Bei der Bürgerversammlung am Montag im Jugendheim Pressig standen hauptsächlich Verkehrsprobleme sowie das optische Ortsbild im Ortskern von Pressig im Blickpunkt der Bürger. Nach dem über einstündigen Bericht des Bürgermeisters hatten die Bürger das Wort - über 70 Interessierte waren gekommen.
Rosi Glatzer eröffnete den Reigen der Bürger mit der Feststellung: "In Pressig iss nimmer schö." Der Bahnhof und Vorplatz, eine Industrieruine, die unendliche Geschichte um das Kriegerdenkmal, es seien Schandflecke. Ihr gab der Bürgermeister recht, das Zentrum von Pressig stehe nicht gut da: "Das hat aber mit der Ortsumgehung zu tun. Solange die B 85 durch Pressig verläuft, gibt es wenig Handlungsspielraum, den Ortskern neu zu gestalten", gab das Gemeindeoberhaupt zu verstehen. Rosi Glatzer hakte nach und forderte einen anderen Standort für das Kriegerdenkmal.


Hinweis auf "Versprechen"

Andrea Andera befürchtet Schlimmes, wenn nicht bald ein Gehweg entlang der Kreisstraße 3 zwischen Eila und Pressig angelegt werde. Vor allem Schulkinder, aber auch Senioren und Familien mit Kinderwagen sieht sie besonders gefährdet. "Die Strecke ist ohne Beleuchtung und auch ziemlich eng und kurvig, das ist lebensgefährlich", äußert sie sich in der Bürgerversammlung und bittet um dringende Behebung dieser offensichtlichen Gefahr. Schließlich handle es sich auch um den offiziellen Schulweg, da die Schüler keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Beförderungsmöglichkeit, sprich Schulbus, hätten. Die Kreisstraße 3 führt von der Staatsstraße 2200 bei Steinberg bis zur Einmündung in die B 85 in Pressig. Sie wurde ausgebaut und war lange Zeit für den Durchgangsverkehr gesperrt. Diese Sperre soll in dieser Woche aufgehoben und die Straße wieder dem Verkehr freigegeben werden. Dadurch gebe es ganz sicher wieder erhöhtes Verkehrsaufkommen, fürchtet die Bürgerin aus Eila. Für Josef Jungkunz ist es zu wenig, was er Bürgermeister in Sachen Ortsumgehung B 85 unternehme. "Sie haben bei ihrer Wahl versprochen, sich für die Ortsumgehung einzusetzen. Nun ist sie sogar aus dem Verkehrswegeplan rausgefallen", wunderte er sich, was da los sei. Pietz zeigte sich verwundert darüber und versicherte, dass er seit dem ersten Tag seines Amtsantritts 2008 ständig dran sei und Gespräche in Berlin, München und Bayreuth führe.
Auch Rita Grom wollte wissen: "Warum ist die Ortsumgehung aus dem Verkehrswegeplan genommen worden?" Pietz antwortete: "Ich habe Vertrauen in unsere Abgeordneten", worauf sich Josef Jungkunz empörte und sagte, das sei alles nur Gewäsch! Karl Ehrhardt meinte aufgrund der Abwanderung eines Betriebes, die Gemeinde habe kein Gewerbegebiet vorzuweisen. Dies wies der Bürgermeister zurück: "Es gibt zwölf Möglichkeiten zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben", allerdings wichen manchmal die Ansprüche der Grundstückssucher von dem ab, was man anbieten könne.
Auf eine zukünftig leerstehende Bankfiliale in Rothenkirchen wies Georg Zinner hin und bat darum, sich Gedanken zu machen, ob das nicht ein Gemeinschaftshaus werden könnte. "Wenn das Gebäude ein Privatmann erwirbt, haben wir nicht einmal mehr einen Geldautomaten im Ort", befürchtet er.
Volker Löffler stieß mit seiner Äußerung, eine Realschule in Pressig würde für die Schüler aus der Rennsteig-Region nicht viel an Zeitersparnis bringen, die Diskussion um die Realschule an. Er fragte auch, wo sie hinkommen solle? Josef Jungkunz meinte, dass man sich vorbereiten müsse. Das Bahnhofsgebäude stehe leer, es gebe keine Unterstellmöglichkeit und kein Klo für die Schüler, man müsse doch jetzt schon die Voraussetzungen schaffen. Reinhold Heinlein bat darum, diese gute Sache nicht zerreden zu wollen. "Wir müssen dankbar sein, wenn uns so ein Angebot eines Standortes einer Realschule gemacht wird." Der Bürgermeister versicherte: Wir könnten Standorte vorschlagen, aber die Entscheidung liege beim Landkreis.


