"Ich bin kein Star, aber holt mich hier raus!"

3 Min
Der erste Kaffee nach sieben Tagen – zwar ein Fastenbruch, aber halt auch die Rettung aus dem mörderischen Schlechte-Laune-Tief.
Diana Fuchs
Unermüdlich, eiskalt: Ralf Dieter wandert für die Fastenaktion auf die Wasserkuppe in der Rhön.
Foto: Kathrin Riehle
Der Schein trügt. Nach der Vorfreude über die schöne Optik kam für Nina Grötsch mit dem ersten Biss leider die herbe Enttäuschung.
Foto: Grötsch
Unermüdlich, eiskalt: Ralf Dieter wandert für die Fastenaktion auf die Wasserkuppe in der Rhön.
Foto: Kathrin Riehle

Im Fasten-Dschungel lauern unzählige Fallgruben - und Faultiere...

Kitzingen

Die erste Woche ist gelaufen. Und wie immer gab es Gewinner und Verlierer. Oder formulieren wir es ein wenig gefühlvoller: Redaktionsmitglieder, die sich problemlos mit ihrer selbst auferlegten Aufgabe auseinandersetzten – und solche, die schon in den ersten sieben Tagen an ihre Grenzen stießen:

Ralf Dieter

(mehr Sport): Natürlich hat mein Körper recht. Ich kann ihn gut verstehen. Ich hätte wahrscheinlich genauso reagiert. Als er vor rund einer Woche an dieser Stelle gelesen hat, dass er ab sofort wieder fleißig Sport treiben und sich bewegen soll, da hat er erst einmal „zugemacht“, wie wir Sportler sagen. Ein wenig erkältet, ein wenig entzündeter Rachen, ein bisserl malad. Und dennoch! Die zwei freien Tage (Donnerstag und Freitag) habe ich zusammen mit dem Wochenende zu ausführlichen Wanderungen genutzt. In der Rhön ging es durch meterhohe Tiefschneeverwehungen (Übertreibungen sind gut fürs Selbstvertrauen und die Gesundung) bis zur Wasserkuppe – und zurück! Außerdem: Keine Schokolade, kein Nutella, kein Alkohol. Obwohl ich mir das gar nicht vorgenommen hatte. Bilanz: Ich bin äußerst zufrieden mit mir. Die Fastenzeit ist ein Klacks.

Nina Grötsch

(keine Kohlenhydrate): Mein Fazit nach Woche 1: Ich stehe gefühlt nur noch in der Küche – entweder koche ich oder spüle ab. Ständig schmeiße ich den Herd an. Morgens Rührei, mittags vielleicht eine Suppe und abends die Allzweckwaffe: gedünstetes Gemüse mit Fleisch oder Fisch. Dass man beim weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrate nicht einfach zwischendurch mal ein belegtes Brötchen oder eine Scheibe Brot essen kann, macht mir jetzt schon zu schaffen. Natürlich gibt es Eiweißbrot, aber da beschert mir leider schon die Konsistenz Gänsehaut. Es ist, als würde man auf einen Mix aus Schwamm und Kaugummi beißen.

Mein Versuch, selbst Low-Carb-Brötchen zu backen, war die größte Enttäuschung dieser Woche. Zumindest optisch waren die aus Magerquark, Eiern, Weizenkleie, Linsenmehl und Flohsamenschalen bestehenden Brötchen mehr als gelungen. Allerdings brauchte ich dreimal so viel Belag wie sonst, um damit den Geschmack des Brötchens zu überdecken. Weil ich schon jetzt nach Abwechslung auf meinem Speiseplan lechze, habe ich mir gestern ein Low-Carb-Kochbuch gekauft. Sie werden staunen, was ich nächste Woche berichte!

