Norbert Gräbner will's versuchen. Marktrodachs Bürgermeister wird wohl bei der kommenden Landratswahl 2016 für die SPD im Kreis Kronach kandidieren. Nicht als "Parteisoldat", wie er meint. Sondern als jemand der "vor Ort entscheidet, was man tun kann". Der Kreisvorstand der Sozialdemokraten sprach eine einstimmige Empfehlung aus. Damit ist Gräbner der erste fixe Kandidat im Rennen um das Amt des Landkreis-Chefs.

Im kommenden Jahr werden es 20 Jahre, die Norbert Gräbner Bürgermeister von Marktrodach ist. Die Zügel nach so langer Zeit aus der Hand zu geben, wäre für ihn nicht leicht. "Wir haben in der Zeit viel entwickelt und ein gutes Netzwerk gesponnen", meint er. Eine heisere Stimme und häufiges Husten verraten, dass er eigentlich im Bett liegen sollte. Der 58-Jährige sitzt aber am Schreibtisch im Büro. Als beendet sieht er seine Arbeit in der Kommune nicht an. Eine Dorferneuerung Zeyern, das Schaffen barrierefreien Wohnraums und die Verbesserung des Internets treiben ihn derzeit um. Es scheint, als sei die Möglichkeit, Landrat zu werden, noch nicht das zentrale Thema auf seinem Aufgabenzettel. Gräbner wirkt unaufgeregt.

Mehr Gestaltungsspielraum
"In jedem Fall blieben mir in Marktrodach noch zwei Jahre zum Gestalten", sagt er. Das hat derzeit Priorität. Sehr wohl würde er sich aber darüber freuen, als Landrat mehr Gestaltungsspielraum zu haben. "Darüber nachgedacht habe ich seit 100 Jahren", meint er lachend. Marktrodachs Bürgermeister mag es nach eigener Aussage, zu steuern und dann zu sehen, wie Pläne aus Schubladen Realität werden. Auch wichtig: Der zeitliche Mehraufwand - sollte er denn Landrat werden - wäre von Frau und Tochter genehmigt, meint Gräbner und lächelt.

Für den Mann, der glaubt, dass es bei der Landratswahl vor allem um Persönlichkeit, weniger um das Parteibuch gehen wird, spricht die Erfahrung. Gräbner war Leiter der Tiefbau-Verwaltung im Kronacher Landratsamt sowie zwischenzeitlich in den Ämtern in Kulmbach und Bamberg angestellt. Er kennt den komplexen Apparat, die Abläufe und Strukturen. "Ich bin groß geworden im Landratsamt", meint Gräbner. Gefragt nach den Schwerpunktthemen, die er als Landrat angehen würde, nennt er: Infrastruktur, Arbeitsplätze, kurze Schulwege und "den Landkreis demografiefest machen".

Vom Kreisvorstandsvorsitzenden der SPD, Ralf Pohl, hieß es: "Norbert Gräbner ist ein erfahrener, bürgernaher Bürgermeister und somit ein hervorragender Kandidat." Am Beispiel seiner Heimatgemeinde könne man sehen, wie man auch in einem nicht so leichten Umfeld eine positive Entwicklung voranbringen kann.

Baumgärtner "gratuliert"
Der Kreisvorstand, hieß es weiter, habe einen einstimmigen Empfehlungsbeschluss gefasst, dass Norbert Gräbner für das Amt des Landrates kandidieren solle. Die Delegiertenversammlung werde abschließend über die Nominierung entscheiden. Der SPD-Kreisvorstand folgte einer Empfehlung von Ludwigsstadts Bürgermeister Timo Ehrhardt. Er hatte Norbert Gräbner als Landratskandidaten vorgeschlagen.

Der CSU-Kreisvorsitzende Jürgen Baumgärtner sprach seine Gratulation aus, dass die SPD einen Kandidaten gefunden hat. "Bei dem Angebot war das nicht leicht", schickt er hinterher. Was er damit meint? Der Vorsitzende, Ralf Pohl, spiele auf politischem Parkett "keine große Rolle". Egon Herrmann sei "im Altersband nicht der Richtige". Und Timo Ehrhardt strebe offensichtlich in Richtung Landtag. "Das ist ein offenes Geheimnis", meinte Jürgen Baumgärtner. Den Kandidaten Norbert Gräbner bezeichnete der CSU-Kreisvorsitzende als einen "netten Kerl".

Einen eigenen Kandidaten werden die Christsozialen voraussichtlich im September präsentieren. Derzeit befinde man sich in der Phase, in der in und mit den Ortsverbänden über Kandidaten diskutiert werde. Baumgärtner sagte, er lege Wert auf die demokratischen Mechanismen und betonte, dass es keine "Hinterzimmergespräche geben" wird.

Reine Spekulation?
Wer für die CSU kandidieren wird, ist nach Baumgärtner also noch völlig offen. Einige gehen allerdings davon aus, dass die CSU den Steinbacher Bürgermeister Klaus Löffler ins Rennen schicken wird. Auch die Freien Wähler haben angekündigt, einen Kandidaten zu stellen. Dort werden immer wieder die Namen Stefan Wicklein und Tino Vetter (Kreisvorsitzender) gehandelt.

Wechsel nach 18 Jahren
Vetter selbst sagte gestern, dass jegliche Diskussion um mögliche Kandidaten der Freien Wähler "reine Spekulation" sei. Im Herbst dieses Jahres, so Vetter, wolle man "Nägel mit Köpfen machen". Bis dahin stimme man sich mit den und innerhalb der Ortsverbände ab. Es sei genug Zeit und gebe keinen Grund, überstürzt zu entscheiden. Den SPD-Kandidaten Gräbner bezeichnete Vetter als einen offenen, umgänglichen Zeitgenossen. "Aber wen die SPD aufstellt, das ist deren interne Sache", zeigte er sich sparsam mit Kommentaren.

Fest steht, dass der jetzige Landrat Oswald Marr im kommenden Jahr nicht wieder antreten wird. Der 68-Jährige ist seit 1998 im Amt. Für einen Kommentar zur Wahl war Marr gestern nicht zu erreichen.