Allein sein heißt nicht, sich einsam fühlen zu müssen. Die 91-jährige Friedel Wagner ruft Senioren zu Kontaktaufnahme auf. Nachdem unsere Zeitung im Dezember über die Problematik der Corona-Kontaktbeschränkungen aus Sicht der Seniorin berichtet hatte, gab es für sie ermunternde Reaktionen und Resonanz sogar aus Olching bei München. Nun erzählt sie von ihrem Wandel in der tristen Corona-Zeit und wie aus Kindereien eine Leidenschaft zum Malen wurde.

Früher als Friseurmeisterin selbstständig

Friedel Wagner war in früheren Jahren selbstständige Friseurmeisterin und führte mit ihrem Ehemann Fritz Wagner einen Friseursalon in der Strau in Kronach . Friedel Wagner (geborene Karl) erblickte in Kronach das Licht der Welt und ist in der Strau aufgewachsen. Hier hatte sie von Kindesbeinen an im Friseurgeschäft der Eltern immer schon Kontakt zu den Mitmenschen. Von Anfang 1960 bis Anfang 1990 führte sie selbst mit ihrem Ehemann Fritz das Friseurgeschäft in der Strau. Außerdem war die Friseurmeisterin auch als Fachlehrerin im Friseurhandwerk über 30 Jahre an der Berufsschule tätig.

Mehrere Jahrzehnte lang war das Kronacher Urgestein in mehreren Kronacher Vereinen ehrenamtlich engagiert. Sie ist auch heute noch, gemessen an ihrem hohen Lebensalter aktiv, obwohl sie schlecht hört und sieht und auch nur noch eingeschränkt gehen kann. Aber die eloquente Dame will sich trotzdem weiter am öffentlichen Geschehen beteiligen, wenn auch derzeit nur von zuhause aus. Bis vor dem Lockdown und den Corona-Pandemie- Einschränkungen ging sie noch wöchentlich zweimal in die Tagespflege, um einige Stunden mit anderen Senioren , aber auch mit dem Betreuungspersonal zu verbringen. Das hat ihr sehr gut gefallen.

Kindereien mag sie nicht

Ihre Tochter Evi erzählt, als sie die Mutter einmal in der Tagespflege abgeholt habe, berichtete sie vom Tagesablauf und davon, dass sie mit anderen Senioren zusammen an einem Tisch gemalt hätten. Es waren einfach bunte Muster nach freier Fantasie, sagte sie. Allerdings habe sie das nicht mitgemacht. Für sie seien dies Kindereien gewesen und das mag sie nicht, sagte sie damals.

Doch welcher Wandel auf einmal, als die Corona-Zeit kam, wundert sich ihre Tochter Evi. Denn irgendwie fing die Mutter zuhause an zu malen. Ihre weitere Tochter und auch ihre Enkelkinder, kopierten ihr Mandalas aus dem Internet. Und siehe da, plötzlich war die 91-jährige Mutter aktiv und begeisterte Malerin geworden. Jeden Tag malt sie mit Leidenschaft und Elan neue kreative Motive.

Immer sicherer

Zunächst wirkten sie etwas krakelig und wacklig, doch nach und nach wurde sie immer sicherer. Und nun nach wenigen Wochen zeigt sich die Wagners Friedel ganz zufrieden mit ihren Werken. An Weihnachten konnte sie der ganzen Verwandtschaft liebe Weihnachtsgrüße mit weihnachtlichen Motiven malen, die ihre beiden Töchter per Post verschickten. Diese neue Erfahrung und Errungenschaft machte ihr viel Spaß und sie ist stolz auf ihre Werke.

Tochter Evi findet es erstaunlich, wie diese Mandala Malerei die Feinmotorik und Konzentration bei ihrer Mutter förderte. Friedel Wagner empfiehlt jetzt sogar Mandala als eine Beschäftigung auch nach der Corona-Pandemie für Alt und Jung, sagt sie mit verschmitztem Lächeln auf den Lippen, als wäre sie schon immer Befürworterin von solchen Malereien gewesen, die vor einiger Zeit noch Kindereien für sie waren. Mit einer beruhigenden, leisen Musik im Hintergrund tut das auch einem gestressten und aufgewühlten Erwachsenen gut, ist ein gut gemeinter Ratschlag der betagten Kronacher Seniorin . Für sie ist es die beste Mutmacher Idee für Jung und Alt und eine Ermunterung in der Corona- Zeit, was sie gern jedem weitersagen will.