"Die Deutschen haben keine Lobby": Hape Kerkelings düsterer ESC-Ausblick

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Hape Kerkeling: Deshalb fehlt Deutschland beim ESC die Lobby
ESC-Fan Hape Kerkeling ist einer der vielen Prominenten, die sich im 90-minütigen Dokumentarfilm "70 Jahre ESC - More than Music" zur Geschichte und Bedeutung des Events äußern.
ESC-Fan Hape Kerkeling ist einer der vielen Prominenten, die sich im 90-minütigen Dokumentarfilm "70 Jahre ESC - More than Music" zur Geschichte und Bedeutung des Events äußern.
© HR/SWR/NDR/WDR/ARD/drive BETA

Am 16. Mai findet der 70. Eurovision Song Contest statt. Hape Kerkeling teilt seine Sicht, weshalb Deutschland "allein auf weiter Flur" steht.

"Dass die Nationen Europas, die über Jahrhunderte und Jahrtausende zerstritten waren und die sich die Köppe eingeschlagen haben, an einem Abend gemeinsam singen und ihre Hymne des Jahres küren - wie schön ist das denn?" Hape Kerkeling ist neben seinen Tätigkeiten als Komiker, Schauspieler, Bestsellerautor, Sänger, Regisseur und Moderator auch Fan des Eurovision Song Contest (ESC). Demnach fiebert er als solcher auch mit den deutschen Künstlern mit.

Dreimal, zwischen 1989 und 1991, moderierte Kerkeling den deutschen Vorentscheid für das europaweite Spektakel. Im Jahr 2010, als Lena Meyer-Landrut mit ihrem Lied "Satellite" gewann und dadurch berühmt wurde, übernahm er den Vorsitz der Jury. Durch seine vielfältigen Erfahrungen in all diesen Jahren sieht der 61-Jährige die Chancen für Deutschland beim ESC eher pessimistisch.

Deutschland beim ESC: "Loser-Nation, die nie was reißt"

In der neuen ARD-Dokumentation von Christopher Kaufmann, "70 Jahre ESC - More than Music", sagt Kerkeling: "Die Deutschen haben keine Lobby." Mit seiner Erläuterung bringt er das, worunter seit Jahrzehnten deutsche Fans machtlos am TV-Gerät stöhnen, auf den Punkt: "Wenn der Lette auftritt, kriegt er Punkte aus Estland und Litauen. Wenn der Schwede singt, freut er sich über Punkte aus Finland, Dänemark und Island. Singt der Deutsche - dann kriegt er nicht mal einen Punkt aus Österreich. Wir stehen allein auf weiter Flur."

Als deutscher Fan habe man oft das Gefühl, zur "Loser-Nation zu gehören, die sowieso nichts reißt", sagt Sänger und Moderator Oliver Schulz in der Doku. Warum das so ist, führt Kerkeling auch darauf zurück, wie "der Deutsche" von außen wahrgenommen wird. "Mit lustigen Liedern lassen sie uns nicht gewinnen. Der Deutsche ist nicht lustig in den Augen der anderen." Man habe nur eine Chance: "Wir können nur zu Tränen rühren in Unschuld, dann vergibt man uns alles."

Das hat zumindest einmal geklappt: Im Jahr 1982 begeisterte die damals 17-jährige Sängerin Nicole den gesamten Kontinent mit ihrem Lied "Ein bisschen Frieden" im englischen Harrogate. Ihr Auftritt berührte Jurys und Fans aus ganz Europa. Der Song, geschrieben von Ralph Siegel, erhielt 161 Punkte und bescherte Nicole einen deutlichen Sieg. Insgesamt neunmal wurde das berühmte "Allemagne, douze points" vergeben. Zudem gab es dreimal die zweitbeste Wertung mit zehn Punkten. Nur ein Land gab einen Punkt: Österreich ...

ESC für Kerkeling Signal der Demokratie

Trotzdem glaubt Hape Kerkeling an den ESC, nicht nur aus musikalischen und gesellschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen: "So lange es den ESC geben wird, hat die Demokratie in Europa eine Chance." Das diesjährige Event in Wien wird jedoch von einer angespannten Sicherheitslage geprägt, wegen der sogar das FBI eingeschaltet ist. Nun bleibt es abzuwarten, wie Sarah Engels, die für ihren Song "Fire" schon Kopie-Vorwürfe von Deutschen bekommen hat, ankommen wird.

Die Doku "70 Jahre ESC - More than Music" läuft am Montag, 11. Mai, um 20.15 Uhr im Ersten und ist vorab in der ARD-Mediathek zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst