„Treffen sich zwei Männer auf dem Weihnachtsmarkt.“ So könnte der erste Satz eines Witzes lauten. In Wirklichkeit aber war die zufällige Begegnung der Beginn einer Erfolgsgeschichte, von der Kitzinger, Bürger der Region und Gäste profitieren.

Rolf Wenkheimer ist Vorsitzender des Fördervereins Gartenschaugelände Kitzingen. Den gab es noch nicht, als damals Hugo Weiglein den erst kurz zuvor in seine Heimatstadt zurückgekehrten Rolf Wenkheimer fragte, ob er sich vorstellen könnte, bei einem noch zu gründenden Verein mitzumachen. Er konnte – aber dass er gleich Vorsitzender werden würde, hatte er nicht gedacht. „Als ich gemerkt habe, dass es darauf rausläuft, habe ich mich auf die Suche nach Mitstreitern gemacht“, erzählt er. In Karin Böhm hat er schnell eine solche Mitstreiterin gefunden, Manfred Engelhardt kam hinzu, Bernhard Ziegler.... Inzwischen hat der Verein weit über 100 Mitglieder, es gibt vier Vorstandsmitglieder und vier Beisitzer. Seit der Vereinsgründung 2012 hat Wenkheimer das Amt des Vorsitzenden inne – „und Jahr für Jahr hat es mir besser gefallen“.

Über 50 Musik-Veranstaltungen

„Klein, aber fein“ sei das, was der Verein auf die Beine stelle, sagt der 74-Jährige. Zumal nicht viel Geld vorhanden ist. Aus den Mitgliedsbeiträgen kommen etwa 2000 Euro zusammen, dazu kommen 2000 Euro Zuschuss von der Stadt, die Sparkasse ist Sponsor und bei musikalischen Veranstaltungen wird ein Sparschwein für Spenden herumgereicht. „Insgesamt haben wir etwa 6000 Euro“, so Wenkheimer. „Und wenn das Geld alle ist, machen wir in dem Jahr eben nichts mehr.“

Fällt der Begriff „Förderverein Gartenschaugelände“, denkt man spontan an Musik. An musikalische Frühschoppen am MainSide Sommergarten mit verschiedenen Musikgruppen. An Konzerte auf dem Stadtbalkon, bei denen in erster Linie Musiker und Ensembles der Musikschule Kitzingen auftreten. Über 50 musikalische Veranstaltungen hat der Verein mittlerweile abgehalten.

„2013 und 2014 fand der musikalische Frühschoppen im Biergarten der Goldenen Gans statt“, blickt Wenkheimer zurück. „Das war ideal“, findet er noch immer, zumal es dort sanitäre Anlagen für die Besucher gab. Später folgte der Umzug zum MainSide Sommergarten, ein etwas weiter nördlich gelegener Standort, der bei den Besuchern sehr gut ankommt. Auf Bänken und Decken nehmen jedes Mal um die 200 Menschen Platz und lauschen der Musik unterschiedlichster Stilrichtungen. Die Mischung war von Anfang an gewollt: „Mir war wichtig, dass es nicht nur Jazz ist“, so Wenkheimer. Schließlich gab es ja schon den Jazz-Frühschoppen auf der Hallburg.

Hoffnung auf bessere Zeiten

Musste Wenkheimer anfangs noch intensiv nach Musikgruppen suchen, die am Sonntag von 11 bis 14 Uhr auf dem Gartenschaugelände für Unterhaltung sorgen, und dabei auf Kontakte von Vereinsmitglied Bernhard Ziegler zurückgreifen, melden sich längst viele Musiker von sich aus und fragen nach, wann sie denn wieder auftreten könnten. Es ist eine Veranstaltung, die bei Künstlern wie Besuchern gleichermaßen beliebt ist.

Am Fuß der Treppe, die von der Alten Mainbrücke auf das Gartenschaugelände führt, hängt der Schaukasten des Vereins, in dem die Veranstaltungen angekündigt werden. Schaut Wenkheimer momentan auf das dort angepinnte Papier, trübt sich sein Blick. Sieben musikalische Frühschoppen sind aufgelistet, dazu sechs musikalische Veranstaltungen auf dem Stadtbalkon. Ob sie stattfinden können, steht in den Sternen – oder in der zum jeweiligen Datum aktuellen Corona-Inzidenz. Schon im vergangenen Jahr hat die Pandemie dem Verein einen dicken Strich durchs Programm gemacht. Wenkheimer hofft, dass es heuer besser wird. Dagegen ist jetzt schon klar, dass die Besucher des Geländes sich bald wieder im MainSide Sommergarten kulinarisch verwöhnen lassen können. Nachdem der bisherige Pächter sich zurückgezogen hatte, wird der Sommergarten künftig von Rainer Straßer, Inhaber des Casa Conrad, betrieben. „So bald wie möglich“ will Straßer täglich für die Gäste öffnen und Essen und Getränke „im mediterranen Casa-Style“ anbieten, Frühstück, Mittagstisch und Weine aus der Region. Nach dem Saisonende hat er eine umfassendere Umgestaltung anvisiert.

