Von außen wirkt das Gebäude der L.A. Schmitt-Kosmetik in Ludwigsstadt ziemlich unscheinbar. Und auch von innen ist es ein eher nüchternes Fabrikgebäude ohne bauliche Besonderheiten. Naja, sieht man von der Kartonagenwand im Treppenhaus mal ab. Und dennoch liefert die chemisch-kosmetische Firma hinter ihren Mauern gerade einen unschätzbaren Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Sie hat nämlich teilweise ihre Produktion umgestellt und beliefert Gewerbetreibende jetzt auch mit Hände-Desinfektionsmittel.

Ermöglicht hat das ein Sondererlass der Bundesregierung, dem eine Allgemeinverfügung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zugrunde liegt. Auf der Homepage der Firma wird auch gerade dafür geworben mit dem Hinweis, dass ein Gewerbeschein oder ein vergleichbares Dokument Voraussetzung für die Belieferung sei.

Geschäftsführer Ivo Petschke erklärt erst einmal das mit der provisorischen Wand aus Kartons: "Wir mussten die Verwaltung von der Produktion trennen und das war die schnellste Lösung. Ein kluger Schachzug war auch der Plan für das neue Mitarbeiterkonzept. "Wir sind ein kleiner, mittelständischer Betrieb mit 20 Leuten und haben unser gesamtes Team durchgemischt. Denn, sollte ein Corona-Fall eintreten, müssten alle in Quarantäne und wir könnten dann nicht mehr liefern. Deshalb haben wir geguckt, wer sich in der Produktion am Computer auskennt und wer aus der Verwaltung ans Band gehen kann. Und so haben wir durchgemischt. In der Verwaltung sitzen jetzt Produktionsmitarbeiter und in der Produktion Verwaltungsmitarbeiter. Und wir haben die Produktion baulich und provisorisch von der Verwaltung getrennt. Die Gruppen sollen sich während der Arbeitszeit nicht begegnen. Privat ist dies schwierig zu verbieten, aber da haben wir den Wunsch geäußert, dass sie es nicht tun. Dieses Konzept haben alle von Anfang an gelebt. Es ist nicht schön, aber notwendig."

Seit knapp 100 Jahren stellt die Firma Kosmetikartikel her und vertreibt sie weltweit. "Wir machen unter anderem Private Label (Handelsmarken)", erklärt Petschke "und wir blicken auf eine langjährige Erfahrung zurück." Auch Hygienehandspray und Gel habe man schon seit Jahren in kleinerem Stil produziert, deshalb verfüge man auch über das nötige Know-How.

"Der Rohstoff dafür wird bei uns schon immer eingesetzt. Es geht hier um einen höheren Alkoholgehalt. Die Herausforderung war, Alkohol und Glyzerin überhaupt zu bekommen, denn das haben wir ja nicht standardmäßig in großen Mengen da." Verkauft werde nicht an den Endverbraucher, wie er noch einmal betont, sondern an Gewerbetreibende.

Petschke nennt beispielsweise Frisöre und Einzelhändler als potenzielle Kundschaft. "Am Markt kostet das Desinfektionsmittel das Dreifache. Wir bieten es deutlich günstiger an, weil es ein Fabrikverkauf ist." Man könne also mit seinem Kanister kommen und die gewünschte Menge abfüllen lassen, beschreibt er das Prozedere. Auch Sammelbestellungen lägen ihm schon vor, und gerade bei den Frisören sei die Nachfrage derzeit sehr groß. "Die Anfragen laufen über E-Mail, es gibt erst einmal keine Mengenbegrenzung. Aber wir brauchen natürlich einen Nachweis, dass es sich durchweg um Gewerbetreibende handelt."

Hoher Hygienestandard

Eine zweite Herausforderung habe sich bei den rechtlichen Rahmenbedingungen ergeben. "Ich will ja jetzt nicht meckern, aber die Regierung verkündet ganz schnell etwas, und dann muss der Apparat dahinter erst einmal die Bedingungen dafür schaffen. Wir reden hier von einem Biozid (Biozide sind im nicht-agrarischen Bereich eingesetzte Chemikalien oder Mikroorganismen zur Bekämpfung von Schädlingen, also beispielsweise Desinfektionsmittel, Rattengifte oder Holzschutzmittel, d. Red.). Wir mussten uns also einarbeiten und alles abklären. Mit der notwendigen Hygiene dagegen gab es wenig Probleme, denn wir arbeiten ja schon immer in einem sensiblen Bereich mit diesbezüglich sehr hohen Ansprüchen."

Desinfektion und Mundschutz sei in dem Unternehmen schon immer ein Thema. "Aber selbstverständlich haben wir ein erweitertes Hygienekonzept erarbeitet."

Die Situation in der Abfüllung beschreibt Produktionsleiter Dominik Wich: "Wir haben hier aktuell zehn Mitarbeiter. Der Boom nach Desinfektionsmitteln ist eindeutig da." Mit seiner Hand deutet er auf eine Maschine, der wohl nur für Eingeweihte ansehen, welchen Zweck sie erfüllt. Sie sorgt nämlich für das heiß begehrte und dringend benötigte Desinfektionsmittel. "Sie könnte eventuell im Drei-Schicht-Betrieb laufen. Aber wir fangen erst einmal klein an, dann werden wir unsere Mengen wohl sukzessive erhöhen müssen. Die Planung dafür läuft schon."