"Wir zeigen Solidarität mit der Bevölkerung in der Ukraine und ihrem mutigen Präsidenten, wir verurteilen Putins barbarischen Krieg, wie auch 141 Länder in der Welt dies tun." Margit Hofmann, die dienstälteste Kreisrätin im Landkreis Kitzingen, war eine von mehreren Rednern bei der Friedenskundgebung am Donnerstagabend auf dem Volkacher Marktplatz.

Über 200 Menschen aller Altersgruppen zeigten Flagge für demokratische Werte, Vernunft, Respekt, Toleranz, Würde, Frieden und Freiheit. Zu der angemeldeten Demonstration hatte die Flüchtlingshilfe Mainschleife aufgerufen, eine ehrenamtlich tätige Gruppe, die sich über Facebook organisiert hat.

Kinder verteilten Friedenstauben aus Papier. Viele Teilnehmer hatten brennende Kerzen mitgebracht. "Frieden für alle", "Dieser Krieg ist nicht gerecht", "Make Love not War" oder "kein Krieg mehr" stand auf Plakaten, die vor allem Kinder in den Händen hielten. Ein Mädchen legte dabei ihre eigene Sichtweise an den Tag: "Krieg ist blöd."

Veronika Druckenbrod und Andrea Rauch, beide von der Flüchtlingshilfe Mainschleife, eröffneten das einstündige Treffen, bei dem Gebete, Lieder und Gitarrenklänge den Menschen in der Ukraine Kraft geben sollen. Mehrere ukrainische Frauen und Mädchen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und erst vor ein paar Tagen Zuflucht an der Mainschleife gefunden haben, waren zum Rathaus gekommen und gesellten sich zu Bürgermeister Heiko Bäuerlein bei dessen Ansprache.

"Wir haben lange im Gefühl der Sicherheit gelebt und diese ist jetzt ein Stück weit weggebrochen", sagte das Stadtoberhaupt. Seine momentane Gefühlslage bezeichnete er als "beklemmend". Bäuerlein dankte allen Menschen, die durch Aktionen und Spenden ihre Hilfsbereitschaft für die Ukraine unter Beweis stellen. Der Krieg und seine schlimmen Auswirkungen seien auch in seiner Heimatgemeinde angekommen. Sofia, Angela und Victoria aus der Ukraine haben die Bäuerleins aufgenommen. "Mit nur einem Koffer standen sie vor der Tür", so der Bürgermeister.

Mit der Teilnahme an der Kundgebung wolle er ein Zeichen setzen gegen den Krieg. Bäuerlein appellierte an die Bevölkerung neben Geld- und Sachspenden auch Wohnungen für die Geflohenen zur Verfügung zu stellen. Kreisrätin Margit Hofmann betonte: "Putins Überfall bedroht fundamental die Sicherheit und Friedensordnung in Europa." Mittlerweile seien 80 000 Menschen aus der Ukraine in Deutschland angekommen, auch im Landkreis. Es seien meist Mütter mit ihren Kindern, die alles zurücklassen mussten. Die spontane Hilfsbereitschaft in der Region tue gut.

Das Gesundheitsamt kümmere sich um die medizinische Versorgung und die Impfungen, denn in der Ukraine seien nur 30 Prozent der Menschen gegen Corona geimpft. Das bürokratische Prozedere sei für die Flüchtlinge vereinfacht. "Sie brauchen keinen Asylantrag, haben ein Bleiberecht von drei Jahren, erhalten eine Arbeitserlaubnis und haben Anspruch auf staatliche Unterstützung", so die Kreisrätin. Ihre klare Forderung an den russischen Machthaber: "Stoppen Sie den Krieg in der Ukraine und beenden Sie das Leid der Bevölkerung."

Thomas Riehle, der Leiter der Grund- und Mittelschule Volkach, hatte im Unterricht den russischen Angriff besprochen. Ihr Fazit: "Es gab doch schon zwei Weltkriege. Haben sie denn nichts gelernt? Wir können es nicht verstehen." Schulleiter Bernhard Seissinger vom Franken-Landschulheim Schloss Gaibach möchte trotzallem zuversichtlich bleiben: "Überall Zerstörung. Staatlich angeordneter Totschlag. Der Krieg vor unserer Haustür. Wir geben die Hoffnung nicht auf." Die Zehntklässlerinnen Sonja Eberhardt und Annika Haarmann teilten mit, dass die gesamte Mädchenrealschule "zu tiefst schockiert ist von der Situation in der Ukraine". Gemeinsam habe man Plakate mit Ängsten und Sorgen sowie Kerzen für einen Gottesdienst gestaltet. "Der Krieg macht deutlich, wie gut es uns geht." Sie teilten ein Friedensgebet mit den Teilnehmern der Kundgebung.

Pastoralreferent Josef Gerspitzer von Sankt Benedikt betete für die Menschen in der Ukraine und die Verstorbenen. Die Helfer der Flüchtlingshilfe Mainschleife hielten eine Liste für freiwillige Unterstützer, ein Info-Blatt für ukrainische Kriegsflüchtlinge, Malvorlagen für Kinder und eine Spendenbox bereit. Johanna Bäuerlein und dritte Bürgermeisterin Gerlinde Martin sorgten für die musikalische Begleitung.

Spendenkonten: Verwendungszweck "Flüchtlingshilfe Ukraine", Sparkasse Mainfranken DE66 7905 0000 0042 0792 02, VR Bank Kitzingen DE 54 7919 0000 0000 4050 51.