Die Mitwitzer Schlosskonzerte erzielten mit der Saisoneröffnung einen Volltreffer. Die Schlager aus den 1920er und 1930er Jahren begeisterten das Publikum.
Denkt man an die Goldenen Zwanziger, denkt man an Berlin, an Nachtclubs, Absinth und lange Zigarettenspitzen, an Jazz, Charleston-Kleider und Bubiköpfe. Die damalige Zeit war auch eine Hochzeit für den Schlager. Rhythmen für die Beine, Reime für die Köpfe, Musik war zum Tanzen da.
Revuepalast im Wasserschloss
Und so verwandelten die Sängerin und Schauspielerin Tanja Maria Froidl und das Kleine Tanztee-Syndikat den Weißen Saal des Mitwitzer Wasserschlosses kurzerhand in einen Revuepalast. Das Ensemble war angetreten, dem Publikum ein schönes Konzert zu bereiten, was auch auf voller Linie gelang. Walter Erpf am Klavier, Ulrike von Sybel-Erpf an der Violine und Erika Zimmer am Cello überließen mit ihren unaufdringlichen Arrangements die Bühne ganz der charmanten Mezzosopranistin.
Die konnte sich stets auf ihr kleines Salonorchester verlassen - eine perfekte Symbiose. Froidl zeigte viele Facetten. Sie spielte die Femme Fatale genauso glaubwürdig wie die keusche Pastorenfrau oder den mordlüsternen Ehemann. Sie aß Chips aus der Tüte, trank Bier aus der Flasche, sie berlinerte und sächselte, fläzte sich auf den Flügel und sie pfiff. Kunstpfeifen ist eine ihrer Spezialitäten. Aus den einzelnen Liedern machte sie kleine Kabinettstückchen und flocht in die Moderation Zitate, Anekdoten und Texte zeitgenössischer Persönlichkeiten ein.
Die zwanziger und dreißiger Jahre, das ist die Zeit zwischen zwei Weltkriegen, dem vorsichtigen Wirtschaftsaufschwung und dem Niedergang mit dem Börsencrash 1929, der Kriegstraumata der Männer, der Emanzipation der Frauen. Die Industrialisierung sorgte für Fortschritt, zeigte aber auch ihre Schattenseiten. Die Weimarer Republik hielt den politischen Umwälzungen nicht stand. Diese Gemengelage war der Stoff für neue Ausdrucksformen in Kunst, Literatur und Musik.
Schlager erreichten ein Massenpublikum und sind heute noch Sitten- und Gesellschaftsminiaturen. Bei Nonsens-Texten wie "Was will der Mann da auf der Veranda?" oder "Ich fahr' mit meiner Klara in die Sahara" lässt der Dadaismus schön grüßen.
Neugierig machen solche Titel allemal. Und so entpuppt sich die Wüste weniger als Romantikziel, als vielmehr als praktische Entsorgungsmöglichkeit für lästige Ehefrauen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Apropos träumen, die Liebe war auch damals ein Thema, das in vielerlei Spielarten beschrieben wurde.
Schwelgerisch wie in "Toujours l'amour", frivol frotzelnd wie in "Am Sonntag will mein Süßer mit mir..." - naja, segeln oder kegeln gehen, und "Wenn zwei Blondinen" spazieren gehen, dann mischt man sich besser nicht ein.