Es gibt immer mehr Halbtagsjobs: Rund 8700 Beschäftigte im Landkreis Kitzingen haben derzeit eine Teilzeit-Stelle. Das sind 17 Prozent mehr als noch vor vier Jahren, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. Die NGG beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stieg die Zahl aller sozialversicherungspflichtigen Jobs im Kreis um acht Prozent. Vor dem Hintergrund der Debatte um prekäre Arbeit fordert die Gewerkschaft ein verbrieftes Rückkehrrecht auf Vollzeit.

„Zunahme beunruhigend“

„Die Zunahme der Teilzeit ist beunruhigend“, sagt Ibo Ocak von der NGG Unterfranken. 20- oder 30-Stunden-Jobs würden immer mehr zur Regel – und häufig zur Falle. „Gerade Frauen bleibt etwa nach einer Familien-Pause der Wunsch, in Vollzeit zurückzukehren, oft verwehrt“, so der Gewerkschafter. Dies erschwere nicht nur den beruflichen Aufstieg, sondern sorge auch für niedrige Renten und erhöhe das Armutsrisiko im Alter.

Dieses Problem nehme immer größere Ausmaße an: So arbeiten laut BA aktuell 51 Prozent aller berufstätigen Frauen im Kreis Kitzingen in Teilzeit.

„Viele von ihnen wollen mehr arbeiten, worin auch ein riesiges Potenzial für den heimischen Arbeitsmarkt liegt“, betont Ocak. Diese Chance dürfe man in Zeiten des Fachkräftemangels nicht einfach verschenken. Doch auch Männer, die für mehr Zeit mit der Familie die Arbeitszeit reduzieren und später wieder erhöhen wollten, bekämen dazu oft keine Chance. Auch ihnen bringe ein Rückkehrrecht auf Vollzeit spürbare Entlastung.

Tausende würden profitieren

Entsprechende Gesetzespläne des Bundesarbeitsministeriums waren im Koalitionsausschuss Ende März am Widerstand von CDU und CSU gescheitert, obwohl das Vorhaben im Koalitionsvertrag vereinbart worden war. Die NGG fordert die Regierungsparteien nun auf, mit ihrem Versprechen ernst zu machen und das Gesetz vor der Sommerpause zu verabschieden. Tausende Berufstätige in der Region würden davon profitieren, so die NGG Unterfranken. Der Rückkehranspruch solle dabei für alle Betriebe gelten und nicht nur für Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern, wie von der CSU gefordert.