Beim Spaziergang an der Steinach wird klar: Rund um Mitwitz müsste es einfach mehr Schafe, Ziegen oder Rinder geben. Und an manchen Stellen vielleicht weniger Menschen. "Die Tiere fressen die Pflanzen weg, für sie sind sie völlig ungefährlich", sagt Engelbert Singhartinger von der Unteren Naturschutzbehörde am Kronacher Landratsamt.

Diese Folgen kann der Kontakt mit Riesenbärenklau haben.

Und nein, hier soll keine negative Stimmung gegen die Marktgemeinde rund ums Wasserschloss geschürt werden. Der Experte spricht über den Riesenbärenklau, der derzeit vor allem entlang der Steinach, aber auch an Rodach oder Haßlach, förmlich aus dem Boden schießt und vor dem sich die Menschen aufgrund seiner Giftigkeit in Acht nehmen sollten.


Eine Blüte - 10 000 Samen

"Eine Blüte hat 10 000 Samen", sagt Singhartinger über die sich rasant vermehrende Pflanze, die bis zu 3,5 Meter groß wird und zu schweren Verbrennungen führen kann.

"Deswegen verstehe ich nicht, dass man zuschaut, wie es mehr wird", klagt Dierk
Beckröge. Der Altenkunstadter arbeitet in Neustadt bei Coburg im ASB-Rettungsdienst und kennt daher die Gefahren, die von dem Pflanzengift ausgehen. Deshalb wundert er sich auf seinem Pendelweg täglich über die Bärenklau-Felder rund um Mitwitz, die teilweise 20 bis 30 Pflanzen groß sind. Gerade bei Horb an der Steinach, wo Beckröge Verwandte hat, schaut er genau hin. "Ich sehe eine wachsende Gefahr. Vor allem für Kinder."

Experte Singhartinger bewertet die Sache weniger dramatisch, macht sich aber auch Gedanken. "An Wegen sollten keine sein und das haben wir im Griff." Aber, so sagt er: "Es werden mehr. Wer weiß, wie es in zehn Jahren aussieht."

Das wichtigste Problem beim Kampf gegen die majestätisch wirkenden Pflanzen: Der eigentlich aus dem Kaukasus stammende und als Zierpflanze nach Europa eingeschleppte Riesenbärenklau ist schwer klein zu kriegen. "Einfach Abschneiden bringt nichts, sonst treibt er schnell wieder aus."

Vielmehr müsse genau der Zeitpunkt erwischt werden, wenn die Blüte den Übergang zum Samen bildet. "Dazu brauchen sie aber eine geschulten Mitarbeiter." Die zweite Möglichkeit: Zehn bis 15 Zentimeter unter der Erde das Wurzelwerk abtrennen. "Das macht aber gerade bei unzugänglichen Stellen entlang der Flüsse viel Arbeit", sagt Singhartinger, der auch zu bedenken gibt: "Für Insekten und Bienen sind die Pflanzen sehr wertvoll."

Dennoch: Einfach ungehindert ausbreiten dürfe sich der Riesenbärenklau nicht - meint auch Michael Nawrath aus der Bauverwaltung der Gemeinde Mitwitz. "Wir machen die Pflanzen weg, wenn sie eine Gefahr darstellen." 2017 habe man extra eine Firma beauftragt, um mit Spezialgerät ein Bärenklau-Feld bei Horb zu mulchen. Und im Frühsommer 2018 sei man auch beim Wasserschloss gegen die Pflanzen vorgegangen. Nawrath: "Wir würden auch wieder Geld in die Hand nehmen. Derzeit liegt uns aber kein Hinweis aus der Bevölkerung über Pflanzen auf Gemeindegrund vor."

Denn nicht nur die Kommune ist zuständig, sondern jeder Grundstücksbesitzer. Also Privatleute, Landratsamt, Gemeinden, Straßenbauamt oder - am häufigsten - das Wasserwirtschaftsamt Kronach. Und das ist keinesfalls untätig. "Von Mai bis Ende Juni haben unsere Mitarbeiter mindestens 100 Arbeitsstunden mit dem Kampf gegen den Riesenbärenklau verbracht", sagt Georg Seidl, zuständig für Wasserbau- und Gewässerentwicklung. Die Zahl gilt für den gesamten Amtsbereich - also die Kreise und Städte Kronach, Lichtenfels, Coburg, Bamberg und Forchheim mit einer Gewässerlänge von insgesamt 750 Kilometern.


Wurzelstücke werden verbrannt

"Die Pflanzen breiten sich aggressiv aus. Wenn wir sie ausrotten wollen, haben wir den Kampf schon verloren", sagt Seidl, der trotzdem kaum Gefahr für spielende Kinder sieht.

"Wo Publikumsverkehr ist, graben wir die Wurzelstücke aus und verbrennen sie." Das zeigt die Dimension der Aufgabe. Würden die abgeschnittenen Blüten kompostiert, würden sie sich auch dort weiterverbreiten.

"Um aktiv gegen den Riesenbärenklau vorzugehen, müsste man das ständig tun", sagt Seidl, der aber betont: "Wir tun unser Bestes." Wenn jedoch nur eine Blüte vergessen werde, gehe es aber Jahr für Jahr immer wieder von vorne los.