"Die Besonderheit bei dieser Baumaßnahme sind die stark verkippenden Mauerelemente im Birkenweg. Im Laufe der Jahre entstanden talseitige Bewegungen im oberen Bereich der Mauer von fast 20 Zentimetern", erklärt Markus Albrecht, Geschäftsführer und Inhaber des Ingenieurbüros IVS in Kronach, während er auf die deutlich sichtbare Verkippung der Stützmauer zeigt. Bei einer Baubesichtigung am Donnerstagmorgen (mit dem Polier Volker Schäfer von der bauausführenden Baufirma STL aus Sonneberg) überzeugte sich Albrecht zusammen mit Diplom-Ingenieur (FH) Edwin Schuberth, der für die örtliche Bau-überwachung verantwortlich zeichnet, sowie Wilhelmsthals Bürgermeisterin Susanne Grebner vor Ort vom gutem Voranschreiten der dringend notwendigen Baumaßnahme. Seit der ersten August-Woche läuft die Sanierung der Stützmauer auf einer Gesamtlänge von 60 Metern.
Dabei handelt es sich um eine - wie Albrecht betont - technisch sehr anspruchsvolle Baumaßnahme - bereits im Vorfeld: bei der Erkundung, Planung, Vorbereitung sowie Beantragung der Fördergelder. Aber auch die nun laufende Bauausführung sei aufgrund der beengten örtlichen Verhältnisse alles andere als einfach.
In seiner Sitzung vom Januar 2012 hatte der Gemeinderat Wilhelmsthal die Sanierung der Stützmauerteile im Birkenweg wie auch in der Festungsstraße beschlossen. Die Firma IVS hatte zunächst Bodenuntersuchungen vorgenommen, um festzustellen, welche Sanierungsvariante für die einsturzgefährdeten Stützmauern in Frage kommt. Für die mittlerweile abgeschlossene Maßnahme in der Festungsstraße entschied man sich für eine Rückverankerung durch Bodennägel, beim Birkenweg wird eine Verankerung der bestehenden Stützbauelemente durch Verpressanker vorgenommen. "Ein Neubau der Mauer - vom Fundamentbereich über die Wände bis zu den Mauerköpfen - wäre vor allem aus wirtschaftlicher Sicht für alle Beteiligten nicht tragbar gewesen", zeigt sich der Geschäftsführer sicher. Bei der Verankerung durch Verpressanker - ein Sicherungselement, das eine aufgebrachte Zugkraft mittels Stahlzugglied in eine tragfähige Felsschicht im Baugrund überträgt - handelt es sich um ein bauaufsichtlich zugelassenes und geprüftes System im Spezialtiefbau. Für die Standsicherheit werden Daueranker zweilagig rückwärts durch die Stützwand in die Erde eingebohrt und verpresst - mit einer Tiefe von bis zu zwölf Metern in den tragfähigen Baugrund. "Nach Abschluss der Verankerungsarbeiten sowie Errichtung des Mauerkopfes und des Geländes, haben wir wieder eine intakte Stützmaueranlage - nahezu mit Neubau-Charakter", so der Geschäftsführer. Im Zuge der Baumaßnahme erfolgte zusätzlich - in guter Kooperation mit dem Zweckverband Frankenwaldgruppe (FWG) - gleich die Verlegung neuer Trinkwasserleitungen, nachdem diese bereits in die Jahre gekommen waren. "Durch die Straßenwiederherstellung kann so ein gemeinsamer Synergieeffekt erreicht werden", freut sich der Diplom-Ingenieur (FH). Die neuen Versorgungsleitungen wurden auf einer Länge von 170 Metern verlegt.

90 Prozent Förderquote

Dabei konnte auch ein neuer Mischwasserkanal der Gemeinde und eine neue Trinkwasserleitung mit circa 15 Hausanschlüssen realisiert werden. Die Gesamtbaumaßnahme beläuft sich auf 475 000 Euro, davon 320 000 Euro für die reine Sanierung der Mauern und Straßenbau, 84 000 Euro für Kanalarbeiten sowie 71 000 Euro für die Wasserleitungen. Die Abstimmung der Fördermittel hatte sich lange hinausgezögert - bis in das Jahr 2012, in dem man schließlich den Antrag einreichte. Die Bemühungen haben sich mehr als gelohnt. So betragen die Fördermittel satte 90 Prozent.
"Ich möchte mich für diese sehr hohe Summe herzlich bei der Regierung bedanken. Die Regierung hat erkannt, dass es sich hier in Wilhelmsthal aufgrund der örtlichen Gegebenheiten um einen Sonderfall mit finanzieller Härte handelt und uns dementsprechend mit Fördermitteln bedacht", zeigte sich Bürgermeisterin Susanne Grebner dankbar. Es sei ihr sehr wichtig gewesen, dass die Anlieger vorab seitens der Baufirma und der Gemeinde umfassend über das Bauvorhaben informiert wurden. So fanden im Vorfeld Infoveranstaltungen statt. Obwohl sich die Baumaßnahme hinziehe und trotz aller Unannehmlichkeiten für die Anwohner, habe es bislang keinerlei Beschwerden gegeben. Dafür dankte sie. Auch der Planer sowie bauausführende Firma STL lobten das Verständnis der Anwohner und dankten besonders für die konstruktive Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Gemeinde Wilhelmsthal, stellvertretend der Bürgermeisterin.