Früh um vier Uhr geht der Wecker. Für Paula, Frithjof und all die anderen Jugendlichen kein Problem. Auf sie wartet schließlich ein ganz besonderes Erlebnis.

Am Himmel über Kitzingen sind in dieser Woche immer wieder vier Heißluftballons zu sehen. Kurz nach Sonnenaufgang und etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang starten sie. An Bord: Junge Menschen zwischen 14 und 18 Jahren aus Frankreich und Deutschland. Das Deutsch-Französische Jugendwerk fördert den interkulturellen Austausch zwischen den benachbarten Ländern seit 1963. Das Jugendcamp im Sommer ist ein Baustein. „Wir suchen uns immer wieder schöne Plätze für die Zusammenkunft aus“, erklärt Betreuer Max Brandenburg. Ein Jahr sind die 30 Jugendlichen in Frankreich, das nächste Jahr in Deutschland untergebracht. Heuer sollte es eigentlich in die Nähe von Regensburg gehen, doch weil die Unterkunft dort nicht rechtzeitig saniert war, mussten sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einer Alternative machen. Sie fanden das CVJM-Heim in Stierhofstetten.

Spontane Zusage vom Kitzinger Luftsportclub

Und weil Ballonfahren ein fester Bestandteil des einwöchigen Austausches ist, fragten sie beim Vorsitzenden des Kitzinger Luftsportclubs, Herbert Sattler an, ob sie das Gelände für ihre Starts nutzen dürfen. „Der hat spontan zugesagt“, freut sich Max Brandenburg.

An diesem Dienstagabend ist die bunt gemischte Gruppe zum vierten Mal auf dem Gelände. „Das Wetter muss passen“, erklärt Brandenburg. Kein Regen, kaum Wind: das sind die wichtigsten Voraussetzungen für einen Start. Etwa eine Stunde sind die Ballons abends in der Luft, bis zur so genannten bürgerlichen Dämmerung. „Das ist eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang“, erklärt Max Brandenburg. „Danach wird die Sicht zu schlecht.“

Viele Gelegenheiten zum Sprachaustausch

Weniger als eine halbe Stunde dauert der Aufbau, die Jugendlichen haben die Handgriffe längst einstudiert. „Beim ersten Mal haben wir deutlich länger gebraucht“, sagt Friethjof. 15 Jahre ist er und – genau wie Paula – aus Bremen angereist. Vom deutsch-französischen Austausch haben sie in der Schule gehört und sich schnell angemeldet. „Ein paar Stunden später waren alle Plätze weg“, erzählt Paula.

Das Ballonfahren ist für die beiden ein Höhepunkt des Programms. „Aber ich freue mich auch, mein Französisch zu verbessern“, sagt Paula. Gelegenheiten dafür gibt es genug. Die Jugendlichen verbringen den ganzen Tag miteinander, gehen zum Kanufahren, Schwimmen oder in den Kletterpark, nehmen die Mahlzeiten gemeinsam ein und sind in Mehrbettzimmern untergebracht. Sprachanlässe gibt es genug. „Auch wenn wir meistens Englisch miteinander reden“, sagt die 15-Jährige und lacht.

Immer wieder spannend: Wo landen die Ballons?

250 Euro kostet eine Woche im Deutsch-Französischen Jugendcamp. „All inclusiv“, sagt Max Brandenburg. Ein dreiköpfiges Team ist für die Organisation zuständig, vier ausgebildete Piloten übernehmen die Ballonfahrten. Tobias Rost aus Münster ist zum zweiten Mal bei so einem Camp dabei. Die Fahrt im Heißluftballon ist nichts Neues mehr für ihn, aber trotzdem immer wieder spannend. „Man weiß ja nie so genau, wo man landet“, erklärt er und lässt seinen Blick Richtung Schwanberg und Steigerwaldvorland wandern. „Hier ist es richtig schön“, sagt der 17-Jährige. So schön, dass der Wecker auch mal um 4 Uhr in der Früh klingeln darf.