Notgroschen: So viel Geld sollte man immer auf dem Konto haben

Wie viel Geld gehört auf das Konto? So groß sollte der Notgroschen sein.
Sparen
Hendrik Schmidt/dpa

Eine kaputte Waschmaschine oder eine unerwartete Rechnung können schnell teuer werden. Ein Notgroschen schützt vor finanziellen Engpässen – doch wie viel Geld solltest du wirklich zurücklegen?

Der sogenannte Notgroschen ist eine Rücklage für unerwartete Ausgaben. Der Begriff stammt aus einer Zeit, in der Münzen als kleine finanzielle Sicherheitsreserve beiseitegelegt wurden. Heute geht es nicht mehr um einzelne Groschen, sondern um einen Betrag, der im Ernstfall schnell verfügbar ist. Ob eine größere Reparatur, eine Nachzahlung beim Finanzamt oder ein vorübergehender Einkommensausfall: Mit einer Rücklage bleibst du finanziell handlungsfähig.

Ohne Ersparnisse greifen viele Menschen auf den Dispokredit ihres Girokontos zurück – und zahlen dafür oft hohe Zinsen. Ein Notgroschen soll außerdem verhindern, dass andere Geldanlagen zum falschen Zeitpunkt verkauft werden müssen. Wer etwa Geld in Aktien investiert hat, möchte diese nicht unbedingt während einer schlechten Börsenphase auflösen, nur weil plötzlich eine Rechnung bezahlt werden muss. 

Zwei bis drei Monatsgehälter als Orientierung für den finanziellen Puffer

Wie hoch die ideale Reserve sein sollte, hängt von den persönlichen Umständen ab. Für den normalen Zahlungsverkehr empfehlen Finanzberater, etwa ein Nettomonatsgehalt auf dem Konto verfügbar zu haben. Damit lassen sich laufende Kosten wie Miete, Lebensmittel und Rechnungen zuverlässig decken.

Zusätzlich gilt ein Puffer von zwei bis drei Nettomonatsgehältern als sinnvolle Orientierung für unerwartete Situationen. Damit lassen sich unter anderem eine teure Autoreparatur, ein defektes Haushaltsgerät oder andere ungeplante Ausgaben auffangen.

Allerdings kann diese Summe für manche Menschen schwer erreichbar sein. Gerade bei geringem Einkommen bleibt oft wenig Geld zum Sparen übrig. Wichtig ist deshalb nicht, sofort eine bestimmte Summe zu erreichen, sondern regelmäßig kleine Beträge zurückzulegen und die Rücklage Schritt für Schritt aufzubauen.

Wo sollte der Notgroschen liegen?

Ein großes Guthaben auf dem Girokonto vermittelt zwar Sicherheit, ist aber nicht immer die beste Lösung. Das Geld für den Alltag und die Notreserve liegen dort gemeinsam – dadurch besteht die Gefahr, dass die Rücklage unbemerkt ausgegeben wird. Außerdem bringen Girokonten in der Regel kaum oder keine Zinsen. Wer größere Summen dauerhaft dort liegen lässt, verliert durch die Inflation langfristig an Kaufkraft. Ein Teil des Geldes könnte deshalb besser auf einem geeigneten Sparkonto liegen. Eine sichere und getrennte Kontolösung bietet in vielen Fällen die bessere Kombination aus Schutz, Verfügbarkeit und Übersicht. So bleibt das Geld für den Moment erhalten, in dem es wirklich gebraucht wird. 

Für einen Notgroschen eignet sich vor allem ein Tagesgeldkonto. Das Geld bleibt sicher verwahrt und kann bei Bedarf schnell auf das Girokonto überwiesen werden. Gleichzeitig gibt es zumindest eine kleine Verzinsung, die den Wertverlust durch steigende Preise teilweise ausgleichen kann.

Manche Menschen bewahren ihre Rücklagen lieber in bar zu Hause auf. Für einen Notgroschen ist das jedoch meist nicht die sicherste Variante. Bei Diebstahl oder Verlust ist das Geld häufig nicht ausreichend geschützt. Auch der schnelle Zugriff kann zum Problem werden: Eine finanzielle Reserve soll für echte Notfälle gedacht sein und nicht für spontane Käufe oder vermeintliche Schnäppchen.

Kontostände unterscheiden sich stark nach Alter

Wie viel Geld Menschen tatsächlich auf ihrem Girokonto haben, unterscheidet sich deutlich nach Altersgruppe. Daten der Deutschen Bundesbank zeigen: Jüngere Menschen verfügen im Durchschnitt über geringere Rücklagen, während ältere Gruppen meist höhere Guthaben besitzen.

Beim Blick auf die sogenannten Medianwerte zeigt sich ein differenziertes Bild. In der Altersgruppe von 16 bis 24 Jahren liegt das typische Giroguthaben demnach bei 1.400 Euro. Bei Menschen zwischen 45 und 54 Jahren sind es 3.300 Euro, bei Personen ab 75 Jahren 4.200 Euro.

Der Kontostand allein sagt jedoch wenig über den tatsächlichen Wohlstand aus. Vermögen kann auch in Immobilien, Wertpapieren oder anderen Anlagen stecken. Entscheidend ist daher die gesamte finanzielle Situation und nicht nur der Betrag auf dem Girokonto.

Sparen mit einem festen Plan

Ein Notgroschen entsteht meist nicht durch eine einmalige große Einzahlung, sondern durch regelmäßiges Sparen. Ein Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang kann helfen, automatisch jeden Monat einen festen Betrag zurückzulegen.

Als Orientierung nutzen manche Haushalte die sogenannte 50-30-20-Regel: 50 Prozent des Einkommens für notwendige Ausgaben, 30 Prozent für persönliche Wünsche und 20 Prozent zum Sparen oder Investieren. Die Aufteilung muss allerdings an die eigene Lebenssituation angepasst werden.

Wichtig ist vor allem, den Notgroschen getrennt vom alltäglichen Geld aufzubewahren. Ein eigenes Tagesgeldkonto schafft Übersicht und senkt die Versuchung, die Reserve für spontane Anschaffungen auszugeben.