Das durch die Familie Braun prächtig renovierten Anwesen Häfnergasse 7 war das Zentgrafenhaus und das Zentgericht, vor dem größere Delikte verhandelt wurden. Dort lebte auch der berüchtigte Valentin Hausherr, der die Hexenverfolgung im Namen von Julius Echter intensiv betrieb. Vieles geschah dabei wohl hinter dem Rücken des Fürstbischofs.
Vom Verhör in den Faulenturm
Wieder nur ein Steinwurf weiter: In der Bürgermeister-Weigand-Straße baute Echter die neue Amtsvogtei. Dort waren die Verhöre der der Hexerei angeklagten Menschen. Im gegenüberliegende Eulenturm (eigentlich Faulenturm) mussten sie auf ihr Urteil warten.
Am Stadtmodell an der Nordseite der Stadtpfarrkirche zeigte Heike Bauer noch einmal plastisch auf, wo Echter überall gebaut hat.
Wie im gesamten Bistum lag auch in Gerolzhofen vieles im Argen. Julius Echter stellte Stadt- und Kirchenrecht wieder auf ordentliche Füße. Eins seiner großen Ziele war es daneben, das Bistum zu rekatholisieren. Drei Tage lang war Echter persönlich in Gerolzhofen, um die Bürger einzeln aufzufordern, zum katholischen Glauben zurückzukehren. Wer das nicht tat, musste die Stadt verlassen. Es gab aber Ausnahmen. In der Stadt standen Anwesen, die Ansbachisch und damit protestantisch waren. Die Bewohner durften bleiben. Der Grund: Der weltliche Landesherr konnte bestimmen, welche Konfession in seinem Herrschaftsbereich maßgeblich war (Cuius regio, eius religio).
In der Kirchgasse hat Julius Echter das alte Pfarrhaus neu errichten lassen. Es trat an die stelle des heruntergekommenen Vorgängerbaus. Eine Ausnahme: Heute ist von diesem Echter-Bau im Gegensatz zu den meisten andern nichts mehr zu sehen.
Julius Echter wollte, dass die Kirchtürme in seinem Bistum alle gleich aussehen. Deswegen bekam auch die Stadtpfarrkirche ihre beiden Julius-Helme.
Spindeltreppen mit gleichen Steinmetzzeichen
Das Haus nördlich der Stadtapotheke gehörte Julius Echters Bruder Valentin. Im Innern befindet sich eine Spindeltreppe, die die gleichen Steinmetzzeichen birgt wie die Treppe in der Amtsvogtei und im Echter-Hof in der Weiße-Turm-Straße 16 (Anwesen Mößlein).
Das Oberamtshaus von 1580, heute Rathaus der Stadt und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft, ist das nächste markante Echter-Gebäude.
Echters Wohlfahrtsgedanke
Letzte Stationen waren dann der einstige Standplatz des Spitaltors mit dem dahinter liegenden Bettelturm, ebenfalls eine Doppelanlage. Am Bürgerspital schließlich lässt sich der soziale Aspekt in Echters Politik festmachen. Der Wohlfahrtsgedanke war ihm ein großes Anliegen. Dazu gehörte auch das Spitalwesen, das vielen alten und gebrechlichen Menschen letztes Obdach bot, auch wenn sie fünfmal am Tag für ihren Förderer beten mussten.
Nach gut eineinhalb Stunden verabschiedeten die leider nur wenigen „Mitläufer“ Heike Bauer mit dankbarem Applaus. Heike Bauers Erläuterungen beruhten im Übrigen auf den Recherchen der Museumsleiter Klaus Vogt und Bertram Schulz, erklärte Tourist-Info-Leiterin Beate Glotzmann für die ausrichtende Stadt.