Küps — Schmunzelnd begrüßt ein ehemaliges Kindergartenkind - mittlerweile längst ein erwachsener Mann - seine ehemalige Erzieherin. Interessiert stöbern die beiden in einer kleinen im Luthersaal aufgebauten Fotoausstellung über die Kindergärten in Küps und in Oberlangenstadt. Anekdoten werden ausgetauscht, und es wird herzhaft gelacht.

Sehr locker wurde das 70. Trägerschaftsjubiläum gefeiert. Dazu hatten sich besonders auch viele ehemalige "Kindergartenkinder" und Mitarbeiterinnen beziehungsweise Leiterinnen eingefunden. Im ersten Teil des fröhlichen Festakts gab Kirchenvorstand Christian Ebertsch einen Einblick in die historischen Anfänge.
Umrahmt mit vielen Bildern erläuterte er insbesondere die jeweiligen Bauabläufe in Küps und Oberlangenstadt sowie die Entwicklung der Kindergärten.
Nach der Machtergreifung Hitlers entstanden in den 1930er-Jahren mehr und mehr Kindergärten - so auch in Küps und Oberlangenstadt.

Die Küpser Kinder waren von 1933 bis 1945 im heutigen Luthersaal untergebracht, die Oberlangenstädter in einem Gebäude im Kreuzgrabenweg. "Träger der Einrichtungen war die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt). Die Kinder wurden ganz nach deren Ideologie erzogen", berichtete Ebertsch. Für ein Kind wurden monatlich zwei Mark, für ein Geschwisterkind eine Mark an Beitrag erhoben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden beide Einrichtungen aufgelöst.

Im August 1945 wurde in Küps ein neuer Kindergarten unter evangelischer Trägerschaft ins Leben gerufen. Besonders hatten sich dafür die Ehefrau des damaligen Pfarrers Georg Burger, Elisabeth Burger, die Diakonisse Berta Göller und die Gemeindeangestellte Julie Schemenau eingesetzt. Da der Luthersaal als Notunterkunft für obdachlose Küpser sowie Flüchtlinge diente, war dort aber kein Platz mehr.

Die über 100 Kinder ab drei Jahren fanden zunächst in einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke bei der Schule eine Bleibe, bevor sie erneut in den Luthersaal sowie in das Mittlere Schloss umzogen. Da diese Räumlichkeiten für den Unterricht benötigt wurden, blieb der Kindergarten 1948 fast ein Jahr geschlossen.

Anschließend waren die Kinder elf Jahre lang in sehr beengten Verhältnissen im Pfarramt untergebracht. 1961 war es endlich soweit. "In der Karwoche wurde mit dem Abbruch des ehemaligen Jugendheims begonnen. Am 19. Mai 1961 wurde Richtfest für den Kindergarten mit Gemeinderäumen gefeiert und am 17. Dezember 1961 Einweihung", so Ebertsch.

Weil die Kapazität des Kindergartens bald nicht mehr ausreichte, gründete sich ein Kindergartenbauverein in Oberlangenstadt. Das Grundstück mit einem damaligen Wert von 18 000 DM wurde von der Familie Hüttner gestiftet. Am 24. Juni 1966 wurde Richtfest gefeiert, am 7. Mai 1967 Einweihung.

"Die Kosten der Maßnahme mit 280 000 DM stellten einen beachtlichen Wertfaktor dar", würdigte Ebertsch. Nicht gedeckte Kosten von rund 118 000 DM wurden durch Spenden, Nachlässe von Baufirmen sowie freiwillige Arbeitsleistungen aufgebracht.

Die Kindergärten erfuhren im Lauf der Zeit Umbauten und Renovierungen. Im März 2009 wurde in Oberlangenstadt die Räume für eine neue Krippe in Betrieb genommen. Die letzte größere Baumaßnahme war die neu gestaltete Außenanlage des Küpser Kindergartens, die im Juli 2014 eingeweiht wurde.

