"Es gibt keinen Tag, der langweilig gewesen wäre", blickt Christine Raab auf 37 Jahre Camping zurück. Ihr Mann Clemens überraschte sie damals mit dem Vorschlag, mit einem gebrauchten Wohnwagen in Urlaub zu fahren. Zuerst zögerte sie, aber seit vielen Jahren sind beide Camper aus Leidenschaft. Haben nicht nur Deutschland bereist, sondern auch die europäischen Nachbarländer.

"Man findet immer Leute, die zusammenpassen", ist sich das Ehepaar sicher. In Kürze brechen sie wieder zu einer langen Tour auf - zeitlich und auf die Wegstrecke bezogen. Es geht 1800 Kilometer in die Nähe von Valencia in Spanien. Aber nicht nur für ein paar Tage. Die beiden wollen dort überwintern, ein halbes Jahr bleiben. "Im Dezember kann man in T-Shirt und kurzer Hose rumlaufen, abends braucht man schon einen Pullover, weil es etwas kühler wird", weiß Christine Raab vom vormaligen Aufenthalt.
Eigentlich wollten sie weiter südlich in Spanien campen, Richtung Marokko, weil es da noch wärmer ist. Aber ohne langfristige Reservierung hat man keine Chance, dort unterzukommen. Also haben sie sich vormerken lassen, hoffen, dass für die Saison 2016/17 oder später ein Stellplatz auf einem der Campingareale frei wird. 95 Prozent der Urlauber dort sind Deutsche, der Rest Schweizer. Die Spanier sind im Sommer da.


Ein schöner Spruch

Die Raabs haben einen schönen Spruch auf dem Heck ihres Wohnwagens: "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!" Und das beherzigen sie. Nicht nur im warmen Spanien fühlen sie sich wohl, auch Wintercamping stand schon an und hat beide begeistert. Über Weihnachten waren sie an einem Moorsee im Allgäu.


Hündin Tina ist immer dabei

Immer mit von der Partie ist die 13-jährige Hündin Tina. Auch deren Vorgänger war ein richtiger Campinghund. "Den haben wir als Welpen auf einem Campingplatz aufgelesen", blickt Clemens Raab zurück. "Ich war früher beruflich oft in Hotels. Da wollte ich nicht auch noch im Urlaub im Hotel übernachten", sagt er. Seine Christine hat er vor 37 Jahren mit dem gebrauchten Wohnwagen überrascht. Inzwischen haben sie schon Wohnwagen Nummer acht. "Jeder Mensch muss überzeugt werden. Bei mir war das schon nach acht Tagen der Fall", sagt Christine mit einem Lächeln. Besonders gefallen ihr die Freiheit und die Herzlichkeit auf dem Platz, auch die Unterstützung durch die Nachbarn beim Grillen. Und vor allem schätzen beide die legere Kleiderordnung auf den Plätzen.

Vor fünf Jahren hat Arnold Schultes den Camper-Treff ins Leben gerufen, denn im Kreis Kronach gibt es 380 Wohnwagen und 185 Wohnmobile. Am 2. Freitag jedes Monats treffen sich Interessierte abends zu einem gemeinsamen Essen und zum Erfahrungsaustausch im Gasthaus Höring in Burggrub. Man erzählt sich, wo es besonders schöne Plätze gibt und der Platzwart sehr gut ist, oder wo man eigentlich nicht halten sollte. Der Treff ist für alle offen: Zeltcamper, Wohnmobilfahrer oder Wohnwagen-Besitzer.


Das ist wie zu Hause

Arnold Schultes ist seit vielen Jahren Camper. Ein Jahrzehnt hat er Pause gemacht. "Das waren zehn verlorene Jahre", blickt er zurück. Als er mit den Gesinnungsgenossen zusammensitzt, klingelt das Handy. Der älteste Camper des Kreises ruft an und lässt schöne Grüße ausrichten. Der ist seit 40 Jahren auf dem gleichen Platz in Italien. Ein Vorteil: Man kennt sich aus, kennt die Nachbarn noch aus den Vorjahren. "Das ist, wie wenn Du daheim bist. Du schläfst ja im eigenen Bett, nicht im Hotel", sagt Schultes.

Er räumt auch mit einem gängigen Vorurteil auf: dass es auf dem Campingplatz nicht so sauber sei wie im Hotel "und dass wir vom Boden essen". Alles Quatsch! Die Plätze haben inzwischen einen hohen Standard.
Die meisten der Camper wollen gar nicht mehr ins Hotel. Die Kinder finden überall Anschluss und müssen auch nicht still sitzen. Das bestätigen Peggy und Oliver Eckardt aus Steinberg, die seit zehn Jahren einen Wohnwagen haben. Die Familie war schon mit dem Wohnwagen in London. Das war billiger als Flug und Hotel. Außerdem konnten noch Amsterdam und Den Haag besichtigt werden, weil die Familie in Etappen gefahren ist.

Wenn die Eckardts einen Zwischenstopp einlegen, dann meiden sie Supermarktparkplätze, weil die oft eine Schranke haben, die nachts geschlossen wird. Tabu sind auch Rastplätze und Autohöfe, wegen der Laster. "Wenn die neben Deinem Wohnwagen die Kühlung anschmeißen, bist Du wach", weiß Peggy Eckardt aus Erfahrung.


Tipps rund ums Camping

Die Camping-Liebhaber treffen sich jeweils am 2. Freitag des Monats im Gasthaus Höring in Burggrub. Arnold Schultes (Telefon 0157/88942312, E-Mail kc.camper treff@googlemail.com) gibt Auskünfte.

Die Vignettenpflicht ist im Ausland unterschiedlich geregelt. Während man in Österreich und Slowenien keine Vignette für den Wohnwagen braucht - die Vignette für das Zugfahrzeug reicht - braucht man in der Schweiz für Zugfahrzeug und Wohnwagen jeweils eine Jahresvignette, selbst wenn man nur einen Tag durch die Schweiz fährt. Teilweise wird für Wohnwagen mit Tandemachse eine deutlich höhere Gebühr fällig. Eine Information per Internet vor Antritt der Reise ist wichtig.


So spart man auf dem Platz

Camper helfen sich gegenseitig. Das fängt beim Schieben des abgekoppelten Wohnwagens auf den Stellplatz an und hört beim Ausborgen von Werkzeug noch lange nicht auf. Auch hat man schnell Anschluss gefunden und sitzt gemütlich zusammen.

Wer in der Nebensaison Campingplätze ansteuert, kann über die bekannten Systeme Acsi und Camper Cheques zum gegenüber dem Normalpreis deutlich günstigeren Pauschalpreis übernachten. Aber die Cards muss man vorher buchen.