Ella und Adelinde schunkeln und singen kräftig. "Dass die Barbara wieder da ist, ist einfach klasse", sagt Adelinde mit strahlenden Augen und Ella nickt kräftig. Barbara ist Pflegefachkraft im Caritas-Altenheim Wallenfels und in der Beschäftigungstherapie tätig. Sie spielt gerade Akkordeon - seit langem mal wieder, denn Barbara war jetzt einige Zeit nicht im Heim. Schließlich hatte die Pflegefachkraft Schule, sie bildet sich nämlich zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie weiter. Ihre so genannte Projektarbeit hat sie schon abgegeben, nun steht nur noch die mündliche Prüfung bevor, dann hat sie es geschafft.

Barbara Müller ist eine von 300 gerontopsychiatrischen Fachkräften, die bereits in Kronach ausgebildet wurden, erklärt Kursleiter Norbert Grundhöfer. "Wir - damals war noch Christian Behner Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes - haben 1999 schon ein Konzept erstellt. Wir haben gesagt, wir müssen die Überalterung hier in der Region ernst nehmen, schauen, dass unsere Mitarbeiter in der Pflege qualifiziert sind", erinnert sich Grundhöfer.
Und damit waren sie ihrer Zeit voraus, wie die heutige Caritas-Kreisgeschäftsführerin Cornelia Thron sagt: "Denn erst viel später ist diese Ausbildung zur Pflicht geworden."


Von Kinderkrankenschwester zur Geronto-Fachkraft



Das Besondere an dem Kronacher Konzept: Träger ist der Caritas-Kreisverband, weitergebildet werden aber Pflegekräfte sämtlicher Einrichtungen - egal welcher Wohlfahrtsverband oder privater Anbieter.
"Ich bin eigentlich examinierte Kinderkrankenschwester, habe dann sieben Jahre in einer Sozialstation gearbeitet und bin seit 2009 in Wallenfels im Altenheim. Eineinviertel Jahre war ich auf der gerontopsychiatrischen Station. Und seit einem Jahr mache ich jetzt Beschäftigungstherapie im Speisesaal", erzählt Barbara Müller. Viele fragten sie, was man als gerontopsychiatrische Fachkraft macht. Deshalb haben wir die 40-Jährige einfach mal einen Vormittag lang begleitet.

9.00 Uhr: Barbara Müller sitzt am ersten Tisch gleich nach dem Eingang zum Speisesaal. Sie schreibt die Essenspläne für die nächsten Tage. "Du bist auch mal wieder da", kommt eine Bewohnerin herein - sichtlich erfreut. "Jaaa", sagt Barbara mit einem strahlenden Lächeln und streicht der älteren Dame liebevoll über den Arm.

9.15 Uhr: "Jetzt hole ich mal einen Korb voll Wäsche, die die Bewohner dann zusammenlegen. Das ist auch Beschäftigung", erklärt Barbara. Gunda Querfurth und Annelise Höhn machen sich auch gleich drüber. Waschlappen werden gestapelt und Kompressionsstrümpfe zusammengelegt. "Wir sind sehr froh, dass sie da ist, sie beschäftigt uns schon ganz schön", sagt Gunda Querfurth über Barbara. Und die räumt derweil die Teller und Tassen von den Tischen. "Mal trinken", erinnert sie einen älteren Herrn im Vorbeilaufen.

9.30 Uhr: "Zeitungsrunde", ruft Barbara durch den Saal. Sie greift zur Tageszeitung und liest vor. Nicht vergessen darf sie Polizeibericht und Todesanzeigen. "Das interessiert sie immer am meisten. Und dann fällt ihr und ihren Zuhörern heute noch etwas auf: "Das ist eine Anleitung, wie man ein Kürbis-Monster schnitzt", blickt Barbara auf die Seite. Da wird nicht lange überlegt, als die Kollegin aus der Küche kommt und von einem herum stehenden Kürbis berichtet. "Da basteln wir später", sagt Barbara.

10.30 Uhr: Doch zunächst holt Barbara ihr Akkordeon hervor und spielt ein Lied nach dem anderen. Sehr zur Freude von Ella Stumpf und Adelinde Dippold. "Man lernt in der Ausbildung zur Geronto-Fachkraft viel besser verstehen, warum ein Patient wie reagiert und damit umzugehen", zieht Barbara Müller das Fazit nach eineinhalb Jahren Weiterbildung.

Gerade bei Demenzerkrankten fällt es mir jetzt leichter, zu erkennen, wo sich derjenige befindet, und ihn auch zu erreichen. Ich kann viel besser mit ihm arbeiten und ihn auch so zufrieden stellen, dass er sich wohl fühlt." Und gerade solche positiven Erlebnisse und Rückmeldungen von Bewohnern motivieren sie täglich aufs Neue.

"Das ist auch unser Anliegen, dass die Mitarbeiter eine längere Berufszufriedenheit haben", erklärt Grundhöfer. Und Cornelia Thron ergänzt: "Das ist gerade im Bereich der Pflege sehr wichtig. Denn das ist ein ganz harter Job."

Und zu diesem gehört auch Gedächtnistraining, wie sich beim Bearbeiten des Kürbises herausstellt: Will Barbara doch von einer Bewohnerin wissen, wie sie aus dem Kürbisinneren früher eine Suppe zubereitet hat.
"Überhaupt ist Biografiearbeit ganz wichtig, um den Patienten zu verstehen und ihn zu erreichen." Das hat Barbara gelernt - und zwar in der Weiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie.

So wird man zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie


Kurs Die Weiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie erfolgt berufsbegleitend. Der Kurs besteht aus zwölf Seminarblöcken und umfasst 624-Theoriestunden sowie fünf Tage Praktikum. Alles in allem dauert die Weiterbildung eineinhalb Jahre. Dabei muss u. a. eine Projektarbeit erstellt werden. Zum Abschluss gibt es eine Urkunde und ein Zeugnis. Und ganz neu ist, dass die Weiterbildung auch staatlich anerkannt wird.

Projektarbeit Barbara Müller hat sich in ihrer Projektarbeit mit dem Beschwerdemanagement beschäftigt. Im Caritas-Altenheim in Wallenfels kann man nun so genannte Herzenswünsche - positive wie negative Anregungen - äußern.

Voraussetzung Voraussetzung ist eine medizinische Fachausbildung in der Pflege.

Nächster Kurs Jährlich starten zwei Kurse mit je circa 15 Teilnehmern. Der nächste Kurs beginnt im Februar.

Anmeldung Informationen bei Norbert Grundhöfer, Telefon 09261/677215, E-Mail: grundhoefer@seminare-und-personalentwicklung.de