100 Meter Lichterkette, 20 Strahler und vier Stunden Arbeit – diese Zahlen sind viel weniger spektakulär als das Ergebnis. Leuchtend rot erstrahlt das weiße Festzelt vor dem tiefschwarzen Wiesentheider Horizont, im dunkelgrünen Gras haben Tom Weinig und Markus Schermer einen flammenden Hilferuf hinterlassen. Sie haben die „Night of the Light“ genutzt, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Denn für die zwei Veranstaltungsprofis ist eines sicher: Die Party ist erst einmal vorbei.

In den Sommermonaten hat das Team von „2event“ eigentlich kaum Zeit zum Durchschnaufen. Bis zu zehn Hochzeiten, Geburtstage und Firmenfeste pro Wochenende werden mit Stoffschals, Silberleuchtern und Fotoboxen bestückt, Stuhlhussen werden auf- und wieder abgezogen, tausende Lichter ein- und wieder ausgeschaltet. In diesem Sommer ist alles anders. „Nach dem Shutdown im März sind vom einen auf den anderen Tag sämtliche Aufträge weggefallen“, erzählt Tom Weinig. „Seitdem haben wir nur noch Stornierungen bearbeitet.“ Viele Termine konnten ins nächste Jahr geschoben werden, andere fallen ganz weg. Das bedeutet doppelte Arbeit, aber keine Einnahmen. „Wir haben noch Glück, weil wir die Rücklagen aus dem Weihnachtsgeschäft haben.“ Und trotzdem sagt er: „In vier bis sechs Wochen wird es finanziell schwierig.“

Auch Björn Dietsch, Inhaber von Robin Masters Veranstaltungstechnik, hat dieses Jahr „eigentlich schon abgeschlossen“. „Ob Konzerte, Messen oder Tagungen, die Veranstalter ziehen immer noch zurück“, erklärt der Kitzinger, der seit über 15 Jahren im Geschäft ist. „Die Gäste haben auch noch Angst. Und wer will sich schon mit Abstandsregel und Mundschutz auf ein Konzert stellen.“ Am morgigen Samstag treten die Troglauer im Autokino im Cineworld auf, alle anderen bisher geplanten Konzerte im Mainfrankenpark wurden wegen zu geringer Nachfrage abgesagt. „Die Künstler verkaufen keine Karten, und das wird auch noch eine Zeit lang so bleiben.“

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen

Er hält sich, seinen Betrieb und seine acht Mitarbeiter mit „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ über Wasser, sorgt bei Kreistagssitzungen für den richtigen Ton. „Das sind nur Tropfen auf den heißen Stein.“ Das Team ist in Kurzarbeit, sein Equipment steht in eigenen Hallen, so dass keine Mietzahlungen anfallen. Er setzt darauf, dass auch die Entwicklungsabläufe bei den Herstellern von Licht- und Tontechnik durch die Pandemie verlangsamt wurden. „Eigentlich müssten wir investieren, wenn etwas Neues auf den Markt kommt, unsere Anlagen auf den neuesten Stand der Technik bringen.“ Auch wenn Björn Dietsch aktuell noch nicht vor der Insolvenz steht, könnten solche Investitionen zu einer gefährlichen Schieflage seiner Robin Masters VeranstaltungsgmbH führen.

„Mir ist es lieber, ich erfahre am Donnerstag, dass ich am Freitag aufbauen darf, als dass ich drei Wochen vorher schon weiß, dass mein Terminkalender ganz leer bleibt.“
Tom Weinig, Party-Ausstatter

