Sieben Jahre war Patrick Balbach jung, als er im Kitzinger Tierheim einen Schatz fand: Billy. Dunkle Knopfaugen, helle Schnauze, interessiert aufgerichtete Ohren: Der kleine Hund hatte es dem kleinen Jungen sofort angetan. Allerdings war Billy nicht gesund.

Das Hundekind, das damals erst wenige Wochen alt war, hatte eine Pfoten-Deformation. Der „Shiba-Inu“ – das ist eine vor allem in Japan beliebte Hunderasse, die von Jagdhunden aus den bergigen Regionen am Japanischen Meer abstammt – war aus schlechter Haltung gerettet und von den Behörden beschlagnahmt worden. So war der Kleine im Kitzinger Tierheim gelandet.

Die Fachleute hatten nur wenig Hoffnung, dass Billy längere Zeit leben würde. „Er hätte teure Operationen gebraucht. Aber auch dann hätte man nicht gewusst, ob es etwas nützt“, sagt Patrick Balbach. „Wir haben ihn damals mit heimgenommen mit dem Ziel, ihm sein wahrscheinlich kurzes Leben so schön wie möglich zu machen.“

Billys Leben bei den Balbachs wurde tatsächlich schön. Und zum Glück viel länger als prognostiziert. „Billy ist 15 Jahre lang mein treuer Kumpel geblieben. Er ist quasi mit mir zusammen erwachsen geworden“, erzählt Patrick Balbach, der heute 24 Jahre alt ist.

Als Billy nach einem erfüllten Hundeleben starb, trauerte der Elektro-Servicetechniker. Aber er war auch froh und dankbar dafür, dass er mit Billy so viel Gutes erleben durfte. „Ich habe daran gedacht, wie wir ihn aus dem Tierheim geholt haben. Damals haben wir 50 Euro dort gelassen – im Nachhinein betrachtet ein sehr geringer Betrag für das, was Billy dann doch für uns geworden ist.“

Also überlegte der Obernbreiter, wie er sich jetzt, als erwachsener Mann, noch einmal richtig beim Tierheim-Team bedanken beziehungsweise dessen Arbeit unterstützen könnte. Sein Hobby, das Streamen, sollte ihm dabei helfen.

Patrick Balbach nutzt gerne ein Live-Streaming-Videoportal namens „Twitch“, das nicht nur zum Übertragen von Videospielen taugt. Man kann damit auch Ereignisse aus dem eigenen Leben mit anderen teilen und diskutieren. Das tat Patrick Balbach. Assistiert von seinen Kumpels Christoph Engist und Sebastian Volkamer streamte er immer samstags: Zusammen mit Bekannten und Unbekannten spielten die beiden zum Beispiel das Computerspiel „Fortnite“ und unterhielten sich nebenher unter anderem über das Kitzinger Tierheim und generell das Thema Tierschutz. „Natürlich haben wir auch Blödsinn gemacht, denn der Spaß sollte nicht fehlen.“ Aber immer wieder ging es darum, dass das Tierheim jede Spende „mehr als gebrauchen kann“. Natürlich erzählte der Obernbreiter seinem Publikum auch von Billy. Vor Weihnachten verkleidete er sich sogar als Nikolaus, der jedoch statt als Gabenbringer als Gabensammler auftrat.

Insgesamt kam Balbach auf 36 Stunden Live-Stream. Das internationale Publikum hatte offensichtlich Spaß an Patrick Balbachs Beiträgen. Denn: Innerhalb einiger Wochen kam die stolze Spendensumme von 900 Euro zusammen. „Allein 200 Euro hat ein Schweizer gespendet, dem unsere Performance gefallen hat“, freut sich der 24-Jährige, der alles in allem ziemlich überrascht war vom Erfolg der Aktion. Sein Fazit: „Das zeigt, dass man mit Internet-Plattformen wie Twitch, die manche Menschen mit Argwohn betrachten, auch Positives bewirken kann!“

Der komplette Erlös der Aktion kommt nun den Tieren im Kitzinger Tierheim zugute. Deren ungewisses Schicksal – noch immer ist nicht klar, ob, wann und wo es ein neues oder saniertes Tierheim im Kreis Kitzingen geben wird – berührt Patrick Balbach. Er möchte, dass seine Spende dorthin fließt, „wo der Schuh gerade am meisten drückt“.