Dem Konzern MVV Energie aus Mannheim drängt offenbar die Zeit. Um die fünf bei Hain geplanten Windräder im kommenden Jahr auf dem Reinberg aufstellen zu können, sollen bereits im Herbst dieses Jahres umfangreiche Rodungsarbeiten stattfinden. Dabei wird der Abschluss des Gerichtsverfahrens - der Markt Küps hat geklagt - nicht abgewartet.


Ein gewisses Risiko

Das müssen die Mannheimer Windradbauer auch nicht. Explizit steht im Beschluss des Verwaltungsgerichts Bayreuth, dass der Betreiber mit dem Bau beginnen kann, auch wenn das Klageverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Allerdings geht MVV Energie ein Risiko dabei ein: Sollten die Windräder gerichtlich zu Fall gebracht werden, müssten die Betreiber alles wieder abbauen. Alles wäre aber kaum möglich, denn das Risiko wurde inzwischen auf eine GmbH mit geringer Stammkapitalausstattung verlagert. In den Ursprungszustand zurücksetzen geht auch gar nicht.

Deshalb schimpft Helmut Schiffner, der den Widerstand gegen den Windpark Hain auf der Facebook-Seite "Wind gerne - aber mit Abstand" koordiniert: "100 Jahre alte Bäume, die abgesägt sind, können nicht wieder aufgestellt werden."

Von der MVV-Geschäftsführung erhielten Grundstücksbesitzer, die Flächen auf dem Reinberg besitzen, wo die Windräder gebaut werden sollen, jetzt ein Schreiben. Darin steht, dass MVV Energie davon ausgeht, "dass die Beschwerde erfolglos sein wird". Der Markt Küps habe gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Bayreuth, das die Windräder erlaubt habe, Beschwerde beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof eingelegt. Bestenfalls könne die Entscheidung Mitte Oktober vorliegen, es könne aber auch ein halbes Jahr dauern, schreiben die Mannheimer.


Die Zeit drängt

So viel Zeit haben sie nicht. Sie müssen im kommenden Frühjahr mit dem Bau beginnen, wenn sie die im Bauantrag angegebenen Windräder errichten wollen. Bauen sie später, könnte es sein, dass dieser Typ gar nicht mehr lieferbar ist. Dann müsste ein neuer Bauantrag gestellt werden und das ganze Prozedere begänne von vorn. Bereits jetzt hat MVV Energie ein "Upgrade" für die fünf Windräder vorgelegt: Statt 2,53 Megawatt hat jede der fünf Anlagen dann 2,75. Vom Schwerlastverkehr (siehe unten) kriegen die Bewohner von Wildenberg, Hain und Weides nicht viel mit, denn die Zufahrt soll von der Bundesstraße 85 aus - vom Kreis Kulmbach her - erfolgen. Allerdings hat Helmut Schiffner Hinweise, dass es Sperrgrundstücke gibt, Flächen also, die MVV Energie nicht nutzen darf. Ob deshalb die ursprünglich vorgesehene Route über die Bauschuttdeponie Kirchleus aus dem Plan genommen wurde, ist nicht bekannt. MVV Energie verweist immer darauf, dass die Zufahrt gesichert sei.

Im Schreiben an die betroffenen Waldbesitzer stellte MVV Energie Rodungsarbeiten für Anfang Oktober in Aussicht. Anschließend sollen die Wege zum Windpark, zu den Anlagenstandorten sowie die Kran stellflächen hergestellt werden. Beim Bau des Windparks arbeite man mit der Firma "juwi" zusammen. An diesem Unternehmen sei man mit 51 Prozent, also mehrheitlich beteiligt. Helmut Schiffner geht davon aus, dass MVV Energie inzwischen auf 63 Prozent erhöht, 70 Millionen Euro nachgeschossen hat, wie es das "Handelsblatt" meldete. Der Windpark Hain steht nach Schiffners Informationen bereits in der juwi-Bilanz. Würde der Windpark Hain ausfallen, brächte das MVV Energie und "juwi" bei den Geldgebern in Kalamitäten.

