Daniela Röllinger
(Nichts Süßes): Ich hätte es nicht gedacht: Auf Wurst und Fleisch zu verzichten war für mich deutlich leichter, als Süßes wegzulassen. Schon am allerersten Tag hätte ich fast den obligatorischen Keks gegessen, der mittags im Café auf der Untertasse des Cappuccinos lag. Das macht man so nebenher, ohne groß darauf zu achten. Disziplin und Aufmerksamkeit ist also gefragt, und das von früh bis spät. Zudem gab es in der ersten Woche noch ein anderes Problem. Ich hatte Geburtstag. Nicht feiern? Geht nicht und will ich nicht. Eine Kaffeetafel nur mit Wurstbrot? Passt irgendwie auch nicht. Alle anderen essen Torte, nur ich nicht? Eine Alternative, die mir nicht recht schmeckte. Im Gegensatz zum Kuchen. Der war echt lecker, denn ich habe tatsächlich welchen gegessen. Und dann mit mir gerungen. Verrat' ich das in der Zeitung? Merkt doch keiner.... Ich und lügen, das ist aber auch keine so gute Kombination. Das sieht man mir immer an.
Aber ich habe eine Lösung gefunden: Die Sonntage sind von der Fastenzeit ausgenommen. Zeit, diese Regelung mal zu nutzen. So habe ich den Sonntag dieser Woche kurzerhand auf meinen Geburtstag verlegt. Verständlich? Getrickst? Faule Ausrede? Von allem ein bisschen. Wahrscheinlich habe ich deshalb tatsächlich ein schlechtes Gewissen. Ganz schöner Druck, dieses öffentliche Fasten.
Diana Fuchs
(nur Produkte aus der Region): Ganz ehrlich: Mein Gefühlsleben schwankt zwischen Wut und Frust. Ich, eigentlich eine Sonnenschein-Kollegin in der Redaktion (stimmt doch, Leute!?), werde bei dieser Fastenaktion so dermaßen mit meinen Schattenseiten konfrontiert... Klar kann man von Produkten leben, die in einem Umkreis von 50 Kilometern gewachsen sind oder produziert wurden. Aber, hey, das braucht – bräuchte – Planung! Und da bin ich so dermaßen unterirdisch schlecht... Ich habe diese Woche schmerzhaft erfahren, wohin es führt, ohne Plan, dafür aber mit Stress zum Einkaufen zu hetzen: zum Versagen auf ganzer Fasten-Linie. Möchte mich hiermit bei den Bekannten entschuldigen, die mich an der Tanke und an der Kasse eines Discounters „erwischt“ haben – mein Auto brauchte Sprit (den gibt's nicht aus der Region!) und ich brauchte schnell was zu Essen für meine Familie. Mein Zeitungstermin hatte wieder mal länger gedauert und die Kids mussten auch noch zum Fußball und zur Musikstunde chauffiert werden. Ich hatte keine Zeit, an mein Fastengelübde zu denken...
Zeit ist überhaupt das Stichwort. Ich bräuchte mehr Zeit zum Einkaufen (etwa in Hofläden) und einen Kochplan für die Woche. Ich habe schon versucht, einen solchen zu erstellen. Doch seit Aschermittwoch kann ich mich nicht mehr richtig konzentrieren. Ich leide an Kaffee- oder Koffein-Entzug. Die Nebenwirkungen werden von Tag zu Tag schlimmer. Heute ist es mir, als müsste ich jeden blöd anreden oder am besten einfach schlagen, der meinen Weg kreuzt – einfach weil ich so schlecht gelaunt bin... Wie gut, dass ich Fasten-Kollegen habe. Da kommt doch gerade der Ralf Dieter und bringt mir – jaaaa! – eine Tasse voll mit dampfendem Kaffee. „Trink!“, befiehlt er. „Das ist ja sonst nicht auszuhalten.“ Liebe Leute, ich bin zwar kein Star, aber holt mich bitte trotzdem hier raus – raus aus dem Fasten-Dschungel! Ich trinke jetzt!!!