In gut 40 Minuten war der Haushalt des Markes Wiesentheid für das Jahr 2021 im Gemeinderat vom Tisch. Einstimmig und ohne Debatten ging das im Finanzausschuss sorgfältig vorberatene, insgesamt 24,981 Millionen Euro umfassende Zahlenwerk durch. Der Verwaltungshaushalt beläuft sich auf 12,3 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt weist 12,681 Millionen Euro auf. Bürgermeister Klaus Köhler und die Sprecher der einzelnen Fraktionen zeigten sich bei ihren Ausführungen sehr zufrieden mit der Finanzlage der 4836 Einwohner zählenden Kommune.

Das ist kein Wunder, schließlich steht der Markt mit einer Steuerkraft von 1536 Euro pro Einwohner sehr gut da. Damit nimmt Wiesentheid Rang drei im Landkreis und Rang 17 in Unterfranken ein, was auch der Arbeit in den Jahren zuvor zu verdanken sei, wie es hieß. Stützen kann sich die Gemeinde wieder auf die Steuereinnahmen. So sind bei der Gewerbesteuer für 2020 Einnahmen von 6,37 Millionen Euro kalkuliert, der Anteil an der Einkommensteuer beträgt 2,98 Millionen Euro.

Keine Schlüsselzuweisungen

Im Etat bleiben die Hebesätze bei den Steuern wie bisher: Grundsteuer A und B 300 Prozent, Gewerbesteuer 320 Prozent. Bei der Kreisumlage kalkulierte die Kämmerei mit einem zu zahlenden Beitrag von 2,97 Millionen Euro. Schlüsselzuweisungen bekommt Wiesentheid angesichts der hohen Steuerkraft nicht. Die Gemeinde ist nahezu schuldenfrei, der Pro-Kopf-Wert beträgt Ende 2021 voraussichtlich 58,16 Euro.

Die Zuführung zum Vermögenshaushalt wurde mit 650 950 Euro angesetzt. Zum Abgleich des Haushalts hat die Gemeinde 2,230 Millionen Euro aus den Rücklagen eingerechnet. In der Vorausschau auf die kommenden Jahre wird die Modernisierung der Kläranlage als größter Posten mit derzeit 5,2 Millionen Euro kalkuliert.

Die Corona-Pandemie und ihre Problematik haben Wiesentheid nicht so getroffen wie manch andere Gemeinde in Deutschland, stellte Bürgermeister Köhler fest. Gerade mit den kalkulierten Steuereinnahmen von insgesamt 8,1 Millionen Euro "können wir uns glücklich schätzen". Er wies auf den Punkt Baumaßnahmen hin, wofür die Gemeinde 10,4 Millionen Euro angesetzt hat. Köhler erwähnte Projekte, wie den An- und Umbau des Rathauses, die zu errichtende Erweiterung der Kinderkrippe, das Baugebiet Seeflur III, sowie künftige Bauflächen in Feuerbach und Reupelsdorf, und einiges mehr, was die Kommune angehen möchte.

Thema Bauland

Die Sprecher der einzelnen Fraktionen griffen verschiedene Punkte auf, die ihnen aktuell, wie auch künftig wesentlich erscheinen in der Gemeindepolitik. So hob Hans Müller für den Bürgerblock das Thema Bauland hervor. Eine Situation, wie im Moment, dass in Wiesentheid keine Bauplätze vorhanden seien, gelte es künftig zu vermeiden. Er hoffe, dass sich so langsam auch im Industriegebiet Mähling etwas tue, das ja längst ausgewiesen sei. Im Ortskern sollte die Umgestaltung des Bereichs Schlossplatz/Säulesmarkt verwirklicht werden. Die seit langem dort stehenden Absperrungen seien "kein schöner Zustand."

Für seine Fraktion sei der Punkt Kindergarten wichtig, es bestehe Handlungsbedarf nicht nur bei der Erweiterung der Krippe. Die Gemeinde müsse einen vierten Standort für einen Kindergarten im Auge behalten, "um möglichst keine Kinder abweisen zu müssen".

Natur und Naherholung

Andreas Laudenbach (Pro Wiesentheid) sagte, Wiesentheid stehe derzeit gut da mit Zahlen, auf die man stolz sein könne. Daran habe auch das Personal der Kommune einen großen Anteil. Aktive Zurückhaltung", nannte er die Prämisse bei den Investitionen. Das Notwendige umsetzen, aber auch sparsam bleiben, sei die Devise. Im Kindergarten und den Baugebieten sah auch er Schwerpunkte. Der Bereich Natur, Naherholung und Radwege sei ihm wichtig, um Wiesentheid auch für die Zukunft attraktiv zu gestalten.

Otto Hünnerkopf (CSU) ging auf die mit zehn Millionen Euro erneut hoch angesetzten Investitionen ein. Zuletzt habe die Gemeinde meist zwar nur ein Drittel davon umgesetzt, es sei aber gut, wenn man mehrere Eisen im Feuer habe. Hünnerkopf nannte beim Blick auf die Projekte auch den Jugendtreff und die Jugendarbeit, wo er Handlungsbedarf sehe. Zudem gelte es, das Thema Erweiterung oder Neubau des Bauhofs im Auge zu behalten.

In ihren Ausführungen zum Haushalt hatten die drei Sprecher der Gruppierungen im Rat hervor gehoben, dass sich das in den Vorjahren oft angespannte Klima im Gemeinderat verbessert habe. Man versuche gemeinsam, Ideen und Lösungen zu finden, um den Ort voran zu bringen. Dabei habe sich vor allem die gemeinsame Klausurtagung der Räte als fruchtbar erwiesen. Zum Abschluss der Sitzung  dankte Bürgermeister Köhler den Räten einzeln und mit sehr persönlichen Worten für ihre Arbeit.