MVV Energie kündigte an, dass "juwi"-Mitarbeiter in den nächsten Wochen vermehrt auf dem Reinberg tätig seien, um "finale Abstimmungen" mit den Windanlagen-Lieferanten sowie den Firmen für Wegebau, E-Technik und Fundamentbau vorzunehmen.

Zum Schluss des Schreibens kommt der nach Helmut Schiffners Überzeugung "absolute Hammer": MVV Energie führt aus, "mit Schreiben vom 6. November 2014 haben wir Sie über die Übertragung Ihrer Nutzungsverträge mit MVV Energie auf die MVV Windpark Hain-Ost GmbH informiert." Dann bittet MVV, den Erhalt dieses Schreibens zu bestätigen. Was es damit auf sich hat, weiß Helmut Schiffner. Die Windpark Hain-Ost GmbH verfüge nur über ein Stammkapital von 25 000 Euro. Was passiere, wenn das aufgebraucht sei? Helmut Schiffner kann es nicht fassen: "Die Risiken dieses Projektes tragen inzwischen alleine der Landkreis Kronach, die Gemeinde Küps und die Grundeigentümer - die ausgegründete 25 000-Euro-GmbH sicher nicht!"


Rettung eines Unternehmens?

Schiffner, der die Facebook-Seite "Wind gerne - aber mit Abstand" betreut, wettert: "Auf einmal pressiert es. Es geht in dem Eilantrag offensichtlich nicht um die Energiewende, sondern um die Rettung eines Unternehmens namens ,juwi‘, bei dem laut "Handelsblatt" die Banken bereits nervös werden! Der gerodete Wald in Hain soll also die Bilanzen in Mannheim schönen. Da geht es null um CO 2 -Reduzierung, sondern ausschließlich um ,Kohle‘!"

Roland Kress, Pressesprecher von MVV Energie, bestätigte, dass sein Unternehmen die weiteren Planungen und Vorbereitungen für den Bau des Windparks Hain-Ost vorantreibe. Die Beschwerde des Marktes Küps vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof habe keinerlei aufschiebende Wirkung.

"Wir gehen davon aus, dass die Beschwerde erfolglos sein wird", gab sich Roland Kress optimistisch. Der Markt Küps habe bis 5. September Zeit, die Beschwerde zu begründen. Darauf werde MVV Energie erwidern. Natürlich werde man eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs berücksichtigen, sollte sie vor Baubeginn bekanntgegeben werden. "Selbstverständlich beachten wir beim Bau die Vorgaben des Naturschutzes und die Vegetationszeit", betonte der Pressesprecher. Deshalb werde man vor Oktober nicht mit konkreten Arbeiten beginnen.


Infos zum Schwerlastverkehr

Die Teile für die Hainer Windräder müssen mit einer Vielzahl an Schwertransporten auf den Reinberg gebracht werden. Dazu muss es eine breite Zufahrt ohne enge Kurven geben, denn die Rotorblätter, von denen 15 angeliefert werden, haben jeweils eine Länge von etwa 60 Metern. Dazu kommt die Länge des Zugfahrzeugs. Andere Schwertransporte - beispielsweise die für die Betonringe - sind kürzer, haben aber viel Gewicht. Nicht nur die Teile für die Windräder müssen auf den Berg gebracht werden, auch Hunderte von Betonmischern müssen dorthin fahren, um die Fundamente für die Anlagen gießen zu können.

Hinzu kommt ein riesiger Raupenkran, der Nabe, Maschinenhaus und Rotorblätter auf eine Höhe von etwa 140 Metern hieven muss. Allein für diesen Giganten unter den fahrbaren Kränen ist eine Reihe von Tiefladern und Schwerlasttransportern nötig: Die linke und die rechte Raupenkette werden auf separaten Tiefladern angeliefert, das Maschinenhaus auch. Hinzu kommen der Kranausleger, der auf dem Boden zusammengesetzt wird, und die Gegengewichte mit einer Masse von mehreren Hundert Tonnen. Für den Aufbau des Krans ist alleine schon eine Länge von 180 Metern nötig.