Gips ist vielseitig einsetzbar - vom Eigenheim bis zum Brückenbau. Doch Naturgips ist knapp. Daher wird beim fränkische Hersteller Knauf auf recyceltes Material gesetzt.
Mit einer innovativen Gipsrecycling-Anlage in Mittelfranken plant der Baustoffproduzent Knauf, die Versorgung mit dem Rohstoff zu optimieren. Demnach soll der erste Spatenstich für die Werkstätte in Neuhof an der Zenn (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim) im Sommer erfolgen. Die Inbetriebnahme der Anlage, die das Familienunternehmen aus dem unterfränkischen Iphofen (Kreis Kitzingen) gemeinsam mit der BSR Ingolstadt, einem Spezialisten für Boden- und Baustoffrecycling, realisiert, ist für Anfang 2027 vorgesehen.
Der Recyclinggips soll zu den etwa 50 Kilometer entfernten Produktionsstätten der Knauf Gruppe transportiert und dort in der Gipskartonplattenherstellung verwendet werden.
Knauf baut neue Anlage - Gipsversorgung nicht gesichert
Knauf zufolge soll jährlich recycelter Gips im zweistelligen Kilotonnenbereich produziert werden, genauere Angaben wurden nicht gemacht. "Wir gehen davon aus, dass in der Anlage vorerst Arbeitsplätze im einstelligen Bereich entstehen", sagte ein Unternehmenssprecher.
"Wir schließen den regionalen Rohstoffkreislauf", erklärte Martin Brown, Geschäftsführer Knauf Recycling Holding. "Mit dieser langfristigen Strategie bleiben Arbeitsplätze in der Region, während sich Kunden weiter auf Knauf Produkte für nachhaltiges und erschwingliches Bauen verlassen können." Laut der Bürgermeisterin von Neuhof an der Zenn, Claudia Wust (CSU), werde zudem die Gemeinde gestärkt.
In Deutschland droht nach früheren Angaben von Knauf eine Versorgungslücke bei Gips – der Rohstoff wird etwa beim Hausbau, für Fundamente von Windkraftanlagen oder Brücken benötigt. Ursache für die Lücke sei der geplante Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kohle. Dabei fallen bislang große Mengen an sogenanntem Rea-Gips als Nebenprodukt an, die spätestens ab 2038 fehlen werden. Bislang würden über diesen synthetischen Gips gut 40 Prozent des Bedarfs gedeckt, über Naturgips 55 Prozent, der Rest durch Recycling.
Recyclinggips keine langfristige Option
Nach Angaben des Bundesverbands der Gipsindustrie kann Recyclinggips die entstehende Lücke auf absehbare Zeit jedoch nicht schließen. Knauf plant daher in der Nähe von Würzburg ein neues Bergwerk zum Gipsabbau zu errichten. Dazu läuft derzeit ein Genehmigungsverfahren.
Knauf zufolge werden in Deutschland jährlich rund 10 Millionen Tonnen Gips benötigt, in Bayern liegt der Bedarf demnach bei 1,6 Millionen Tonnen. ami/mit dpa