Etwas Besonderes hat sich die Stadt Prichsenstadt in diesem Jahr ausgedacht, um 50 Jahre Großgemeinde gebührend zu feiern. So trägt bis zum Jahresende jeder der zehn Stadtteile mit einer eigenen Veranstaltung zu dem Jubiläum bei. Dabei gewähren die einzelnen Dörfer einen Einblick in ihre Geschichte, ihre Vereine, Sehenswürdigkeiten und auch ihre Betriebe.

Der Start zu der Veranstaltungsreihe erfolgte im Juni mit Neudorf und Neuses am Sand und stieß auf großen Zuspruch. Das freute die Verantwortlichen der Stadt. Das enorme Engagement im Vorfeld, auch in Järkendorf, sei beeindruckend, so Prichsenstadts Zweiter Bürgermeister Peter Eschenbacher.

"Man hatte das Gefühl, die Einwohner sind richtig stolz gewesen, ihre jeweilige Dorf-Chronik, ihre Vereine und Betriebe einmal vorzustellen. Deswegen hoffen wir natürlich, dass auch die kommenden Veranstaltungen die gleiche Wirkung erzielen. Wir freuen uns auf alles, was da noch kommt", sagte er. Er sei erstaunt, so Eschenbacher, "welche Dynamik und welcher Zusammenhalt in den Orten bereits durch dieses Jubiläum entstanden ist." Als nächstes ist am Samstag, 9. Juli, das kleine Järkendorf an der Reihe. Dann öffnet das Dorf mit 113 Einwohnern seine Tore für die Besucher.

Was hinter der Idee steckt und wies sie entstand, erläuterte die von der Stadt dafür zuständige Mitarbeiterin Katharina Pachtner vom Tourismusbüro. Ziel sei gewesen, etwas zu schaffen, was die Großgemeinde ein Stück näher zusammenbringe. "Wir wollten nicht uns in Prichsenstadt feiern, sondern jedes der Dörfer." Die Idee wurde letztes Jahr zunächst den Stadträten und Stadträtinnen vorgestellt. 

Jedes der Dörfer feiert mit

Als Folge lud die Stadt zu einer Infoveranstaltung gezielt diejenigen Bürger und Vereine ein, "von denen wir wissen, dass sie sich engagieren wollen", so Katharina Pachtner. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich aufgeschlossen und sicherten zu, dass sich die jeweilige Dorfgemeinschaft etwas überlegen werde.

Das Projekt bekam immer mehr Flügel, das Ganze wurde ein Selbstläufer. Als Beispiel schildert Katharina Pachtner Neuses am Sand, wo die Bürgerinnen und Bürger so richtig aufgeblüht seien. "Es war toll mitzuerleben, wie die Dörfer sich einbringen. Durch die Feier wurde manches wieder zurückgeholt, was fast in Vergessenheit geraten war." 

Erinnerung an die Entstehung der Großgemeinde 

An die Entstehung der Großgemeinde Prichsenstadt können sich manche Bürgerinnen und Bürger noch sehr gut erinnern. Ganz reibungslos sei das nicht gelaufen, das weiß Altbürgermeister Klaus Linz noch. Er begann just am 1. August 1972 als Auszubildender im Prichsenstädter Rathaus. "Der ein oder andere war nicht begeistert, dass er nun nach Prichsenstadt musste", erzählt Linz.

Das bestätigte auch der damaligen Zweite Bürgermeister Stadelschwarzachs, Albert Fick. "Es war nicht nur Freude, auch etwas Zurückhaltung." Nachdem die Stadelschwarzacher Kinder zu der Zeit in Oberschwarzach der Schule zugeteilt waren, sei auch eine Eingemeindung dort im Raum gestanden. Eine weitere Option sei Wiesentheid gewesen, doch dort sei laut Fick eher Zurückhaltung in der Frage zu spüren gewesen. So habe man sich für Prichsenstadt entschieden.

Das Städtchen um das damalige Oberhaupt Alfred Hügelschäfer musste aber, wie sich Klaus Linz erinnert, zunächst um seine Eigenständigkeit bangen. Es drohte der Verlust der Eigenständigkeit und die Zuordnung zu einer anderen Gemeinde. Erst nach einigen Gesprächen und einem Besuch der Prichsenstädter Vertreter im Bayerischen Landtag in München stand fest, dass die Stadt Sitz einer eigenen Verwaltung wird.

Bekanntester Politiker der Stadt

Mit dem späteren Bundesminster Michael Glos war einer der heute bekanntesten Bürger der Großgemeinde maßgeblich an diesen Verhandlungen und dem positiven Ausgang beteiligt. Für den aus der Stolzmühle zwischen Brünnau und Neuses stammenden Politiker leitete das sozusagen den Start seiner politischen Karriere ein. Der damals 26-jährige Glos regte an, für den allerersten gemeinsamen Stadtrat eine CSU-Liste aufzustellen. Damals war er zwar bereits Mitglied in der Partei, jedoch in keiner Funktion. "Er sprach einige Personen in den Ortsteilen an, ob sie sich vorstellen könnten, für die CSU zu kandidieren. Das taten sie, wie er auch", schildert es seine Frau Ilse Glos.

Für den Kreistag kandidierte Michael Glos gleich mit, wenn auch auf dem scheinbar aussichtslosen 33. Listenplatz. Er wurde gewählt. Wenige Jahre später nutzte Glos die Gunst der Stunde und trat als Direktkandidat für den Bundestag an. Mit 31 Jahren wurde er 1974 ins Parlament gewählt, dem er bis 2012 angehörte.

50 Jahre Großgemeinde

Jubiläus-Feierlichkeiten: Der Stadtteil Järkendorf stellt sich am Samstag, 9. Juli, mit einem kleinen Programm vor. Ab 15 Uhr geht es los mit verschiedenen Aktionen. 16 Uhr: Führung mit Dorfgeschichte; 18 Uhr Festbetrieb im Schulhof mit Line Dance und Gitarrenmusik, Film und Ausstellung.
Die Termine der weiteren Jubiläumsveranstaltungen: 23./24. Juli, Altenschönbach: Im Wandel der Zeit; 24. Juli, Laub: 50 Jahre alt, aber jung geblieben; 5./6.August, Brünnau: Es war einmal; 9. bis 11. September, Kirchschönbach: Cunst und Cultur; 11. bis 13. November: Kirchschönbach: Brauchtum; 26. November, Stadelschwarzach: Es weihnachtet; 10. Dezember, Prichsenstadt: Ein Prosit auf die Gemeinschaft. Bimbach folgt zum Abschluss im Jahr 2023; der Termin steht noch nicht fest.
Quelle: ast