Was kann jeder Einzelne gegen den Klimawandel tun? Eine Frage, die immer mehr ins Blickfeld rückt. Das eigene Tun sorgfältig abwägen, umdenken. Für viele ist das mit dem Gedanken an Verzicht verbunden. „Aber Klimaschutz muss nicht immer nur mit Einschränkungen zu tun haben“, sagt Mechthild Engert. „Klimaschutz ist auch spannend und macht Spaß.“ Zum Beispiel bei der Arbeit im eigenen Garten.

„Gärtnern im Zeichen von Klimaschutz und Klimawandel“ ist ein Vortrag überschrieben, den die Fachberaterin für Gartenkultur und Landespflege im Landkreis Kitzingen schon mehrfach gehalten hat und der sich stets großer Nachfrage erfreut. Dabei ist es Mechthild Engert wichtig, nicht nur darüber zu reden, was im Garten gepflanzt werden kann. Es geht ihr auch um Hintergründe und Zusammenhänge.

Wie nutzen die Menschen ihre Gärten? Die Antwort auf diese Frage fällt ganz unterschiedlich aus. Für den einen ist er ein Treffpunkt, dem anderen dient er zur Erholung, der dritte baut Obst und Gemüse an, ein vierter will etwas für die Artenvielfalt tun. Egal, was nun das Ziel ist, für fast jeden gilt der eigene Garten als Sinnbild fürs Paradies. Hier lässt sich ausprobieren, wie die Welt idealerweise gestaltet werden kann.

Der Klimawandel hinterlässt auch in diesen kleinen Paradiesen seine Spuren. Gärten selber, der allzu großzügige Umgang mit Fläche, Baustoffen und Energie, tragen dabei selbst zur Klimakrise bei, so Engert. Die Jahresdurchschnittstemperaturen steigen, es gibt mehr trockene, heiße Sommer, mehr noch als in den letzten Jahren, weit mehr Starkregenereignisse als in diesem Jahr, zugleich kann das Wasser immer knapper werden. Diese Veränderungen stellen nicht nur Landwirte vor neue Hausforderungen, weiß Mechthild Engert, auch der private Wohn- und Nutzgarten verändert sich einschneidend.

Der Regen in diesem Sommer, die Stürme im Herbst, das sind Veränderungen, die wir direkt bemerken. Doch es gibt auch lang andauernde, schleichende Veränderungen, die nicht so sehr auffallen wie punktuelle Unwetter oder längere Trockenperioden. Mit den Jahrhunderten ist die Waldfläche immer kleiner geworden. Die Bevölkerung dagegen wächst und damit auch der Flächenverbrauch. Die Siedlungen werden größer, immer mehr Fläche wird versiegelt. „Im ländlichen Raum ist die Siedlungsfläche pro Einwohner besonders hoch“, macht Mechthild Engert deutlich: 1545 Quadratmeter je Einwohner sind es auf dem Land, in Großstädten dagegen „nur“ 219 Quadratmeter. An einem Beispiel macht sie deutlich, dass auch die Art des Wohnens eine Rolle spielt: Bei einer Einfamilienhaussiedlung entstehen durchschnittlich zwölf Wohneinheiten je Hektar, beim Mehrgenerationenwohnen sind es 33 Wohneinheiten.

„Gut zu gärtnern heißt, mit dem Ort und den äußeren Bedingungen zu arbeiten, statt gegen die natürlichen Grundlagen anzugehen.“
Mechthild Engert, Kreisfachberaterin

Für das Wohnen, für Einkaufsmöglichkeiten, für Straßen, die wir nutzen, werden Flächen versiegelt. Alles dies nutze jeder und so hat nach Ansicht von Mechthild Engert auch jeder eine Verantwortung dafür, dass die Bodennutzung für die Natur, für Tiere, für Artenvielfalt, für die Versickerung eingeschränkt ist. „Wir haben einen Zuwachs an Siedlungsfläche, der in kaum einem Verhältnis zum Bevölkerungswachstum steht.“

Das sind globale Entwicklungen, was soll ich als Einzelner dagegen tun? So lautet eine Frage, die immer wieder gestellt wird. Doch jeder kann etwas tun, in seinem persönlichen Lebensbereich. Zum Beispiel eben im Garten. Wichtig ist es, dort und rund ums Haus nicht noch zusätzlich unnötig Flächen zu versiegeln, sondern Möglichkeiten zu schaffen, wo das Niederschlagswasser versickern kann. Belebter Boden ist zudem ein CO2-Speicher.

Wer klimagerecht gärtnern will, sollte sich mit der Frage befassen, wie viel Wasser sein Garten benötigt. Das hängt unter anderem davon ab, wie er angelegt und bepflanzt ist. Für den Rasen wird am meisten Wasser gebraucht. Gemüse muss regelmäßig gegossen werden, doch Gärten sollen ja auch nützlich sein. Bei Blumen variiert der Wasserverbrauch. „Wenn wässern, dann richtig“, betont die Fachberaterin. Das bedeutet: Lieber selten, dafür durchdringend wässern, zehn bis 20 Liter pro Quadratmeter einmal pro Woche. Und zwar morgens oder abends, nicht in der Mittagshitze. Das Wasser zum Gießen muss dabei nicht aus der Leitung kommen – lieber Dachwasser in Tonnen sammeln und dafür nutzen.

Wer die richtige Pflanze für den richtigen Standort auswählt, ist extremen Wetterereignissen nicht schutzlos ausgesetzt. Boden, Licht, Wasser, Temperaturen und Kleinklima spielen dabei eine Rolle. So lässt sich nicht nur steuern, wie viel Wasser, Düngung und Pflanzenschutz benötigt wird, auch der Pflegeaufwand wird reduziert. Wer Bäume und Sträucher pflanzt, sorgt für Schatten – sowohl für den Menschen, als auch für Beete. So lässt sich der Wasserverbrauch der Pflanzen verringern. Eine Fassadenbegrünung ist ebenfalls eine gute Anpassung an den Klimawandel, denn sie trägt zur Kühlung über Verdunstung bei.

Vermeiden, reduzieren, wiederverwerten, reparieren, recyceln, kompostieren – Prinzipien für einen schonenden Umgang mit Rohstoffen gelten auch im Garten. Beispielsweise ist schon bei der Anschaffung darauf zu achten, welche Materialien genutzt werden. „Was wird aus dem Sandkasten, wenn die Kinder größer sind? können die Materialien zum Beispiel als Hochbeet oder Teich umgenutzt werden“, fragt Engert. Wer Baumaterialien wiederverwertet – mit alten Steinen oder Ziegeln einen Weg anlegt – hilft, Ressourcen zu schonen.

„Gut zu gärtnern heißt von jeher, mit dem Ort und den äußeren Bedingungen zu arbeiten, statt gegen die natürlichen Grundlagen anzugehen“, so Engert. Weniger tun, genau schauen, ausprobieren und entdecken: Im Garten kann erprobt werden, wie eine klimagerechte Welt gestaltet ist.