Fernweh, Abenteuerlust, nur noch weg - raus aus dem Alltag und hinein ins Vergnügen. Was für viele Menschen seit Jahren selbstverständlich war, ist seit der Corona-Pandemie plötzlich ganz anders. Wir mussten uns neu orientieren und mit vielen Einschränkungen leben. Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Und ob die Öffnung der innereuropäischen Grenzen viele zu einem Urlaub im Ausland verleitet, bleibt abzuwarten. Aber wir könnten ja das Abenteuer vor unserer Haustür suchen, wieder das entdecken, das uns so lange verborgen geblieben ist - die eigene Heimat. Und damit auch die zahlreichen Möglichkeiten, sie ganz neu zu erleben.

Sich fühlen wie ein Tourist, die Umgebung mit ganz anderen Augen sehen. Welche Möglichkeiten es gibt, weiß unter anderem Markus Franz, Geschäftsführer vom Frankenwald Tourismus Service Center.

Das Highlight: Ruhe

"Der Trend in diesem Jahr geht wohl weg von der Bettenburg und hin zur Individualität. Unser Highlight im Frankenwald: Ruhe." Was jetzt erst einmal etwas langweilig klingen mag, hat durchaus seinen Reiz. "Stille hören, Weite atmen, Wald verstehen", mit diesen Verlockungen wirbt der Tourismus Service Center auf seiner Homepage. Und Markus Franz ergänzt: "Man muss nicht einmal in die Alpen fahren, man kann im Frankenwald alles erleben, hat alle Möglichkeiten."

Und dann greift er ein paar Beispiele heraus, die die Natur wieder näherbringen sollen. Er erzählt von Wanderarrangements, die eine Woche lang dauern und von Bad Steben über Nordhalben, Ludwigsstadt, Teuschnitz, Kronach und Gössersdorf bis nach Kulmbach führen. "Wir können diese Touren auch flexibel handhaben", verspricht er und weist auf die Möglichkeit des Gepäck-Transfers hin. Wer lieber mit dem Rad oder dem E-Bike unterwegs ist, dem springt vielleicht eine Frankenwald-Radtour ins Auge. Eine fünftägige Rundfahrt führt von Kulmbach nach Kronach und von dort nach Neukenroth, Steinbach am Wald, Steinwiesen, Bad Steben und über Marktleugast wieder zurück nach Kulmbach. "Man kann sich die Räder auch ausleihen und das Gepäck kann man mit einem Transfer jeweils ins nächste Hotel bringen lassen."

Wald-Erlebnisse

Ergänzende Vorschläge hat Sandra Heinz vom Tourismusverband Oberes Rodachtal. Auch bei ihr geht es vor allem um die Natur. "Wir bieten Wanderungen und Führungen zu unterschiedlichen Themen." Was sie dann aufzählt, klingt beinahe schon märchenhaft, besonders als es um den Wald geht. Denn der ist eben nicht einfach nur eine Ansammlung von Holz, Wald ist etwas ganz Besonderes, Einmaliges. "Ein Waldspaziergang wird in Japan sogar als Arznei verschrieben", erzählt sie und erwähnt die Vorteile der Waldluft. Hier könne man entweder tiefenentspannen oder eben auch Abenteuer erleben. Aber egal, ob man hier "badet" oder nach Zwergen sucht, der Wald öffnet den Blick und schärft die Sinne. Und wer nicht nur Bäume sehen möchte, den locken vielleicht Hanffelder. Das Angebot der "Hanf-Erlebnisrunde" endet unter anderem in einer kulinarischen Entdeckungsreise.

Und was hinter der magischen Kindertour steckt, verrät Sandra Heinz ebenfalls, nämlich die Verbindung zwischen Mythen, Magie und Wissenschaft. "Die magische Kindertour ist ähnlich wie das Waldbaden, nur eben kindgerecht. Hier können die Kids ein Zwergendorf bauen oder vielleicht auch nach Zwergen suchen, die sich ja nicht so gerne entdecken lassen. Sie lernen aber vor allem, den Wald zu verstehen und die Tour öffnet den Blick für die kleinen Dinge." Und wer sich gerne von Brennesselbrot und Frankenwalddudler verführen lassen möchte, dem kann man Kräuterführungen ans Herz legen.

Und zum Thema "Genuss" fällt Norbert Heimbeck, dem Geschäftsführer der Genussregion Oberfranken eine ganze Menge ein. "Dieses Thema bespielen wir schon lange: ein touristisches Erlebnis vor einem kulinarischen Hintergrund." Er schwärmt geradezu von einer großartigen Vielfalt, regionalen Köstlichkeiten und natürlich von den 174 aktiven Brauern, die es in Oberfranken gibt.

Seine Analyse ist messerscharf: "Woran erinnert man sich, wenn man an seinen Urlaub zurückdenkt? Genau! An Essen und Trinken, an Restaurantbesuche, Einkauf auf dem Bauernhof und so weiter." Das alleine sei schon einen Urlaub wert, ist er sich sicher.

Schäufela- statt Autoprämie

Und dann überrascht Heimbeck mit einem Appell, der sich an die Politiker richtet. Er spricht sich nämlich gegen eine Autokaufprämie und für eine "Schäufela- oder Schnitzelprämie" aus, also einen Gutschein zur Verwendung in der Gastronomie. "Die kommt nämlich da an, wo sie auch hingehört. Eine Familie, die von Kurzarbeit oder gar Arbeitslosigkeit betroffen ist, wird sich kaum überlegen, jetzt ein neues Auto zu kaufen. Da geht es gerade um ganz andere Dinge. Und es hilft auch den Zulieferbetrieben."

Heimbeck weiter: "Es gibt eine Menge Betriebe, die sich speziell für die Krise etwas ausgedacht haben. Entweder man nutzt die Liefer- und Abholangebote oder kehrt eben direkt dort ein." Er spricht von "entspannter Verkostung", schränkt aber auch ein: "Die ist freilich unter den aktuellen Umständen etwas erschwert, aber das mit den Adressdaten und dem Mundschutz haben sich ja nicht die Wirte ausgedacht. Es sind die Vorgaben der Politik und deshalb sollte man auch keine Diskussion im Biergarten anzetteln."

Das Thema "Tourismus" rundet Kerstin Löw, die Betriebsleiterin der Kronacher Touristikinformation ab. Sie spricht von einem "Vortasten" in die touristische Vermarktung, denn nach dem Shutdown kehre man jetzt nach und nach zur Normalität zurück. "Vieles ist leider noch nicht möglich, dennoch gibt es kreative Angebote wie zum Beispiel den Live-Stream auf Instagram oder den digitalen Podcast zur Fränkischen Galerie." Aufgabe sei es jetzt, Kronach in Zeiten von Corona in die Welt zu tragen. "Wir sind eine ländliche, naturbetonte Region und können jetzt auf jeden Fall vom Inlandstourismus profitieren. Denn wir bespielen Themen, die uns schon die ganze Zeit geprägt haben. Sanfte Landschaft, Stille, Weite, sichere Urlaubsregion. Diese Stärken müssen wir ausspielen."

Dabei aber nichts zu überstürzen und planvoll vorzugehen, ist ihr dabei sehr wichtig. "Alles muss auch mit dem Landratsamt abgestimmt sein. Wir müssen fürsorglich agieren, das sind wir unseren Gästen und unseren Mitarbeitern schuldig. Wir dürfen nicht zum Corona-Hotspot werden, die Lage darf nicht wieder kippen."