Der Name Veronika Schadeck hat sich über lange Jahre für unsere Leser zu einem Gütesiegel entwickelt. Als Berichterstatterin steht sie für ebenso sachliche wie auch kritische Texte, in denen die 59-Jährige selbst bei schwierigen Themen kein Blatt vor den Mund nimmt. Ihre gleichermaßen offene wie hinterfragende Art stellt sie nun in den Dienst des Landkreises. Im Interview stellt sie ihre neue Aufgabe als Mobilitätsscout vor. Wann haben Sie Ihre neue Tätigkeit aufgenommen? Veronika Schadeck: Seit 1. Dezember bin ich Mobilitätsscout. Diese Aufgabe ist vorläufig bis 30. April angelegt. Der Landrat hat mich angesprochen, ob ich diese Funktion übernehmen möchte. Dieses Zeichen des Vertrauens ehrt mich. Und ich bin ja nicht mehr die Jüngste. Da ist es auch nicht selbstverständlich, mit so einer Aufgabe betraut zu werden. Was steckt hinter dem Begriff "Mobilitätsscout"? Ein Scout ist ein Beobachter. Beim dem Start des Mobilitätskonzeptes gab es einige Schwierigkeiten. Dann wurde das System immer weiter verbessert. Meine Aufgabe ist es nun, die verschiedenen Linien abzufahren sowie mit Schülern, Jugendlichen, erwachsenen Fahrgästen und Busfahrern ins Gespräch zu kommen.

Ich soll herausfinden, wie zufrieden sie sind, welche Bedürfnisse sie haben und wo es noch hakt. Es geht auch darum, ob die Haltestellen pünktlich angefahren werden oder es Verspätungen gibt. Ich beobachte, in welchem Zustand die Bushaltestellen sind und ob Fahrpläne aushängen.

Weiter geht es darum, mit Eltern, Elternbeiräten und Schulen wegen des Schülerverkehrs ins Gespräch zu kommen. Wir wollen erfahren, wo die Ansatzpunkte für weitere Verbesserungen zu finden sind. Wir versuchen zu ermitteln, wo der ÖPNV weiter optimiert und auf die Bürger zugeschnitten werden kann.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus? Ich sammle möglichst viele Informationen und Eindrücke. Diese dokumentiere ich wie in einer Art Tagebuch in verschiedenen Datenordnern. Darin werden meine Erfahrungen nach den unterschiedlichen Themenbereichen sortiert. Wie laufen die Befragungen ab? Ich spreche die Menschen zum Beispiel an den Bushaltestellen an. Ich frage aber auch die Leute, die an den Bussen vorbeigehen. Eine Hemmschwelle habe ich da eigentlich nicht, da bin ich eher neugierig. Wie kommt das bei den Leuten draußen an? Nach zwei Tagen lässt sich das noch nicht so richtig einstufen. Da möchte ich erst noch mehr Eindrücke sammeln.

"Der ÖPNV wird sich immer weiter entwickeln"

Wie finden Sie persönlich den Schritt, ein Scout-Projekt ins Leben zu rufen? Gut. Der neue ÖPNV ist ja kein Projekt für die Politiker, sondern gedacht für die Bürger, damit sie mobiler werden können. Er wird immer weiter verbessert werden und sich weiter entwickeln. Das feilen daran wird daher wohl nie ganz aufhören. Nehmen wir beispielsweise jetzt die Corona-Situation: Wenn sie überstanden ist, wird die Lage auch in Sachen ÖPNV wieder ganz anders aussehen als heutzutage. Warum ist es wichtig, neben der Mobilitätszentrale auch draußen einen Ansprechpartner zu haben? Die Zentrale mit Gabriele Riedel an der Spitze liefert eine sehr gute Arbeit. Ich werde mich bei meiner Tätigkeit eng mit den Verantwortlichen dort absprechen. Meine ersten Erfahrungen bei der Zusammenarbeit waren schon sehr gut. Trotzdem erscheint es mir wichtig, das jemand vor Ort ist. Was den Dienst draußen angeht, denke ich, dass im direkten Gespräch gewisse Barrieren schneller fallen als bei einem Telefonat. Und man erlebt hautnah das Geschehen rund um den ÖPNV. Sie sind ja als Berichterstatterin für den Fränkischen Tag sehr bekannt im Landkreis Kronach. Hilft das journalistische Arbeiten auch in der neuen Tätigkeit? Ich gehe davon aus, dass ich von meiner Erfahrung profitieren kann. Durch die Arbeit als Berichterstatterin gehe ich anders mit der Situation um, auf Fremde zuzugehen. Ich habe keine Hemmungen Leute zu befragen und Situationen zu hinterfragen. Das empfinde ich inzwischen als eine spannende Sache. Ich habe auch die Vielfalt des Frankenwalds kennen gelernt, die unterschiedlichen Menschen und Branchen. Und es gehört dazu, dass ich mir ein dickes Fell zugelegt habe (schmunzelt). Wie beurteilen Sie die Zukunft des neuen ÖPNV im Landkreis? Ich denke, dass er wachsen und mit der Zeit immer besser angenommen wird. Viele Leute wissen gar nicht um die Möglichkeiten, die das neue ÖPNV-Konzept für die Freizeit bietet. Im Pendelverkehr gibt es ebenfalls unheimliche Verbesserungen. Dass nicht alles sofort klappt, das ist bei so einem umfangreichen Projekt doch zu erwarten. Aber es wird immer besser werden. Der neue ÖPNV ist meinem Eindruck nach ein gutes Projekt.