Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, aber was tun, wenn einem Corona einen Strich durch die Rechnung macht? Im Juni 2000 waren die Fußballer des TSV Sulzfeld in die Landesliga eingezogen und hatten damit Klubgeschichte geschrieben. Auf diese Sternstunde wollte der Verein zurückblicken – mit einem „Kommersabend im kleinen Kreis“, wie Sportleiter Benny Krumpholz sagt. Mit Geschichten und Anekdoten, die den Beteiligten im kollektiven Gedächtnis geblieben sind, die in den Ohren der heutigen Spielergeneration aber wie Erzählungen aus einer anderen Welt klingen muss, so weit weg, so fern der Realität. Heute spielt der TSV Sulzfeld drei Etagen tiefer in der Kreisklasse. Und auch wenn das sportlich ein Abstieg sein mag – für die Identität und den Zusammenhalt der Abteilung ist es ein Gewinn.

Die Gegner kommen nicht mehr aus Coburg, Lichtenfels oder Würzburg, sondern aus Mainbernheim, Frickenhausen oder – wie am vergangenen Samstag – aus Gaukönigshofen. Der Sternenstaub der höheren Fußball-Galaxien, in der die Sulzfelder anfangs wirkten wie unbedarfte Eindringlinge, ist längst verblichen – so sehr, dass die Spieler der Gegenwart nicht einmal mehr danach fragen, wie Krumpholz sagt.

Aus dem heldenhaften Team der Jahrtausend- Wende ist nur Sebastian Zobel geblieben, der zwei Torwart-Abschläge vom Sportplatz wohnt. Trainer Markus Wolf kennt die Landesliga zwar ebenfalls, doch er war erst beim zweiten Sulzfelder Abenteuer im Jahr 2007 dabei. Die Landesliga ist kein Referenzpunkt mehr, auf den heute irgendjemand im Klub abheben würde. Sie war und ist nur Episode.

Die Zeitenwende hat einen Kulturwandel mit sich gebracht. Heute definiert sich der TSV Sulzfeld über seine Nachwuchsabteilung, die inzwischen so nachhaltig aufgestellt ist, dass dem Klub um die Zukunft nicht bange sein muss. Trotz Corona sind auch in dieser Saison alle Altersklassen bis auf die U11 mit eigenständigen Teams besetzt. Ein Erfolg, der maßgeblich dem langjährigen Jugendleiter Charly Zehnder und dem Vereinsvorsitzenden Bernd Hering zuzuschreiben ist.

Hering hat den Aufstieg in die Landesliga als Spieler selbst mitgemacht – und war lange Zeit der einzige echte Sulzfelder im Team. Das sollte künftig nicht mehr passieren. Die neue Identitätspolitik ist – „so ehrlich muss man sein“, sagt Krumpholz – auch der Marktentwicklung geschuldet. Geld kann und will der Klub nicht mehr in ein elitäres Spitzenprodukt investieren, und so steckt er es in ein bodenständiges Projekt, das langsam Zinsen abwirft.

Nach drei Abstiegen binnen acht Jahren musste sich der Verein zwingend neu erfinden – und machte aus der Not eine Tugend. Inzwischen zählen 15 Eigengewächse zum Kader der ersten Mannschaft, der nächste hoffnungsvolle Jahrgang steht in der U17 schon hintendran. Für den Klub ist das eine große Chance bei vergleichsweise kleinem Risiko. Natürlich mangle es dem aktuellen Jahrgang an Erfahrung, sagt Krumpholz. „Das kann man ja auch an der Tabelle ablesen.“

Der selbstgesteckte Anspruch, nach dem dritten Platz der vorigen Saison um den Aufstieg mitzuspielen, hat sich nicht erfüllt. Kein Drama, aber Krumpholz weiß, dass man auf mittlere Sicht schon wieder in der Kreisliga spielen müsse, um dem talentierten Nachwuchs nicht nur gesellschaftlich, sondern auch sportlich etwas zu bieten.

Beim 4:1 am Samstag gegen Gaukönigshofen hat die junge Mannschaft ihr Potenzial zumindest angedeutet. Sie kombinierte gefällig, spielte sich Torchancen heraus und zeigte sich relativ unerschrocken vom frühen Rückstand. Nach nicht einmal fünf Minuten hatte Micha Rienecker für die Gäste schon zum 0:1 getroffen; zwanzig Minuten und zwei gute Gelegenheiten später gelang Samba Jallow mit einem platzierten Schüsschen der Ausgleich. Und Jallow, mit 32 Jahren einer der wenigen Routiniers im Team, erzwang in der 70. Minute auch den Elfmeter, den er gleich selbst zum 2:1 verwandelte. Die Wende im Spiel. Florian Ehrbar (80.) und Ibrima Saine (87.) ließen später weitere Treffer folgen.

Als ihr Spiel erst einmal lief, sah man eine Mannschaft, die sich durchaus an sich selbst berauschen kann. Die Sulzfelder wissen, dass dieser Jahrgang in der Lage ist, ihnen noch viel Freude zu bereiten, wenn er erst einmal spürbar an Reife und Tiefe gewonnen hat. So gesehen war die Corona-Zwangspause für die jungen Spieler nicht nur Fluch. „Sie hatten“, sagt Sportleiter Krumpholz, „nun ein halbes Jahr mehr Zeit, sich nicht nur sportlich zu entwickeln.“

Die Statistik des Spiels

Sulzfeld: Mengler - Weigand, Zobel, Felix Ehrbar, Landmann, Schlereth, Lauter, Walter, Florian Ehrbar, Saine, Jallow. Eingewechselt: Gerber.
Gaukönigshofen: Klug - Nagl, Wolz, Werner,  Roth, Grüb, Hahn, Goldhammer, Seufert, Maag, Rienecker. Eingewechselt: Schwab, Ringelmann, Meyer.
Schiedsrichter: Aksoy (Marktheidenfeld). Zuschauer: 70. Tore: 0:1 Micha Rienecker (5.), 1:1, 2:1 Samba Jallow (25., 72., Foulelfmeter), 3:1 Florian Ehrbar (80.), 4:1 Ibrima Saine (87.).
Quelle: BFV