Es war der 13. November, als sich in Erlangen ein großer Traum für Michael Schirmer verwirklichte. An jenem Sonntag wurden die Sieger bei der Internationalen Bayerischen Meisterschaft im Bodybuilding ermittelt. "Als ich bei der Siegerehrung als Letzter aufgerufen wurde - das war der schönste Augenblick meines Lebens", sagt der 25-jährige Kronacher. "Da zieht es einem regelrecht die Beine weg."
An jenem Sonntag holte er in Erlangen mit deutlichem Vorsprung gegen neun Mitbewerber den Titel im Classic Bodybuilding und durfte Bayern als Landesmeister zwei Wochen später bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft in Bochum vertreten. Auch gegen die Sieger der anderen Landesverbände konnte er sich mit dem dritten Platz sehr gut in Szene setzen.


In bestmöglicher Form

Die erfreulichen Platzierungen waren aber für Michael Schirmer nicht das Entscheidende. "Mein Ziel war, in bestmöglicher Form bei diesen Wettkämpfen anzutreten - egal welches Ergebnis am Ende dabei herauskommt." Die Platzierung kann er nämlich letztlich kaum beeinflussen, weiß er. Die Bewertung beruht auf der subjektiven Meinung der Wettkampfrichter. "Und wenn man in bestmöglicher Form ist und einige Mitbewerber sind noch besser, dann muss man das auch akzeptieren."
Dass Michael Schirmer an Bodybuilding-Wettkämpfen teilnehmen würde, hatte sich lange Zeit keineswegs abgezeichnet. "Als Kind und noch als Jugendlicher war ich übergewichtig und wollte etwas dagegen tun. Ich wollte mich unbedingt verändern", erzählt er. Mit Fußball beim FSV Ziegelerden würde er das nicht schaffen, war ihm schnell klar. Deshalb ging er vor acht Jahren erstmals ins Fitnessstudio.
Obwohl er dieses neue Hobby sehr regelmäßig betrieb, war an Wettkämpfe vorerst überhaupt nicht zu denken. "Meine Philosophie ist: Wenn ich etwas mache, denn gescheit. Dann will ich das Optimale herausholen." Und da musste in den ersten Jahren das Bodybuilding zurückstehen. Erst kam das Abitur, dann ein duales Studium. Und danach wurde ihm als Firmenkundenberater bei der Sparkasse Kulmbach-Kronach schon in jungen Jahren viel Verantwortung übertragen.


Intensive Vorbereitung

Heuer im Frühjahr fand sich endlich die Zeit, sich an die Verwirklichung eines Traumes zu machen - nämlich an Bodybuilding-Wettkämpfen teilzunehmen. Im letzten halben Jahr bereitete er sich intensiv und diszipliniert vor. Jeden Tag standen zwei Einheiten auf dem Programm - eine früh und eine abends nach der Arbeit. Das Training absolvierte er im Kronacher Fitness 24 und im Gym 80 in Küps bei Jürgen Schirmer, der ihm mit Rat und Tat zur Seite stand.
Um so enttäuschender verlief angesichts dieses hohen Aufwandes sein erster Wettkampf überhaupt - die Süddeutsche Meisterschaft Ende Oktober in Gersthofen. "Da hatte ich einige gesundheitliche Probleme, und es lief überhaupt nicht wie erhofft." Platz 7 war für ihn alles andere als optimal.
Um so besser lief es für ihn dann bei den besagten Meisterschaften in Erlangen und Bochum. "Es ist schön, dass sich die Entbehrungen der vergangenen Monate ausgezahlt haben." Die Wettkämpfe der vergangenen Wochen waren für ihn eine "Supererfahrung für die Persönlichkeitsentwicklung. Ich bin physisch und psychisch gereift."
Allein hätte er es nicht geschafft, ist er überzeugt. "Bodybuilding ist kein Einzelsport. Ohne ein gutes Team aus Freunden und Familie, das einen unterstützt, kann man solche Ziele nicht erreichen", weiß er die Hilfe aus seinem Umfeld sehr zu schätzen.
Dennoch wird die Deutsche Meisterschaft sein vorerst letzter Wettkampf dieser Art sein. In nächster Zeit will er andere Prioritäten setzen, will sich mehr um sein Privatleben kümmern und verstärkt berufliche und akademische Ziele in den Mittelpunkt rücken. Ins Fitnessstudio wird er aber weiterhin regelmäßig gehen. "Da würde ich nie aufhören, denn der Sport hat mir auch ohne Wettkämpfe extrem viel gegeben - gerade in Sachen ausgewogener Ernährung und einem gesunden Lebensstil, aber vor allem in Sachen Selbstdisziplin."
An einer seiner wichtigsten Maxime lässt er auch weiterhin nicht rütteln: "Man sollte sich im Leben immer Ziele setzen - und sie dann mit Nachdruck verfolgen."