Es ist wohl eines der heikelsten Themen, mit denen sich ein Ratsgremium auseinandersetzen muss: Der Friedhof. Am Montagabend widmete der Stadtrat Marktbreit dem Friedhof der Stadt eine Sondersitzung.

Ort der Tagung war die Rathausdiele und gekommen waren mehr interessierte Zuhörer, „als zur Bürgerversammlung zum Thema“, so Bürgermeister Erich Hegwein. Zwei „Baustellen“ wurden dabei beleuchtet: Der alte Friedhofsteil und die Friedhofsscheune.

Der Friedhof in Marktbreit sei schon lange Thema in der Stadt und im Stadtrat, sagte Hegwein. Und es ist eine Geschichte des Wandels. 2002 etwa, als es in Marktbreit gerade mal noch 35 freie Gräber bei rund 25 Sterbefällen im Jahr gab, wurde im Rat ernsthaft über eine Neuanlage des Friedhofs diskutiert.

Keine 15 Jahre später sieht die Situation ganz anders aus. Urnenbestattungen und der Friedwald auf dem Schwanberg haben dazu geführt, dass es immer mehr freie Flächen im Friedhof gibt. Und die Zahlen der Verwaltung sprechen für sich: In den vergangenen beiden Jahren lag die Zahl der Urnenbestattungen in Marktbreit bei 70 bis 80 Prozent. Dazu dürften sich zehn Prozent der Verstorbenen aus der Stadt für den Friedwald entschieden haben.

Die Folge: „Heute sind große Familiengräber im alten Friedhof aufgelassen, darüber gilt es zu reden“, sagte Hegwein. Denn die Stadt trägt beim Friedhof die Verantwortung für die Gestaltung und die Kosten. Dem Wandel in der Bestattungskultur müsse Rechnung getragen werden, neben den Erdbestattungen müssten auch die unterschiedlichen Varianten der Urnenbestattung angeboten werden können. Dazu sind aber auch größere zusammenhängende Flächen nötig.

Um sich hier ein Bild zu verschaffen, hat der Stadtrat die Entwicklung eines entsprechenden Konzepts vergeben. Ein erstes Ergebnis wurde denn auch am Montagabend vorgestellt. Für Hegwein war es wichtig dabei auch klarzustellen: „Wir wollen keine Flurbereinigung auf dem Friedhof machen.“ Vielmehr sollte ein langfristiges Konzept erstellt werden, das die Richtung weist, wie künftig der Friedhof aussehen könnte – nach vielen Jahren erst und ohne dabei Zwang auf Grabeigner auszuüben.

Denn, auch das machte Hegwein deutlich: „Es sind viele Gerüchte über diese Arbeit im Umlauf.“ Die reichten bis hin zu abstrusen Vorstellungen, wie „Leichen ausbuddeln“. Was die Sitzung besonders machte: Anders als in „normalen“ Stadtratssitzungen, bekamen auch die Besucher das Wort, nachdem das jeweilige Konzept vorgestellt und von den Räten kommentiert war. Entscheidungen fielen am Montag keine, Anregungen sollten aufgenommen werden und weitere Vorschläge der Bevölkerung können in den nächsten vier Wochen nachgereicht werden.

Klar wurde auch: Es ist kein Thema für die Jugend, die Besucher der Ratssitzung dürften alle schon kurz vor oder weit über dem Renteneintrittsalter gewesen sein.