Daniela Röllinger

(Nichts Süßes): Ich hätte es nicht gedacht: Auf Wurst und Fleisch zu verzichten war für mich deutlich leichter, als Süßes wegzulassen. Schon am allerersten Tag hätte ich fast den obligatorischen Keks gegessen, der mittags im Café auf der Untertasse des Cappuccinos lag. Das macht man so nebenher, ohne groß darauf zu achten. Disziplin und Aufmerksamkeit ist also gefragt, und das von früh bis spät. Zudem gab es in der ersten Woche noch ein anderes Problem. Ich hatte Geburtstag. Nicht feiern? Geht nicht und will ich nicht. Eine Kaffeetafel nur mit Wurstbrot? Passt irgendwie auch nicht. Alle anderen essen Torte, nur ich nicht? Eine Alternative, die mir nicht recht schmeckte. Im Gegensatz zum Kuchen. Der war echt lecker, denn ich habe tatsächlich welchen gegessen. Und dann mit mir gerungen. Verrat' ich das in der Zeitung? Merkt doch keiner.... Ich und lügen, das ist aber auch keine so gute Kombination. Das sieht man mir immer an.

Aber ich habe eine Lösung gefunden: Die Sonntage sind von der Fastenzeit ausgenommen. Zeit, diese Regelung mal zu nutzen. So habe ich den Sonntag dieser Woche kurzerhand auf meinen Geburtstag verlegt. Verständlich? Getrickst? Faule Ausrede? Von allem ein bisschen. Wahrscheinlich habe ich deshalb tatsächlich ein schlechtes Gewissen. Ganz schöner Druck, dieses öffentliche Fasten.

Diana Fuchs

(nur Produkte aus der Region): Ganz ehrlich: Mein Gefühlsleben schwankt zwischen Wut und Frust. Ich, eigentlich eine Sonnenschein-Kollegin in der Redaktion (stimmt doch, Leute!?), werde bei dieser Fastenaktion so dermaßen mit meinen Schattenseiten konfrontiert... Klar kann man von Produkten leben, die in einem Umkreis von 50 Kilometern gewachsen sind oder produziert wurden. Aber, hey, das braucht – bräuchte – Planung! Und da bin ich so dermaßen unterirdisch schlecht... Ich habe diese Woche schmerzhaft erfahren, wohin es führt, ohne Plan, dafür aber mit Stress zum Einkaufen zu hetzen: zum Versagen auf ganzer Fasten-Linie. Möchte mich hiermit bei den Bekannten entschuldigen, die mich an der Tanke und an der Kasse eines Discounters „erwischt“ haben – mein Auto brauchte Sprit (den gibt's nicht aus der Region!) und ich brauchte schnell was zu Essen für meine Familie. Mein Zeitungstermin hatte wieder mal länger gedauert und die Kids mussten auch noch zum Fußball und zur Musikstunde chauffiert werden. Ich hatte keine Zeit, an mein Fastengelübde zu denken...

Zeit ist überhaupt das Stichwort. Ich bräuchte mehr Zeit zum Einkaufen (etwa in Hofläden) und einen Kochplan für die Woche. Ich habe schon versucht, einen solchen zu erstellen. Doch seit Aschermittwoch kann ich mich nicht mehr richtig konzentrieren. Ich leide an Kaffee- oder Koffein-Entzug. Die Nebenwirkungen werden von Tag zu Tag schlimmer. Heute ist es mir, als müsste ich jeden blöd anreden oder am besten einfach schlagen, der meinen Weg kreuzt – einfach weil ich so schlecht gelaunt bin... Wie gut, dass ich Fasten-Kollegen habe. Da kommt doch gerade der Ralf Dieter und bringt mir – jaaaa! – eine Tasse voll mit dampfendem Kaffee. „Trink!“, befiehlt er. „Das ist ja sonst nicht auszuhalten.“ Liebe Leute, ich bin zwar kein Star, aber holt mich bitte trotzdem hier raus – raus aus dem Fasten-Dschungel! Ich trinke jetzt!!!