Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni besuchte am Mittwoch (28. Januar 2026) das Katastrophengebiet, um sich ein Bild von der Lage zu machen und sprach den Einwohnern Mut zu. "Die Regierung wird alles tun, um Niscemi zu unterstützen"), versprach Meloni laut Tagesschau nach einem Überflug über das zerstörte Viertel.
Der Weg in die Katastrophe: "Noch nie einen so großen Erdrutsch in einem städtischen Gebiet gesehen"
Die Katastrophe begann am Wochenende (Samstag, 24. Januar 2026, und Sonntag, 25. Januar 2026), als nach tagelangen, ungewöhnlich starken Regenfällen der Boden auf einer Länge von vier Kilometern in Bewegung geriet. Am Sonntagmorgen sackten die ersten Häuser ab, Straßen rissen auf, und eine fast senkrecht abfallende Wand entstand.
Innerhalb weniger Stunden mussten Feuerwehr und Zivilschutz zahlreiche Evakuierungen einleiten. Die Stadtverwaltung wies sofort eine Sicherheitszone aus, die von Tag zu Tag erweitert wurde. Bereits am Montag (26. Januar 2026) rief die italienische Regierung den Unwetternotstand für Sizilien, Sardinien und Kalabrien aus. Laut offiziellen Angaben des Dipartimento della Protezione Civile wurden auf Sizilien Schäden in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro gemeldet. Der Fokus der Hilfsmaßnahmen liegt aber klar auf Niscemi, da hier die Lage besonders kritisch ist.
Der Geologe Nicola Casagli von der Universität Florenz wurde von mehreren italienischen Medien mit dem Eingeständnis zitiert, "noch nie einen so großen Erdrutsch in einem städtischen Gebiet gesehen" zu haben. Die Erdrutschmasse wird offiziell auf rund 350 Millionen Kubikmeter geschätzt. Die Erde hatte sich während der Regenfälle wie ein Schwamm vollgesogen, bis der Untergrund nachgab und ins Rutschen geriet.
Ursachen, Verantwortung und Ausblick
Die Behörden betonen, dass es sich nicht um ein einmaliges Naturereignis handelt. Bereits 1997 hatte ein Erdrutsch in Niscemi erhebliche Schäden verursacht. Katastrophenschutzminister Musumeci erklärte: "Es war seit langem bekannt, dass der Boden fragil ist, aber es wurde nicht genug getan".
Ein weiterer Faktor ist die dichte Bebauung am Rand des Plateaus. Viele Einwohner und Experten kritisieren, dass trotz früherer Warnungen weiter gebaut wurde. Bürgermeister Massimiliano Conti verteidigte die Stadtverwaltung ("Wir haben alle Vorschriften befolgt, aber die Natur war stärker").
Die Regierung in Rom hat inzwischen einen Krisenstab eingerichtet und eine spezielle Kommission angekündigt, die die Ursachen untersuchen und Präventionsmaßnahmen entwickeln soll. Finanzielle Hilfen und Umsiedlungsprojekte sind in Vorbereitung, doch wie genau es für Niscemi weitergeht, ist derzeit noch ungewiss. Der Ausnahmezustand in Niscemi wird noch Wochen, wenn nicht Monate andauern. Die Gefahr weiterer Abbrüche bleibt bestehen, da neue Regenfälle angekündigt sind. Die Menschen leben weiter in Unsicherheit – und mit der Hoffnung, dass sie in ihrer Heimat eine neue Zukunft finden können.
Auswirkungen der Katastrophe für Sizilien-Urlauber
Die Katastrophe in Niscemi hat erhebliche Auswirkungen auf Urlauber, die einen Aufenthalt im Süden Siziliens planen. Die Stadt war bislang zwar kein typisches Touristenziel, wurde aber als authentischer Ort für individuelle Sizilienreisen geschätzt. Durch den Erdrutsch und die daraus resultierenden Schäden ist Niscemi derzeit jedoch praktisch nicht mehr erreichbar, und sämtliche touristische Angebote sind massiv eingeschränkt oder nach Angaben von Reisereporter nicht mehr nutzbar.
Besonders betroffen sind demnach:
- Unterkünfte: Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen in Niscemi wurden evakuiert oder sind wegen der Sperrzonen nicht mehr zugänglich.
- Anreise: Zwei von drei Zufahrtsstraßen sind zerstört, was die Anfahrt mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln unmöglich macht.
- Sehenswürdigkeiten: Lokale Sehenswürdigkeiten und Naturgebiete sind aktuell gesperrt oder von Zerstörung bedroht.
Auch die Infrastruktur für den Alltag – etwa Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und Apotheken – sind stark beeinträchtigt.
Was Reisende jetzt tun sollten
Für Reisende, die ihre Reise nach Niscemi bereits gebucht haben, gibt es folgende Handlungsempfehlungen:
- Buchungen stornieren oder umbuchen: Die meisten Anbieter zeigen sich aufgrund der Naturkatastrophe kulant.
- Ausweichziele wählen: Andere Regionen Siziliens sind nicht betroffen und bieten zahlreiche Alternativen – etwa die Städte Taormina, Syrakus oder Palermo.
- Infos beim Auswärtigen Amt: Urlauber sollten sich regelmäßig über Reisewarnungen und aktuelle Entwicklungen informieren.
Das Auswärtige Amt empfiehlt ausdrücklich, derzeit von Reisen nach Niscemi abzusehen. Ein Aufenthalt ist nicht nur wegen der zerstörten Infrastruktur, sondern auch aus Sicherheitsgründen nicht möglich, so die Tagesschau.
Langfristig könnte die Katastrophe das touristische Potenzial der Region weiter schwächen. Es ist unklar, wann und ob Niscemi wieder als Reiseziel in Frage kommt. Die Behörden arbeiten an Lösungen für die betroffene Bevölkerung, doch ein Wiederaufbau wird Monate oder Jahre dauern.
Niscemi liegt im Süden Siziliens und ist eine Kleinstadt mit etwa 25.000 Einwohnern. Die Stadt ist vor allem durch ihre Lage auf einem Plateau und die umgebende Natur geprägt. Im Vergleich zu bekannten sizilianischen Urlaubszielen wie Taormina, Palermo, Syrakus oder Catania ist Niscemi jedoch nicht als klassischer Touristen-Hotspot bekannt. Es gibt zwar einige Unterkünfte und lokale Sehenswürdigkeiten, jedoch wird Niscemi von Reiseführern meist als ruhiges, authentisches Ziel abseits der großen Touristenströme beschrieben. Die Stadt bietet eher einen Einblick in das alltägliche sizilianische Leben anstatt typische Urlaubserlebnisse wie Strand, Nachtleben oder große Kulturdenkmäler, wie Expedia, Charmingsicily und Tripadvisor übereinstimmend berichten.