"Das hat sich etwas verzögert"

Jürgen Fick sorgte sich um die Kanalkapazitäten am Anger. "Nachdem das Baugebiet erweitert wurde, gibt es öfters bei Regen ein überlaufendes Kanalsystem", hier müsse etwas geändert werden, schlug er vor. Gerhard Grebner wies auf die Notwendigkeit der Sanierung der Badstraße in Rothenkirchen hin. Das sei eine wichtige Anbindung zu den Tourismusangeboten der Marktgemeinde, sei es Naturerlebnisbad, Tennisplätze, Zeltplatz, Wohnmobilplatz usw.. Volker Löffler fragte nach, ob sich hinsichtlich 30 km/h-Zone in Rothenkirchen in der Mozartstraße was tue? "Da sind wir hinterher, das hat sich etwas verzögert", antwortete Pietz.
Rudolf Romig monierte zum wiederholten Male den "für Anlieger unerträglichen Schwerlastverkehr" in der Scheffelstraße am Anger. "Was ist aus der Chefsache geworden? Wie lange müssen wir noch warten?", fragte er den Bürgermeister etwas provokativ, weil der dies laut einer Zeitungsmeldung zur Chefsache gemacht hatte. "Es hat sich viel getan, die Durchfahrt für Lkw ist gesperrt", meinte das Gemeindeoberhaupt und erntete Gelächter aus dem Auditorium. "Ich kann nicht mehr als appellieren, aufzupassen und Lkw, die nicht das Industriegebiet anfahren, sondern den Anger als Abkürzung zur Weiterfahrt nutzen", sollte man bei der Polizei zur Anzeige bringen.


Aus dem Bericht des Bürgermeisters


Information In einem einstündigen Bericht informierte Bürgermeister Hans Pietz ausführlich mit Bildern unterlegt, die Entwicklung in der Marktgemeinde Pressig 2015 und 2016. Mit 3981 Einwohnern sei Pressig viertgrößte Gemeinde im Landkreis Kronach. 1019 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie der Einkommensteueranteil von 1,676 Millionen Euro und die Gewerbesteuer von rund 613 000 Euro deuten auf eine positive Entwicklung. Der Schuldenstand der Kommune beläuft sich auf 5,964 Millionen Euro. Als größte Baumaßnahmen führte der Bürgermeister die Wasserversorgung Marienroth mit Pumpstation in Brauersdorf (430 000 Euro), den Ausbau der Erhard-Klammt-Straße (450 000 Euro), die Dorferneuerung Friedersdorf (160 000 Euro) und den Umbau der Rettungswache (110 000 Euro) an.

Zusage Erfreulich nannte Pietz die Zusage der Abgeordneten, dass die Ortsumgehung Pressig nun wieder im weiteren Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen worden sei. Ihm sei dies zwei Stunden vor der Bürgerversammlung nochmals telefonisch von MdL Jürgen Baumgärtner versichert worden. "Man ist bemüht, die Finanzierung über ein Sonderprogramm zu erhalten." In seinem Ausblick nannte Pietz die Fertigstellung des Gemeinschafts- und Feuerwehrhauses der Dorferneuerung Friedersdorf und die Fortsetzung, die Fortführung des Breitbandausbaus, wofür ein Förderbescheid vorliege, die energetische Sanierung des Rathauses, die einfache Dorferneuerung in Förtschendorf, sowie die Erschließung des ersten Teilbereichs "Martin-Luther- Ring". Ferner werde man die interkommunale Zusammenarbeit mit Stockheim intensivieren. Das Gemeindeoberhaupt dankte den vielen Ehrenamtlichen in der Gemeinde, die ihre Freizeit für die Allgemeinheit opferten. eh