Die Entwarnung kam wohl zu früh. Es sieht so aus, als würde der Müllfrevler von Sickershausen weiterhin sein Unwesen treiben. Und er ist nicht der Einzige, der Kitzingen unnötig verdreckt.

Vor etwa zehn Tagen meldete die Polizei: Umweltsünderin ermittelt. Tatsächlich konnte Umweltsachbearbeiter Helmut Pfaff dank akribischer Suche die Spur zu einer 40-Jährigen aus dem Landkreis Kitzingen ausmachen. Sie hatte einen blauen Sack mit Abfall an die Straße zwischen Sickershausen und Hohenfeld gestellt.

„Das sind wahrscheinlich zwei unterschiedliche Fälle.“
Helmut Pfaff, Umweltsachbearbeiter Polizei

In dem Sack fand Pfaff Hinweise auf die Täterin und war guter Dinge, dass der Spuk damit vorbei war. Er sollte sich geirrt haben.

Herbert Emmerich meldete schon damals Zweifel an. Der blaue Sack passte so gar nicht zu dem Muster, das der Sickershäuser an der Strecke beobachtete. Seit November war dort immer wieder Müll achtlos auf und neben die Straße geworfen worden. Meistens um die Mittagszeit. Der blaue Sack wurde dagegen kurz nach Sonnenaufgang entdeckt.

13 Mal machten sich Emmerich und sein Nachbar Heinz Hörlin daran, den ganzen Dreck wieder wegzuräumen. Von Essensresten wie Eier und Brot über Papier und Taschentücher: Jede Menge Müll fand sich auf der Verbindungsstraße. Nicht nur das: Der Unbekannte warf auch neuwertige Dinge aus dem Auto. Nagelneue Hemden beispielsweise – oder einen Schutz für Auto-Lenkräder. „Nie benutzt“, sagt Emmerich und wundert sich.

Zwei- bis dreimal am Tag geht der Sickershäuser mit seinem Hund Gassi. Die Strecke zwischen Sickershausen und Hohenfeld hat er im Blick. In den letzten zehn Tagen ist er wieder auf Müllablagerungen gestoßen. „Beim letzten Mal waren es zwei original verpachte Co2-Melder, fünf Stück Ameisengiftdosen, eine Dose Kettenspray, zweimal Ungezieferabwehr sowie 20 Eier, Wurstpackungen und sonstige Lebensmittel“, zählt er auf. „Alles von der Haltbarkeit nicht abgelaufen.“

Helmut Pfaff will aufgrund dieser Funde die Ermittlungen wieder aufnehmen. „Das sind wahrscheinlich zwei unterschiedliche Fälle“, meint auch er und staunt. So eine Geschichte wie zwischen Sickershausen und Hohenfeld ist ihm in seiner langjährigen Karriere noch nicht untergekommen. In der Nähe von Glascontainern komme es immer wieder zu wilden Müllablagerungen. Am Parkplatz an der Alten Poststraße beispielsweise, am Bleichwasen oder zwischen E-Center und Aldi. Aber dort wird – zumeist mitten in der Nacht – vorwiegend Hausmüll abgelagert.

Pfaff ist über die gute Zusammenarbeit mit dem städtischen Bauhof froh. Dessen Mitarbeiter sind als Erste vor Ort und suchen schon mal nach Hinweisen auf die Täter, die sie an die Polizei weitergeben. Seine Erfahrung: An den Containerstandorten sind es oftmals ausländische Mitbürger, die ihren Müll entsorgen. „Viele kennen unser Abfallsystem nicht“, weiß Pfaff. Eine entsprechende Aufklärung und ein Bußgeldbescheid folgen. Letzteren würde die Polizei auch gerne an den Täter senden, der zwischen Sickershausen und Hohenfeld unterwegs ist. Dabei ist er nicht der Einzige, der die Straßen in Kitzingen mit Hausmüll überzieht, wie der Leiter des Bauhofes, Georg Günther, berichtet. Seit etwa drei Jahren gebe es immer wieder Probleme – vor allem in der Panzerstraße und auf der B8-Brücke. Gerade an den Wochenenden wirf ein Unbekannter dort Tüten mit Müll aus dem Auto. „Und der verteilt sich in den Böschungen oder am Brückengeländer“, ärgert sich Günther.

„Es sind immer die gleichen Tüten und der Müll ähnelt sich auch.“
Bauhofleiter Georg Günther über den wilden Müll in der Panzerstraße

Seine Vermutung: Es handelt sich um ein und dieselbe Person. „Es sind immer die gleichen Tüten und der Müll ähnelt sich auch“, erklärt Günther. Zwischen Sickershausen und Hohenfeld tippt er auf einen anderen Täter. Was beide Fälle eint: Einen vernünftigen Hinweis auf den oder die Verursacher hat es in all der Zeit nicht gegeben. Herbert Emmerich hofft, dass der Täter über kurz oder lang doch noch erwischt wird. Auf den letzten Artikel in dieser Zeitung hat er viel positive Resonanz erfahren. „Ich wurde von vielen Leuten darauf angesprochen“, berichtet er. „Manche wunderten sich, dass der Müll immer so schnell wieder verschwunden war“, sagt er. Daran wird sich nichts ändern. Zusammen mit seinem Nachbarn Heinz Hörlin will er den Dreck auch weiterhin wegräumen. Um dabei vielleicht auch einen Hinweis auf den Verursacher zu finden. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt er.