Hände desinfizieren, Temperatur messen, anmelden, den Arzt aufsuchen, ein kurzes Gespräch, ein kleiner Stich, ein bisschen warten, auschecken. Wenn alles nach Plan verläuft, könnte so der grobe Ablauf für den wichtigsten Schlag gegen die Corona-Pandemie aussehen: die Impfung. In der Industriestraße 11 stehen die Verantwortlichen des Impfzentrums schon in den Startlöchern. Damit haben die Kronacher die ambitionierte Vorgabe, bis 15. Dezember in allen Kreisen Bayerns ein solches Zentrum zu installieren, deutlich übertroffen.

"Wir haben dank eines äußerst engagierten Teams unsere Hausaufgaben gemacht", stellte Landrat Klaus Löffler (CSU) am Freitag bei der Vorstellung des Impfzentrums fest. Und die erst am 27. Oktober gestellten Vorgaben waren anspruchsvoll: gute Erreichbarkeit, Parkmöglichkeiten, Barrierefreiheit, geeignete Räume für verschiedenste Aufgaben, Telefon- und Internetanschluss, Computerarbeitsplätze und die Möglichkeit, für ein "Einbahnstraßensystem". Unterm Strich sprach der Landrat von einer "extrem hohen Qualität", die das Kronacher Impfzentrum bietet.

Seine Einschätzung, dass im Landratsamt derzeit Riesiges zur Bekämpfung der Pandemie geleistet wird, bestätigte Abteilungsleiterin Belinda Quenzer angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen: "54 Fälle am Donnerstag - das hatten wir im Frühjahr über Wochen nicht!" Um dieses Aufkommen zu bewältigen, mussten Strukturen geschaffen und für das Impfzentrum Partner gefunden werden. Mit der Stadt Kronach als Vermieter und dem Roten Kreuz für den Betrieb des Zentrums hat das gut geklappt. Ralf Schmidt vom BRK übernimmt dort die Verwaltungsleitung, Hubertus Franz die ärztliche Leitung.

Von der Impfung erhofft sich Löffler nun, dass sie dazu beiträgt, "die Welle zu brechen". Bis es soweit sei, liege es aber weiter an jedem Einzelnen, das Virus in die Schranken zu verweisen. "Deshalb danke ich allen, die Abstände einhalten und die Masken akzeptieren - und damit die Menschen schützen, die wir lieben."

Ambitionierte Vorgabe

Wenn es im Januar mit den Impfungen losgehen sollte, stellen sich die Verantwortlichen auf bis zu 300 zu Impfende pro Tag ein. Zunächst werden wohl vorwiegend mobile Teams im Einsatz sein, um beispielsweise in Pflegeheimen zu impfen.

Nach und nach werden dann immer mehr Personen auch im Zentrum erwartet. "Diese Vorgabe ist schon sehr sportlich", räumt Franz ein. Aber wenn die Impfbereitschaft stimmt, sind die Verantwortlichen gerne bereit, sich an ihr messen zu lassen.

Die sieben Schritte im Überblick

Wer zum Impfen ins Zentrum kommt, der erlebt einen Besuch in sieben Schritten:

1. An der Anmeldung braucht es den Nachweis, zur aktuell zu impfenden Personengruppe zu gehören. "Deshalb kommt man auch nicht einfach mal zum Impfen vorbei", stellte Franz fest. Dafür werden feste Termine zugewiesen.

2. Nach dem Einchecken geht es nebenan in den Warteraum.

3. In einem langen Gang sorgt ein farbiges Leitsystem dafür, dass jeder in das ihm zugewiesene Impfzimmer findet.

4. Die Impfräume sind so gestaltet, dass es möglichst wenige Kontaktflächen gibt. Ehe der Mediziner oder eine Impf-Fachkraft die Impfung verabreicht, gibt es ein kurzes Arzt-Patienten-Gespräch. Etwa drei Wochen nach der ersten Impfung wird die zweite Dosis verabreicht. Weitere drei Wochen später gilt der Impfschutz als gesichert. Die Hygiene- und Abstandsregeln gelten aber weiter.

5. Von der Vorbereitung und Lagerung des Impfstoffs bekommt der Besucher nichts mit. Die Ampullen werden in einem Kühlgerät aufbewahrt und von geschultem Personal für die Impfung aufbereitet. Aus einer Ampulle werden jeweils fünf Impfdosen gewonnen. Eine Bestellung im zentralen Impflager für Oberfranken umfasst 975 Einheiten, die nach der Lieferung innerhalb von vier Tagen zu verbrauchen sind. Da gerade am Anfang wohl noch nicht so eine große Menge in Kronach benötigt wird, arbeitet das Impfzentrum mit den Nachbarkreisen zusammen, um eine ideale Verteilung des Impfstoffes zu gewährleisten. Franz betonte: "Was ethisch gar nicht geht, ist, dass Impfstoff verfällt!"

6. Nach der Impfung geht der Besucher für 15 bis 30 Minuten weiter in einen Wartebereich. "Komplikationen erwarten wir bei der Impfung nicht", stellte Schmidt fest. Doch sollte sich trotzdem jemand während des Aufenthaltes nicht gut fühlen, ist das Zentrum für alle Fälle gerüstet und mit einem Raum für Erste Hilfe ausgestattet.

7. Nachdem der Geimpfte seine Wartezeit absolviert hat, gibt er seine Unterlagen ab und kann auschecken.