Schlechte Nachrichten für Fußgänger und Radfahrer, die auf die Reparatur des weiß angepinselten so genannten Schwarzen Stegs in Kronach warten: Das Bauwerk ist nicht mehr zu retten. Die vom Stadtrat bei der jüngsten Sitzung beschlossene Ertüchtigung mit Hilfe von Stahlträgern ist wegen des desaströsen Zustands des Bauwerks nicht möglich.

"Der Steg ist bis auf den Kern geschädigt", bedauert Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein (FW), dass das Einziehen von Stahlträgern nichts bringen würde. Die Mehrheit des Stadtrats hatte sich bei der vergangenen Sitzung durch das Abstützen der maroden Holzkonstruktion eine mit 40 000 Euro im Vergleich kostengünstige Lösung für die nächsten Jahre versprochen, um genug Zeit für weitere Überlegungen zu haben. Doch das ist nicht möglich, weil die inzwischen Konkurs gegangene Firma, die den Steg errichtet hat, übel gepfuscht hat. Die Holzkonstruktion, die sich ja über den Flüssen befindet, keine Überdachung hat und dauernder Feuchtigkeit ausgesetzt ist, wurde nicht fachmännisch imprägniert und fault seit Jahren vor sich hin.

Jetzt arbeitet die Verwaltung fieberhaft daran, die Kosten für die verschiedenen Varianten einer Fußgängerquerung über die Flüsse Haßlach und Kronach zu ermitteln. Bei der Sitzung des Stadtrats am kommenden Montag sollen dem Gremium die Kostenanalysen vorgelegt werden, damit es zu einer Entscheidung kommen kann.


Zwei Varianten

Im Gespräch sind zwei Varianten: eine Erneuerung des Stegs, die mehr als 200 000 Euro kosten würde, und die Nutzung der ehemaligen stählernen Bahnbrücke der Nebenbahnlinie nach Höfles. Doch letztgenannte Alternative frisst viel Zeit, denn die Bahn kann nicht vor dem dritten Quartal des nächsten Jahres sagen, ob sie die nicht mehr genutzte und zwischen Plessiturm sowie Seebühne ins LGS-Gelände mündende Brücke überhaupt verkauft. Stadträte schüttelten bei der vergangenen Sitzung den Kopf, als sie das Wort "Verkauf" hörten. Sie meinten, die Bahn könnte froh sein, wenn sie das für ihre Zwecke überflüssige Bauwerk verschenken dürfte.

Mit möglichen Erwerbskosten ist es nach Auskunft von Bürgermeister Beiergrößlein aber noch nicht getan. Das Herrichten der mit Gleisen belegten Brücke für Fußgänger und Radfahrer sowie die Anbindung an das Radwegenetz im Süden Kronachs würden auch ein hübsches Sümmchen kosten. Deren Höhe eruiert die Verwaltung bis zum kommenden Montag. Von der Bahnbrücke bis zur Bahnunterführung der Alten Bamberger Straße müssten ein Radweg gebaut und Schotter entsorgt werden. Auch eine Beleuchtung wäre zu installieren. Dem Bürgermeister sind die horrenden Kosten der Entsorgung von kontaminiertem Aushub, der im Zuge des Erwerbs von Gelände von der Bahn für die Landesgartenschau anfiel, noch gut in Erinnerung.


Eine abgespeckte Version

Das Stadtoberhaupt sucht deshalb nach einer weiteren Lösung: Ob nicht eine abgespeckte Version des Schwarzen Stegs möglich ist, denn schließlich "ist der Schwarze Steg eine wichtige Schülerverbindung, die Hauptwegeverbindung zum Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Wir müssen auf jeden Fall eine Flussquerung im Süden Kronachs in irgendeiner Form wiederherstellen", stellte Beiergrößlein klar. Die Stadt Kronach sei wegen der Haushaltssituation dazu aufgerufen, eine wirtschaftliche und kostengünstige Lösung zu finden.

Dem Bürgermeister bereitet es Bauchschmerzen, dass der Schwarze Steg seit Monaten aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Bei der möglichen Nutzung der Bahnbrücke ginge ein weiteres Jahr ins Land, bis man entscheiden könnte, ob die Bahnbrücke statt des Schwarzen Stegs als wichtige Fußgängerquerung der Flüsse infrage käme. Und dann würden weitere Monate der Baudurchführung verstreichen.