Marta Neubauer ist begeistert. Schön sei der Gemeinschaftsraum geworden. "Da komm ich sicher öfters her", sagte die Seniorin am Mittwoch bei der Eröffnung des Gemeinschaftsraums - dem ersten Bauabschnitt des Hauses, das der zentrale Anlaufpunkt des Projekts "In der Heimat wohnen" in Teuschnitz ist.
"Es hat auf den Punkt genau geklappt", freute sich Cornelia Thron, Kreisgeschäftsführerin der Caritas, die Projektträger ist, dass der Raum pünktlich fertig geworden ist.
Damit starte "In der Heimat wohnen" aber nicht etwa erst. Vielmehr läuft die Arbeit schon seit zwei Jahren. Und auf das bisher Geschehene blickte Projektleiterin Isabella Ettlich: "Das Hauptziel ist, so lange wie möglich in der Heimat oder gar der eigenen Wohnung leben zu können", brachte sie es auf den Punkt. Und um das zu erreichen basiere das Projekt auf drei Säulen: "Einem Wohnungsangebot - die Wohneinheiten hier in diesem Haus entstehen gerade, sollen im Mai fertig werden -, dem Versorgtsein zu jeder Zeit - hier arbeiten wir mit der BRK-Sozialstation ,Oberer Frankenwald‘ zusammen - und der Projektgruppe."
Und mit dieser hat Isabella Ettlich in den vergangenen zwei Jahren bereits einiges umgesetzt, gibt es doch mittlerweile einen Lieferservice, eine Mitfahrzentrale, Alltagshilfen und Seniorenbegleiter. "Und in zwei Wochen werden wir für alle Bürger hier im Gemeinschaftsraum einen Mittagstisch anbieten.
Im Januar wird dann eine Vortragsreihe starten, doch schon in der Adventszeit gibt es in dem Raum einzelne Freizeitangebote."
Frank Heidrich vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung beeindruckte vor allem das bürgerschaftliche Engagement, das bei diesem Projekt in Teuschnitz ausgeprägt sei.
Und Marion Resch-Heckel, Bereichsleiterin Planung und Bau der Regierung von Oberfranken bezeichnete den Gemeinschaftsraum als "Sahnehäubchen dieses Modellprojekts". Für sie ist es "das richtige Projekt am richtigen Ort und zur richtigen Zeit". Es sei wichtig, solche Modelle gerade in den Dörfern umzusetzen. Für sie seien drei Punkte wegweisend: Erstens, dass es ermöglicht wird, in der Heimat bis zuletzt zu wohnen, zweitens, dass damit auch der Leerstandsproblematik auf dem Land begegnet wird und drittens, dass die Wohnungen bezahlbar sind. Sie appellierte an Politik und Verwaltung, über die künftige Finanzierung solcher Projekte nachzudenken. "Wir benötigen rasch Lösungen, wenn dass Modell Teuschnitz Schule machen soll und das sollte es", so Marion Resch-Heckel.
"Das Herz schlägt jetzt", kommentierte Landrat Oswald Marr (SPD) die Einweihung des ersten Baubabschnitts. Als Vorsitzender des BRK-Kreisverbands freute er sich über die Zusammenarbeit von Caritas und BRK und als Stiftungsratsmitglied der Oberfrankenstiftung versicherte er, "mit Engelszungen" für die finanzielle Unterstützung dieses Projekts gesprochen zu haben.
Bauausführer ist die Joseph-Stiftung. Für den Bauherrn, den Diözesancaritasverband Bamberg, kam Helmar Fexer. Er ging auf die Finanzierung ein. Insgesamt kostet das Bauprojekt "In der Heimat wohnen" 1,7 Millionen Euro. Zirka 80 Prozent der Investitionen werden durch Zuschüsse abgedeckt. Die restlichen 20 Prozent finanziert der Bauträger über Mieteinnahmen.
Und bei der Einweihung gab es noch 5000 Euro von der Sparkassenstiftung. "Die haben wir schon ausgegeben - für die Küche", erklärte Cornelia Thron lachend. Den Segen erteilten Dekan Michael Dotzauer, der zugleich Vorsitzender des Caritas-Kreisverbandes ist, und Pfarrer Joachim Lindner.
Besonders herausgehoben haben alle Redner das Engagement von Bürgermeisterin Gabi Weber (CSU). Unermüdlich habe sie für die Realisierung des Projekts gekämpft, erklärten alle übereinstimmend. "Dass diese Idee überhaupt geboren wurde und wir so viele Fördermittel bekommen haben, ist ihr zu verdanken", lobte Cornelia Thron. "Was mich dazu bewogen hat?", sagte Gabi Weber. "Dass ich von meinen Senioren immer gehört habe, dass sie sich Sorgen machen, was denn mal aus ihnen werden wird." Sie hoffe nun, dass diese inTeuschnitz leben können - bis zum Schluss. Das hofft auch Marta Neubauer.