Der Riss durch den neuen Kronacher Stadtrat ist groß, wenn das Gremium auf die Sanierung der Spitalbrücke zu sprechen kommt. Schon im Vorfeld hatten mehrere Mitglieder aus vier Gruppierungen gegen die aktuellen Pläne mobil gemacht. Am Montag im Stadtrat pochten die Kritiker noch einmal darauf, das Bauprojekt zu stoppen und von Grund auf zu überarbeiten. Vergebens.

Ihre letztlich sieben Stimmen reichten den Gegnern des Konzeptes nicht, um die bisherigen Beschlüsse zu kippen. Dennoch schwebt weiter ein Damoklesschwert über dem Vorhaben, denn Peter Witton (Grüne) kündigte an: "Ein Bürgerbegehren ist nicht ausgeschlossen!"

Verwaltung sieht Probleme heranrollen

Bürgermeisterin Angela Hofmann (CSU) versuchte, die Wogen schon einleitend zu glätten. Sie sprach noch einmal die "fast 90-prozentigen Mehrheiten" an, mit denen der Neubau in Form einer Spannbetonbrücke seit 2016 mehrfach vom Gremium befürwortet wurde.

Hauptamtsleiter Stefan Wicklein erinnerte an die drohenden Probleme mit der bestehenden, zu niedrigen Brücke, sollte es zu einem Hochwasser-Ereignis kommen oder die nächste Prüfung des maroden Bauwerks wieder so vernichtend ausfallen, wie beim letzten Mal. Damals musste bereits ein Gehsteig geschlossen werden. Ein Umplanen zugunsten einer anderen Variante wäre seiner Auskunft nach mit einem starken Eingriff ins Stadtbild und/oder höheren Kosten sowie Ausgaben für erneute Planungsarbeiten verbunden.

Drei Forderungen gestellt

So wie die neue Brücke jetzt geplant sei, sei sie außerdem wesentlich barrierefreier als die bisherige. Sie füge sich gut ins Stadtbild ein und sei der Belastung durch 7000 bis 8000 Fahrzeuge pro Tag auch gewachsen. Architekt Werner Kuhnlein von SRP stimmte dem zu und versicherte, dass eine andere Konstruktionsweise keine nennenswerten Vorteile, dafür aber spürbare Nachteile erwarten ließe.

Peter Witton beurteilte die Lage anders und hielt an seinen drei Forderungen fest: eine kleinere Brückenvariante, eine Optimierung der Verkehrsführung in der Innenstadt und die Rettung der beiden bedrohten Kastanienbäume. Martina Zwosta (FL) pflichtete ihm bei, dass "an den Bedürfnissen vorbeigeplant" worden sei, weil das gesamte Umfeld auf die Baumaßnahme der Brücke abgestimmt werden müsse.

Winfried Lebok (CSU) wünschte sich eine leichtere, nicht so breite Konstruktion und eventuell eine "Fahrradstraße". Martin Panzer (ZKC) unterstrich: "Seit 18 Jahren diskutieren wir - und wo sind wir heute?" Die Anwohner fühlten sich noch immer nicht ausreichend einbezogen, stellte er fest. Deshalb sollten seiner Ansicht nach noch einmal alle Möglichkeiten und Varianten für das Bauvorhaben geprüft werden.

Markus Oesterlein (CSU) fühlte sich schon nach der Hälfte der gut zweistündigen Beratungen zur Brücke an den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" erinnert. Er schimpfte, dass im Vorfeld der Sitzung mit dem Bild der "Monsterbrücke" ein völlig falscher Eindruck vom Bauwerk bei den Menschen geweckt worden sei. Für ihn steht fest: "Die Hochwasserfreilegung muss fertiggestellt werden, sonst ist alles für die Katz' und die Innenstadt ersäuft irgendwann!"

Nicht alle Wünsche erfüllbar

Ralf Völkl (SPD) erinnerte daran, dass es natürlich Wünschenswertes gebe, aber die technische Machbarkeit am Schluss manchmal eben eine andere Richtung vorgebe. Die Stadt könne sich weder leisten, auf rund drei Millionen Euro Fördermittel zu verzichten, nur um etwas kleiner zu bauen, noch dürfe sie den Stadtkern vom Straßenverkehr abgehängen. "Eine 100-prozentige Lösung wird es im Leben und im Stadtrat nie geben. Aber wir haben eine gute Lösung gefunden. Wir sollten nicht länger zaudern, sondern sie umsetzen!", appellierte er an seine Kollegen.

Die Mehrheit unterstützte seine Worte. "Wir können keine 20 Jahre mehr über diese Brücke fahren", betonte Carin Bülling (CSU). Tino Vetter (FW) betonte, dass schon 2019 eine umfangreiche Präsentation alle wichtigen Fragen geklärt habe. Harald Meußgeier (AfD) fügte an: "Seit 20 Jahren wird geplant - in der freien Wirtschaft würde keine Firma so überleben können."

Sieben Gegenstimmen

Letztlich sprach sich das Gremium gegen sieben Stimmen für das Festhalten an der Spannbetonbrücke aus. Die Gegenstimmen kamen von Peter Witton, Elisabeth Hoffmann (Grüne), Martin Panzer, Daniel Götz (ZKC), Klaus Simon (SPD), Martina Zwosta (FL) und Winfried Lebok (CSU).

Ebenso wurde eine Neupflanzung der schwer zu rettenden Kastanienbäume beschlossen. Als möglicher Baustart wurde das dritte Quartal 2021 ins Auge gefasst. Laut Kuhnlein könnte in drei Abschnitten gearbeitet werden, beginnend mit der Verlegung der Versorgungsleitungen (vier bis sechs Monate), gefolgt vom Bau der Brücke (acht bis zehn Monate) und den abschließenden Maßnahmen im Umfeld (etwa ein halbes Jahr).