Corona hat auch die Filmbranche stark gebeutelt. Wie hat sich das konkret auf Sie ausgewirkt?
Daniel Alvarenga: Auf jeden Fall hat uns das stark getroffen. Im März wäre „Wer Frieden sucht“ in einigen Kinos in ganz Deutschland im regulären Programm gestartet – durch die Krise kam das nicht mehr zustande. Zwar versuchen wir jetzt, diese Termine nachzuholen, aber da gerade die Kinos immer noch extrem unter der Situation leiden, kann es sich nicht jedes Haus leisten, so eine kleine Produktion ins Programm zu nehmen.
Am 5. September stellen Sie Ihren Film in Kitzingen vor. Wie empfinden Sie den persönlichen Kontakt zum Publikum?
Daniel Alvarenga: Ich bin jemand, der Filme in erster Linie fürs Kino macht. Neben den offensichtlichen Vorteilen einer großen Leinwand hat das Kino auch einfach eine besondere Atmosphäre. Sogar mit Mindestabstand und Maskenpflicht entsteht für mich immer ein gewisses Gemeinschaftsgefühl. Was ich an „meinen“ Vorführungen am meisten mag, ist die direkte Reaktion des Publikums. Wenn an den richtigen Stellen gelacht oder der Atem angehalten wird, dann weiß ich, dass ich ein bisschen was richtig gemacht habe. Und natürlich liebe ich die Fragerunde oder auch die Gespräche im Foyer nach dem Film, weil es mich oft sogar als Autor und Regisseur noch überrascht und freut, welche Details den Zuschauern auffallen. Eventuell begleiten mich nach Kitzingen sogar ein paar Darsteller.
Das Roxy-Kino in Kitzingen ist ein ganz kleines, schnuckeliges Kino, das erst vor einem guten Jahr wiederbelebt wurde. Haben solche Kinos in Ihren Augen eine Zukunftschance?
Daniel Alvarenga: Auf jeden Fall! Man sieht aktuell, dass sich große Produktionsfirmen vermehrt auf Streaming oder den DVD-Markt konzentrieren, was ja – leider – auch gut angenommen wird. Deswegen befürchte ich, dass sich das Kino über kurz oder lang zu einer Nische entwickeln wird. Und dann sehe ich die Chancen eines kleinen Kinos mit einem gut durchdachten und liebevoll ausgewählten Programm größer als die eines riesigen Multiplex-Kinos, das auch einfach ganz andere Besucherzahlen braucht, um rentabel zu arbeiten. Allerdings wird von einigen Experten gerade das große Revival des Kinos nach Corona prophezeit – und nichts würde mich glücklicher machen, als wenn diese Recht hätten und ich mich irre…
Auf einen Blick
Der Film „Wer Frieden sucht“: Johannes hat im Leben noch nicht viel erreicht. Eigentlich möchte er seiner Mutter nur ein paar Bücher ins Altenheim bringen, als er in deren Wohnung einen vergessenen Film entdeckt. Um ihr eine Freude zu machen, lässt er ihn entwickeln. Auf den Fotos entdeckt er jedoch sich selbst in Begleitung einer schönen Frau, an die er sich nicht erinnern kann. Er findet heraus, dass es sich um seine Freundin Sarah handelt, die bei einem Autounfall starb, bei dem er sein Gedächtnis verlor. Er versucht noch, das Erfahrene zu verarbeiten, als er Sarah plötzlich auf der Straße begegnet…
Der Regisseur: Daniel Alvarenga (33) wuchs in Regensburg auf, lebt aber seit vier Jahren in Passau. Filme sind schon seit frühester Kindheit seine Leidenschaft. 2008 startete er mit den ersten Kleinstfilmen mit Freunden, der erste „echte“ Kurzfilm kam 2014. „Seitdem versuche ich eigentlich nur, immer weiter zu machen, immer besser zu werden und meine Liebe zum Film möglichst vielen Menschen zu zeigen“, so Alvarenga.
Der Besuch: Am Samstag, 5. September, ist Daniel Alvarenga um 19 Uhr zu Gast im Roxy-Kino Kitzingen. Da die Anzahl der Sitzplätze in Zusammenhang mit Corona begrenzt ist, empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung: www.das-roxy.de, info@dasroxy.de, Tel. 09321/1409600.