Die Lockerungen der letzten Woche helfen ihm, der hauptsächlich das Equipment für Großveranstaltungen liefert, nicht wirklich weiter. Auch Christian Jörg, Inhaber von „mach audio“ in Volkach, verspricht sich von den Freigaben für private Feiern nicht viel. Sein Geschäft sind die Weinfeste und Festivals, in den Wintermonaten die Indoor-Messen. Großveranstaltungen also, die bis Ende Oktober noch verboten sind. „Ob es im Herbst und Winter wieder mehr zu tun gibt, können wir noch nicht sagen“, erklärt Jörg, der mit seinem Partner Joachim Dusel von Sound&Services zusammenarbeitet. „Im Moment helfen wir uns noch gegenseitig aus“, sagt Christian Jörg. Die Pläne, neue Mitarbeiter einzustellen, wurden mit dem Ende des ersten Quartals 2020 durchkreuzt, im Gegenteil. „So wenig im Betrieb sein wie möglich“ lautet die Devise. So ist sein Unternehmen, das er seit 2012 stetig ausgebaut hat, im Moment mehr Hobby als Beruf.

Bei der Firma Kleinschroth in Marktsteft ist Inhaber Michael Kleinschroth froh, dass er mit seinem Elektro-Betrieb noch ein zweites Standbein hat. „Hier erlebten wir in der Corona-Zeit sogar noch einen Aufschwung.“ Veranstaltungstechnisch herrscht allerdings nach wie vor Leerlauf. „Was sich anfangs noch als kleine Verschnaufpause nach der stressigen Faschingssession angefühlt hat, sorgt so langsam für ein ungutes Gefühl“, sagt der Fachmann. „Bis Herbst sind größere Veranstaltungen abgesagt, die aktuellen Lockerungen ändern an dieser Situation rein gar nichts.“ Mit Existenzängsten hat er momentan zwar noch nicht zu kämpfen. „Veranstaltungstechnik und Eventplanung sind aber ein Teil meiner Arbeit, den ich sehr vermisse.“

Auch für Tom Weinig und Markus Schermer steht mehr auf dem Spiel als „nur“ die Finanzen. In den letzten Jahren haben die Zwei in ihre Niederlassung in Wiesentheid investiert – und in eine 200-Mann-Partylocation. Die wird in diesem Jahr wohl nicht mehr ausgelastet werden. „Wenn wir unsere Außenwände abnehmen, zählt es aber als Außenbereich und es dürfen dort nach aktuellem Stand bis zu 100 Leute zusammen feiern.“ Diese Informationen hat er beim Landratsamt erfragt, ebenso wie die Erlaubnis, ohne Mundschutz zu tanzen– auf eigene Gefahr. „In dieser Woche hat es zum ersten Mal keine Stornierungen mehr gegeben“, sagt Tom Weinig, spürt aber auch, dass die Menschen noch großen Respekt haben und vorsichtig sind. Zudem stellen sich viele Paare ihre Hochzeit einfach anders vor als mit Mundschutz und angezogener Handbremse.

Die nächsten vier Wochen sind noch von Leerlauf bestimmt, dann könnte es für das 2event-Team langsam wieder losgehen – sollte nicht doch noch die eine oder andere Absage ins Haus flattern. „Wir versuchen unseren Brautpaaren so viel Freiraum wie möglich zu geben und sehr spontan zu reagieren.“ Manche warten bis kurz vor knapp mit ihrer Absage, hoffen auf weitere Lockerungen. Für Tom Weinig ist das völlig in Ordnung. „Mir ist es lieber, ich weiß am Donnerstag, dass ich am Freitag aufbauen darf, als dass ich schon drei Wochen vorher weiß, dass mein Terminkalender komplett leer bleibt.“

Und so heißt es auch für die Veranstaltungsbranche: Abwarten. Tom Weinig hat die Zeit genutzt, um bei seinen Kunden, Freunden und Bekannten für die Corona-App zu werben. „Jeder kann mithelfen, dass wir Corona in den Griff bekommen“, sagt er und ist überzeugt: „Wer die App herunterlädt, wer mithilft, Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen und so dafür sorgt, dass man sich wieder unbeschwerter trifft und feiert, der kann auch uns wirklich helfen.“