Am Donnertagabend beginnt das Kronacher Freischießen mit dem traditionellen Bieranstich: Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW) versucht, den Zapfhahn mit möglichst wenigen Schlägen ins Fass zu treiben - und er möchte natürlich nicht, dass auch nur ein Schaumspritzer die Akteure rundum trifft.

Bei der Routine, die er sich mittlerweile angeeignet hat, ist davon auszugehen, dass der Bieranstich unfallfrei - die Kleidung bleibt trocken, die Kehlen nicht - vonstatten geht. Nicht nur aus dem Fernsehen kennt man die "Schaumpartys", wenn sich Fontänen des edlen Gerstensafts aus den Fässern auf das Publikum rundum ergießen. Und auch schon einige Prominente haben beim Anstich im wahrsten Sinne des Wortes danebengehauen. Damit der Bieranstich auch zu Hause reibungslos klappt, hat uns Robert Smith, Braumeister der Kaiserhof-Bräu in Kronach, einige Tipps gegeben. In der Kaiserhof-Festhalle findet heuer der Freischießen-Bieranstich statt.


1. Wie sieht die Vorbereitung aus?
Das Fass muss gut vorgekühlt sein. Entweder man holt es kurz vor dem beabsichtigten Anstechen aus dem Kühlhaus ab, oder - besser noch - man hat zu Hause eine Möglichkeit, das Bier im Fass auf Kellertemperatur (sieben bis acht Grad) kühl zu halten. Die zweite Möglichkeit ist deshalb die bessere, weil das Bier durch Stauchen, Erschütterung etc. des Fasses "unruhig" werden kann. "Die Kohlensäure im Bierfass reagiert genauso wie der Champagner, wenn die Flasche nach einem Formel-1-Rennen geschüttelt wird", warnt Robert Smith vor einer unbeabsichtigten Bierdusche.

2. Welche Ausrüstung braucht man?
Das entsprechende Equipment vorher bereitlegen. Der Zapfhahn muss zum Fass passen und man muss auch gucken, in welcher Stellung er geschlossen ist. Sonst gibt's auch eine kleine Überschwemmung, selbst wenn der Hahn perfekt ins Fass eingetrieben wird. Vor dem Anstechen muss man natürlich die Hygiene-Grundregeln beherzigen: Hahn, Entlüftungsventil ("Pfeife") und die Dichtgummis mit heißem Wasser spülen und mit kaltem Wasser abkühlen. Auch einige saubere Gläser oder Krüge für das Ablassen des Schaums aus dem Überdruck in Griffweite bereitstellen.

3.Jetzt wird's ernst - wir schreiten zur Tat.
Dichtgummi in die Zapfbuchse im Fass legen, den Hahn ansetzen - Achtung: Er muss geschlossen sein! Zwei bis drei kräftige Schläge mit dem Holzschlegel genügen und der Hahn ist drin. "Bitte nicht draufhauen wie auf einen Amboss", bittet der Braumeister, "denn der Hahn muss nur ein bis zwei Zentimeter ins Fass getrieben werden".

4. Der größte Fehler, den man machen kann
Den Schlegel beiseitelegen und ein Glas oder einen Krug nehmen, damit man den Druck aus dem Fass ablassen kann. Den Hahn niemals loslassen, sondern mit einer Hand immer gegen das Fass drücken. Die Siegerpose wäre jetzt verfrüht, sonst wird der Hahn wegen des Überdrucks, der sich inzwischen im Fass aufgebaut hat, wieder rausgedrückt und die Umstehenden bekommen eine unfreiwillige Bierdusche.

5. Der letzte Akt der Zeremonie
Ist der Druck im Fass nach einigen Gläsern schaumigen Bieres abgebaut, fließt nichts mehr aus dem Hahn. Dann muss das Lüftungsventil (die "Pfeife") oben ins Fass eingetrieben und ein wenig aufgedreht werden. Es strömt so viel Luft von oben ins Fass wie unten aus dem Hahn Bier herausfließt. Es empfiehlt sich, gerade an heißen Tagen Kühlakkus und ein nasses Tuch auf das Fass zu legen. Da bleibt das Bier schön frisch.

6. Gelten diese Regeln auch beim Freischießen?
Das Ritual beim Kronacher Freischießen ist vergleichbar mit dem bei einer Gartenparty. Nur: Dem Kronacher Bürgermeister schauen ein paar Leute mehr zu als beim Bieranstich auf einem Privatgelände. Dafür hat er den Vorteil, dass er fast schon ein Profi beim Bieranstich ist - und ihm richtige Profis hilfreich zur Seite stehen.