Im Gehülzer Schulgebäude sollen bald Kleinkinder toben. Bis vor wenigen Tagen war das Gebäude noch als Notunterkunft für Asylbewerber eingeplant (wir berichteten). Aber Schimmelbefall des Kindergartens im Ort warf den Plan über den Haufen. Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein und Landrat Oswald Marr bewiesen in dieser Sache rasche Reflexe.

Schnell, unkompliziert, unbürokratisch. Das sind Lobesworte, die Roland Spindler den beiden Politikern widmet. "Dank ihres schnellen Handelns haben wir eine gute Zwischenlösung für die Kinder des Gehülzer Kindergartens gefunden", sagte der Sprecher der Kirchenverwaltung "St. Bonifatius" Breitenloh gestern. Die Zeit drängte: Seit Dezember läuft der Betrieb im Kindergarten eingeschränkt. Die Turnhalle ist tabu, die Räume im Hauptgebäude werden regelmäßig intensiv gelüftet, um eine höhere Konzentration gesundheitsgefährdender Schimmelsporen zu vermeiden.

Erst einmal nicht dringend...
Seit Monaten riecht es, vor allem in der Turnhalle des Kindergartens, feucht und muffig. Einige Kinder klagten nach längerem Aufenthalt in der Halle über Kopfschmerzen. Für Eltern, Kindergartenpersonal und -Leitung ein Alarmsignal. "Wir suchten das Gespräch mit der Stadt, um eine Sanierung voranzubringen", so Roland Spindler. Eine frühere Sanierung vor etwa drei Jahren, hieß es gegenüber dieser Zeitung, sei wohl nicht fachmännisch ausgeführt worden. Das könne eine Ursache für den erheblichen Befall mit Schimmelpilzen gewesen sein.
Das Gespräch der Breitenloher Kirchenverwaltung mit der Kronacher Stadtverwaltung fand Mitte Dezember statt. Da hieß es noch, die Sanierung des Kindergartens müsse vier bis fünf Jahre warten. "Es sei denn, wir könnten einen Dringlichkeitsantrag vorlegen", erinnert sich Spindler.

Da sie aber Gefahr im Verzug witterte, ließ die Kirchenverwaltung von einer Nürnberger Expertenfirma ein baubiologisches Gutachten erstellen, das zwar teuer, aber dringend angebracht war. Denn das Ergebnis lautete: dringender Handlungsbedarf. Schimmel wurde gefunden, insbesondere im Eingangsbereich des Kindergartens, an Fenstern des Gebäudes und am Inventar der Turnhalle.

Schnellstens zu sanieren
Die Kirchenverwaltung gab die Ergebnisse des Gutachtens an das Kronacher Gesundheitsamt. Das wiederum leitete es - mangels eigener Expertise zur Beurteilung - an Experten in der Landeshauptstadt weiter. Freitag vergangener Woche bestätigten die Fachleute den ersten Bescheid und gaben "die Empfehlung, schnellstens zu sanieren", so Spindler.

Den Verantwortlichen von Kindergarten und Kirchenverwaltung "brennt es unter den Nägeln". Die Kinder sollen in eine gesundheitlich unbedenkliche Atmosphäre kommen. Spindler rief deshalb noch an dem Freitag, an dem die Ergebnisse eintrudelten, Kronachs Bürgermeister Wolfgang Beiergrößlein an. Wollte klarmachen, wie dringend die Sanierung des Kindergartens sei. An dieser Stelle lobt Spindler ausdrücklich das "schnelle, unkomplizierte und unbürokratische" Handeln des Bürgermeisters.

Am Montag hatte der das Gutachten auf dem Schreibtisch, und für Dienstagmorgen lud er zum Gespräch. Zeitgleich suchte der ebenfalls verständigte Landrat Oswald Marr den Kontakt zur Regierung von Oberfranken, um das Gehülzer Schulgebäude - als nahe liegendes Objekt - zur Nutzung freizubekommen. Die Bezirksregierung hatte das Gebäude eigentlich zur Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen (wir berichteten am 17. Februar).

Am Dienstagnachmittag war dann bereits so gut wie klar, dass das Schulgebäude für die Kindergartenkinder genutzt werden könne. Eine Delegation aus Fachleuten von städtischem Bauamt, dem Landratsamt sowie Verantwortlichen für den Kindergarten begutachtete, welche Vorkehrungen für den Einzug der Kleinen zu treffen seien. Ein Wallenfelser Architekt ist bereits damit beauftragt, kindgerechte Umbauten in die Wege zu leiten.
Kronachs Hauptamtsleiter Stefan Wicklein, der den Prozess begleitet, konnte gestern allerdings noch nicht sagen, wann die Kinder umziehen können. "Wir von der Stadt werden dafür sorgen, dass die Schule kommende Woche leergeräumt ist", so Wicklein.

Was wird aus den Flüchtlingen?
Wann die dringend notwendige Sanierung des Kindergartens in Gehülz beginnen kann, ist ebenfalls noch unklar. "Der Stadtrat hat zu beschließen, ob die Reihenfolge der zu sanierenden Kindergärten verändert wird", so Wicklein. Die in Dörfles und Gundelsdorf sind momentan noch vor dem Gehülzer Kindergarten zur Sanierung vorgesehen.

Nun, da die Gehülzer Schule anderweitig vergeben ist, muss allerdings eine Alternative für die Flüchtlinge her. Der Winternotfallplan zur Unterbringung von Flüchtlingen sieht vor, dass Kronach den Bezirk Oberfranken bei der Aufnahme von Flüchtlingen unterstützt. In dem Gehülzer Schulgebäude hätte man bis zu 150 Menschen unterbringen können.

Alternativ haben sich Landrat Marr und Bezirksregierung gestern mündlich auf das Jugendübernachtungshaus in Mitwitz geeignet. "Als eine Art Notfallplan im Notfallplan sozusagen", sagte der Bürochef des Landrats, Stefan Schneider. Eine schriftliche Fixierung der Vereinbarung, so Schneider, sei zu erwarten. Wermutstropfen: Das Jugendübernachtungshaus bietet statt der 150 möglichen Plätze in Gehülz maximal 50.

Wie geht's weiter?
Zu einem Eltern-Informationsabend lädt die Kirchenverwaltung "St. Bonifatius" Breitenloh heute Abend ein. Beginn ist um 19 Uhr im Gehülzer Jugendheim.