Die Kultur macht den einen Schwerpunkt der Fördervereinstätigkeit aus. Die Konzerte gehören dazu, aber auch die Kunst: Die 2013 von Hobby-Künstlern geschaffenen Skulpturen am Winterhafendamm. Das Theater – mit dem Auftritt der Häckerbühne 2013 und den regelmäßigen Kasperltheater-Aufführungen. Die kirchlichen Angebote auf den Treppenstufen – mit den Andachten „Fünf nach Fünf“, die bis zur Corona-Zeit immer mittwochs von Mai bis Juli stattfanden. Es gab Frühlingsmärkte und natürlich die Salatblume, eine Initiative der Etwashäuser Gärtner mit dem beliebten Gärtnerfest zur Ernte im August. Die Besucher des Geländes können sich beim Boule vergnügen, auf den Spielplätzen, an den Sportgeräten, die Jugend auf dem Skaterplatz.

Umwelt- und Landschaftsschutz

Wer mit dem Vereinsvorsitzenden über das 8,5 Hektar große Gelände läuft, merkt schnell, dass es dem gemeinnützigen Verein nicht nur um Kultur geht und schon gar nicht um große „Events“ mit dem einzigen Ziel, die Menschen zu bespaßen. Es geht insgesamt um die Nachnutzung des Bereichs zwischen der Nordbrücke und der Konrad-Adenauer-Brücke. Der Förderverein unterstützt die Stadt in einem Ziel, das mit der Durchführung der Gartenschau im Jahr 2011 verknüpft ist: Im Zusammenhang mit der Bewilligung von Fördermitteln hat Kitzingen sich verpflichtet, den parkartigen Charakter des Geländes der Kleinen Gartenschau für die Dauer von 25 Jahren zu erhalten. Zweites Vereinsziel ist daher neben der Förderung von Kunst und Kultur auch die Förderung des Umwelt- und Landschaftsschutzes.

Das Feld der Rekorde, Hans Klug, Literaten, Aromen, Verführung... Während der Gartenschau gab es sieben Gartenfelder, die nach der Veranstaltung nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zweck genutzt wurden. Für sie galt es eine Nachnutzung zu finden – und mit dieser Nachnutzung hat sich das Gelände weiterentwickelt. Heute informieren die Imker an einem Lehrbienenstand über ihre Arbeit, es gibt ein Insektenhotel, internationale Beete im integrativen Garten und einen Bauerngarten. Im Sommer 2013 wurde ein kleiner Energiewald angelegt, seit Herbst des gleichen Jahres gibt ein Fischlehrpfad Einblick in das tierische Leben im Main. Zahlreiche Bäume wurden gespendet und auf dem Gelände gepflanzt.

„Die Leute lechzen nach Kultur“

Rolf Wenkheimer liegen die Flächen am Main am Herzen. Er kennt sie schon aus seiner Kindheit, denn er ist in der Schwarzacher Straße aufgewachsen. „Das hier, das war mein Revier“, sagt er und blickt über das weitläufige Gelände. Ihm gefällt, was daraus geworden ist. Und er findet es schön, wenn die Menschen sich an der Natur auf dem Gartenschaugelände erfreuen, auf den Liegen die Sonne genießen und auf der Boule-Bahn die Kugeln rollen. Nur zu gerne würde er auch wie geplant die Besucher beim Frühschoppen und den Konzerten begrüßen dürfen. „Die Musiker sind traurig, wenn die Veranstaltungen ausfallen“, weiß er aus vielen Gesprächen. „Und die Menschen lechzen nach Kultur.“ Es ist nicht sein Bestreben, diese nur einem kleinen Kreis in einem mit Zäunen abgegrenzten Gelände zu bieten. „Außerdem: Wie sollen wir das organisieren? Wir arbeiten ehrenamtlich, die Veranstaltungen sind kostenlos“, sagt Wenkheimer. „Wenn 100 Leute da sind, soll ich den 101. heimschicken?“ Das will er sich und seinem Team nicht zumuten. Und den Besuchern auch nicht. Bleibt also nur die Hoffnung, dass Corona bald auch wieder Musik und Genuss an der frischen Luft in einem größeren Kreis zulässt.

Für 2021 geplante Termine auf dem Gartenschaugelände

Musikalischer Frühschoppen: Jeweils sonntags von 11 bis 14 Uhr sind folgende Veranstaltungen geplant: 2. Mai Streetgig, 30. Mai Greyhound, 4. Juli Jazztonics, 23./30. Juli Rockkonzert, 1. August Ernte der Salatblume mit dem Franconia-Sextett, 5. September The Hemlocks.

Veranstaltungen auf dem Stadtbalkon: Dienstag, 22. Juni, Vorspiel der Musikschule. Samstag, 3. Juli: Querflöten-Klasse, Samstag, 10. Juli: BigKitzBand, Samstag, 24. Juli, Streichorchester der Musikschule. Samstag, 31. Juli, Gitarren-Ensemble. Samstag, 14. August, Bardomaniacs (Termin wird eventuell auf den 5. Juni vorverlegt).

Achtung: Corona! Ob die Veranstaltungen wie geplant stattfinden können, hängt natürlich mit den jeweils geltenden Vorschriften der Corona-Pandemie zusammen. Der Förderverein Gartenschaugelände wird jeweils aktuell informieren. (len)