallend im Cello, das Alice Gott generell tänzerisch, fast ein wenig im italienischen Stil spielt.

Der Sprung zum zweiten Stück des Abends war groß aber kein Bruch, sondern das andere Ende einer musikalischen Entwicklung, die in den klaren Formen der Wiener Klassik Haydns, Mozarts und Beethovens begann, in der romantischen Phase in schwelgerischen Überschwang geriet und schließlich mit dem ersten Weltkrieg und dem gesellschaftlichen Umbruch neue Wege fand.

Bartoks zweites Streichquartett ist an der Schwelle zu dieser neuen Zeit. Es verwendet kürzere Motive, orientiert sich einerseits an der Volksmusik und den Rhythmen Osteuropas, führt das musikalische "Ausgangsmaterial" aber in "klassischer Manier" durch. Diese damals unerhörte Musik spielte das "Lazarus Quartett" adäquat unerhört, unbeschreiblich emotional und ließ eine Ahnung vom Fin de Siecle vor inzwischen gut 100 Jahren akustisch wieder aufleben.

Krönender Abschluss

Beethovens 6. Streichquartett B-Dur aus op.18 nach der Pause war für den Teil des Publikums, das gewohntere Töne bevorzugt, wohl der krönende Abschluss. Wie aus einem Guss geriet der Kopfsatz des halbstündigen Stückes mit dem kecken Dreiklangsmotiv. Gesanglich großbögig gestaltet erklang das Adagio, schwungvoll das synkopierte Scherzo, bis sich nach ausgedehnter langsamer Einleitung im Schlusssatz heitere Stimmung ausbreitete, die in eine atemberaubende Coda mündete.