Erneut haben sich die Mitglieder des Iphöfer Bauausschusses mit der Frage beschäftigt, ob es an der Zufahrt zum neuen Edeka-Markt einer 1,60 Meter hohen Lärmschutzwand bedarf, um damit einen einzelnen Anlieger zu befrieden. Aber auch nach einem Ortstermin am Montagabend hat sich das Gremium nicht zu einer eindeutigen Antwort durchringen können. Die Stadt lässt probeweise an der Stelle eine Schalwand aufstellen, um zu sehen, wie sich dieses Bauwerk auf den Lärm auswirkt.

Es war schon dunkel, als die Stadträte sich auf der Terrasse Alfred Heckners einfanden, um selbst einen Eindruck von der Lärmfront zu erhalten. Heckner klagt seit Monaten sein Leid und stellte nun mit sachlicher Attitüde noch einmal klar: „Damit können wir so nicht mehr leben. Im Sommer haben wir nichts mehr von unserer Terrasse.“ Unabhängig davon, ob die Stadt rechtlich dazu gezwungen werden könne, eine Lärmschutzwand zu errichten, habe sie die „Pflicht, Schaden vom Bürger abzuwenden“, sagte Heckner. Und: „Die Wohnqualität ist völlig weg.“

Um den Lärm an Heckners Anwesen wirksam zu mindern, müsste die Wand bis zu 75 Meter lang und mindestens 1,60 Meter hoch sein und parallel zur Straße errichtet werden. Der Ortstermin zeigte allerdings, dass von der nahen Bahnstrecke oder der Bundesstraße „deutlich mehr Lärm ausgeht als vom rollenden Verkehr“ der Zufahrtsstraße, wie nicht nur Stadtrat Otto Kolesch sagte. Er bezweifelt deshalb, dass die Wand die erhoffte Wirkung erziele. Im Übrigen seien die geschätzten Kosten von 58 000 Euro zu hoch, um einen Einzelnen vor Lärm zu schützen. „Erst einmal sollten wir Edeka auffordern, die Laderampe abzuschotten.“ Auch von dort dringt in aller Früh beim Entladen der Lastwagen Lärm.

Peggy Knauer stellte sich eine ganz andere Frage: „Ist dies in Iphofen das einzige Objekt, das einen Lärmschutz braucht? Oder zieht das weitere Fälle nach sich?“ Auch Hans Brummer gab zu bedenken: „Ich verstehe die Leute, aber wenn man sieht, was andere zu erdulden haben, ist das schon wieder relativ.“ Bürgermeister Josef Mend erklärte, unstreitig sei die Veränderung, die mit dem Bau der Einkaufsmärkte gekommen sei. Der Verkehr an dieser Stelle werde in nächster Zeit eher zunehmen, wenn der Lebensmitteldiscounter Penny seinen neuen Markt gebaut habe. Mend strebt eine außergerichtliche Lösung mit Heckner an, beharrt aber auf dem Standpunkt, die Stadt sei gesetzlich nicht verpflichtet, an dieser Stelle eine Lärmschutzwand zu errichten.

Von Stadtrat Rupert Maier kam die Idee einer „Werbewand“ entlang der Straße; dort könne Edeka dann gegen eine Gebühr an die Stadt Reklame anbringen. „Eine städtebauliche Schönheit wird das nicht“, sagte Mend. Er will auch diesen Vorschlag prüfen.