Fast 1400 Grad heißes Gusseisen läuft aus dem Behälter in die Formen, kühlt langsam ab. Es stieben nur wenige Funken. Ein Zeichen für eine gute Qualität, meinen Stefan Eber und Alexander Weimer, Geschäftsführer und technischer Leiter der Eisengießerei Kronach. Beide sind stolz auf die Leistung ihrer 40 Mitarbeiter, die nicht nur Massenware wie die Gehäuse von Elektromotoren und Pumpen herstellen.

In den vergangenen Jahren kam auch kunstvolles Gusseisen dazu. Es werden Nachbildungen von historischen Schmuckbänken, Brücken- und Balkongeländern, Zaunpfosten etc. in Neuses produziert, auch in kleiner Auflage. Weil das Geschäft gut läuft, hat die Eisengießerei Kronach jetzt mehrere Millionen Euro investiert: in eine neue Kernschießmaschine und in Absauganlagen. Das wird am 26. November mit Ehrengästen gefeiert. Die Europäische Union gab Zuschüsse für die Umwelttechnik.
Die Firma spart in Zukunft Strom, die Sicherheit der Mitarbeiter wird erhöht und die Umwelt entlastet. "Wir blasen alles durch die Filter", versichert Stefan Eber, dass kein Stäubchen mehr entweicht. Der Filterstaub wird fachgerecht entsorgt.


Die Gießer sind gesuchte Leute

Der Schmelzofen der Eisengießerei hat eine hohe Leistung: 750 Kilowatt, um einhalb Tonnen Gusseisen auf bis zu 1500 Grad zu erhitzen. Während des 80- bis 90-minütigen Aufheiz- und Schmelzvorgangs verbraucht der Induktionsofen 1100 Kilowattstunden Strom. Deshalb läuft er schon früh um halb drei Uhr an, weil da in den Privathaushalten kaum Strom verbraucht wird. Mittags, wenn die Hausfrauen kochen und Strom verbrauchen, haben die Eisengießer Feierabend. Die körperliche Beanspruchung der Männer ist nicht mehr so stark wie früher. Und gute Leute werden überall gesucht. "Einen arbeitslosen Gießer gibt es nicht", ist sich Geschäftsführer Eber sicher.

Größte Investition der Eisengießerei Kronach war die neue Kernschießmaschine. Die verdichtet den Sand für die Innenform von Rohren oder Pfosten, beispielsweise. Für innen muss man ein Material nehmen, das man aus dem erkalteten Gusseisen wieder herausnehmen kann. Der vorher durch die Maschine mit Hilfe von Chemikalien verfestigte Sand kann nach dem Gießvorgang wieder herausgeschlagen werden. Nach der Aufbereitung kann man ihn größtenteils wiederverwenden.


70 Prozent Grauguss, 30 Prozent Ferroguss

Etwa 100 Tonnen Gusseisen werden in Neuses pro Monat produziert. Pro Tonne Eisenguss braucht man sechs bis zehn Tonnen Sand, je nach Form. Was durch die beiden Absauganlagen in die Filter kommt, kann nicht wiederverwendet werden. So muss die Eisengießerei Kronach pro Monat etwa 30 Tonnen Sand zukaufen.

Das Ausgangsmaterial für den Grauguss, der 70 Prozent der Produktion ausmacht, erhält die Eisengießerei aus der Region: Guss eisenbruch von Schrotthändlern. Für den biegsamen Ferroguss, der 30 Prozent der Produktion beträgt, wird spezielles Roheisen verwendet.

Die Eisengießerei Kronach beliefert viele heimische Firmen, zum Beispiel Waltec oder die Maschinenfabrik Weber, aber auch Unternehmen aus dem europäischen Ausland gehören zum Kundenkreis. Stolz ist die Firmenleitung darauf, dass Schmuckbänke für Schloss Babelsberg, Zaunpfosten für das Geländer der Rathausbrücke in Berlin oder Balkongeländer für Heiligendamm aus dem Werk in Neuses stammen.