Sabine lacht, als sie mit Mama Claudia auf die Lucas-Cranach-Schule zuläuft - den Schulranzen auf den Rücken geschnallt. Ob sie aufgeregt ist? "Nicht mehr so sehr wie gestern", sagt sie. Und da kommt auch schon ihre Patin, die noch ein kleines Geschenk für sie hat. Sabine steckt es in die Schultasche.
Es ist schon kurz nach 9.30 Uhr - los geht's. Mit ihren Eltern, der Oma und der Patin im Schlepptau betritt Sabine das Schulgebäude. Zunächst versammeln sich alle Erstklässler in der angrenzenden Turnhalle. Davor trifft Sabine auf ihre Lehrerin, Frau Schneider. Sie gibt ihr ein Namenskärtchen und bringt sie in die Turnhalle. Sabine setzt sich neben Hanna auf eine der Bänke ganz vorne. Die Schultüte darf so lange die Mama halten.
Schulleiterin Anita Neder begrüßt die Kinder und ihre Eltern, Paten und Großeltern oder wen auch immer sie mitgenommen haben zu diesem großen Tag.

Schulleiterin ist auch aufgeregt

Zehn Jahre ist sie nun schon Schulleitern, Jahrzehnte Lehrerin und trotzdem "immer noch aufgeregt", gesteht sie den Abc-Schützen, von denen sie so einiges wissen will: Worauf sie sich in der Schule freuen, ob sie an der Schule schon jemanden kennen - Sabines streckt ihren Arm nach oben: "Ja", sagt sie, "mein Cousin ist in der vierten Klasse".
Nach verschiedenen Vorführungen durch die Zweitklässler, geht es für Sabine und ihre Klassenkameraden kurz nach 10 Uhr mit Frau Schneider in den Klassenraum. Mucksmäuschenstill laufen die Jungen und Mädchen hinter der Lehrerin her und schauen sich dabei um. Die Spannung darauf, was wohl als nächstes passiert, ist jedem Einzelnen regelrecht anzusehen.
"Die rote Tür, das ist unser Klassenzimmer", erklärt Frau Schneider davor und zeigt auf die anderen Türen auf dem Gang, die in anderen Farben gestrichen sind, so dass keine Verwechslungsgefahr besteht.
"Normalerweise hängen wir die Jacken an die Garderobe, stellen die Schuhe unter die Bank und ziehen die Hausschuhe an. Aber heute machen wir noch einmal eine Ausnahme", erklärt Frau Schneider. Dann öffnet sie die Tür zum Klassenzimmer und fordert die Kinder auf, sich einen Platz zu suchen: "Die Großen nach hinten, die Kleinen nach vorn." Sabine setzt sich in die vorletzte Reihe - in eine Dreier-Reihe mit Celina und Sophia.

Gleich losgelegt

"Nun wollen wir doch gleich ein bisschen was arbeiten", spornt Beate Schneider ihre Schützlinge an. "Herzlich willkommen in der Klasse 1a", lesen die Kinder gemeinsam mit ihrer Lehrerin vom Whiteboard ab. Anschließend ruft Frau Schneider nach und nach die Namen der die Jungen und Mädchen auf, sie dürfen nach der Reihe vorkommen und am Whiteboard ihre Namen in der aufgezeigten Namensliste umkringeln.
Ein Name bleibt übrig, stellen die Erstklässler fest: Piri. "Piri ist ein kleines Wiesel. Es wird tüchtig mit euch lesen und schreiben lernen", erklärt die Lehrerin. Emma, die in der Reihe vor Sabine sitzt, klatscht erfreut in die Hände. Und Piri begrüßt seine Mitschüler nicht nur als Handpuppe, sondern auch mit einem Lied.
Dann aber geht es so richtig an die Arbeit: Sabine und ihre Mitschüler holen ihre Federmäppchen aus dem Ranzen, schließlich lautet die erste Aufgabe, eine Schultüte auszumalen. Die zweite auf dem Papier sollen die Kinder daheim ausmalen - die erste Hausaufgabe also. "Dann schneiden wir morgen die Schultüten aus und hängen sie ins Fenster", erklärt Frau Schneider das weitere Vorgehen. Und die zweite Hausaufgabe, die sie den Kindern gibt: "Morgen müsst ihr mir erzählen, was in eurer Schultüte war."
"Na wenn das alles ist", denkt sich Sabine, "kann Schule ja gar nicht so schwer sein". Diese Woche zumindest noch nicht, aber ab nächster Woche geht es schon richtig los, verspricht Beate Schneider: Dann beginnt der Ganztagesunterricht vier Mal in der Woche - und Sabine und ihre Mitschüler lernen lesen, schreiben, rechnen.
Den ersten Tag hat Sabine aber geschafft, sie ist jetzt offiziell ein Schulkind. Schnell noch ein Erinnerungsfoto vor der Lucas-Cranach-Schule - und dann wird die Schultüte geleert.