Der Kindergarten St.-Jakobi-Strolche in Küps hat heute zwei Regelgruppen, das Haus für Kinder "Spatzennest" in Oberlangenstadt hat eine Krippe sowie drei Regelgruppen. Der Küpser Kindergarten wird von Birgit Wagner geleitet, der Oberlangenstädter von Petra Weiß.


Wandel in der Kinderpädagogik
Nach der Pause stellte Pfarrer Friedrich Seegenschmied den Wandel der Kinderpädagogik im Lauf der Jahrhunderte vor. Seinen interessanten Vortrag stellte er unter den Titel "Von der Kadettenanstalt zur Kindertagestätte - Geschichte der Kinderpädagogik".

Als Lernmethode in den Kindheitstagen habe schon immer das Spiel gegolten. Bereits in der Steinzeit wurden die Kinder über das Spielen an die Notwendigkeiten und Anforderungen der Erwachsenenwelt herangeführt.

Konzepte einer allgemeinen Erziehung der Kinder kamen aber erst mit der griechischen und römischen Antike auf - mit dem Zweck, der Gesellschaft beziehungsweise dem Staat zu dienen. Züchtigungen waren an der Tagesordnung.

Bereits 1760 richtete Pfarrer Johann Fridrich Oberlin in Belmont in Elsass eine sogenannte Strickschule ein - eine Kombination von Kiga und Hort. Die Idee und Konzeption führte Louise Scheppler weiter. Nach diesen ersten Ansätzen gegen Ende des 18. Jahrhunderts stiftete der Thüringer Friedrich Wilhelm August Fröbel im Juni 1840 den ersten "Allgemeinen deutschen Kindergarten" im thüringischen Bad Blankenburg. Er gilt als "Vater" des Kindergartens. Das Spielen der Kinder war für ihn ein wichtiger Aspekt. Bis 1846 existieren erste "wirkliche" Kindergärten nach Fröbels Gedanken.

Der Anteil der Kinder, für die ein Kindergartenplatz zur Verfügung stand, erreichte 1910 etwa 13 Prozent. Das blieb auch in der Weimarer Republik so. Ab circa 1920 verbreitete sich verstärkt die Montessori-Pädagogik. Sie beruht auf dem Bild des Kindes als Baumeister seines Selbst und verwendet - nach dem Motto "Hilf mir, es selbst zu tun" - deshalb zum ersten Mal die Form des offenen Unterrichts und der Freiarbeit.

Von 1933 bis 1945 stand der Kiga im Fokus der nationalsozialistischen Ideologie. Danach entwickelten sich die Kindergärten in beiden deutschen Staaten immer mehr von einer Aufbewahranstalt zu einer wichtigen Bildungseinrichtung, zu einer Stätte für Reifen und Lernen.

Während in der BRD die Erziehung zu einer "freien Persönlichkeit" wichtig war, stand für die Kindergärten in der DDR die "sozialistische Moral" im Vordergrund. "Derzeit vollzieht sich der Wandel vom Kiga als pädagogische Einrichtung mit einem ausgeprägten Betreuungsauftrag hin zum Kindergarten als Bildungseinrichtung", zeigte sich der Pfarrer sicher. Seit 1996 gib es in Deutschland einen Rechtsanspruch nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) auf einen (halbtägigen) Kindergartenplatz für Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Einschulung.

Der Küpser Bürgermeister Herbert Schneider zeigte sich tief beeindruckt. "Das alles zeigt, dass die Kleinsten die Größten sind", meinte er. In all den Jahrzehnten habe es viele engagierte Personen, Kümmerer, Spender und Helfer gegeben. Die Kiga-Teams hätten den Kindern Fürsorge, Liebe und Zuwendung entgegengebracht. Dies verdiene größte Wertschätzung. "Küps ist sehr dankbar, dass die evangelische Kirchengemeinde die Trägerschaft übernommen und die Pflichtaufgabe der Gemeinde abgenommen hat", würdigte er. Er überreichte auch eine Spende zur Gestaltung des Jubiläums-Events.
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