„Alle Jahre wieder“ erklingt es vor der Begegnungsstätte „Wegweiser“ im Notwohngebiet. Menschen stehen an Tischen mit Weihnachtsgebäck und flackernden Kerzen.
„Alle Jahre wieder“ erklingt es vor der Begegnungsstätte „Wegweiser“ im Notwohngebiet im Kitzinger Stadtteil Siedlung. Menschen stehen an Tischen mit Weihnachtsgebäck und flackernden Kerzen.
Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen schenken Kaffee und Kinderpunsch aus und verteilen Würstchen. Zwischen den Tischen wuseln Kinder. Neben der Eingangstür steht ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum. Die Begegnungsstätte „Wegweiser“ im Notwohngebiet im Kitzinger Stadtteil Siedlung hat gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen Kirche zur Weihnachtsfeier eingeladen, wie das Bistum Würzburg ein einem Pressebericht schreibt.
„Schön, dass ihr alle da seid!“, begrüßt Andrea Schmidt, Mitglied des „Wegweiser“-Teams und Stadträtin in Kitzingen, die Gäste. Sie dankt den ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Kitzinger Kirchen für ihr Engagement: „Sie stärken euch den Rücken.“ Man habe die Anliegen der Menschen im Notwohngebiet in die Gemeinde hineingenommen, sagt Gerhard Spöckl, Leiter der Pfarreiengemeinschaft Sankt Hedwig im Kitzinger Land. „Da, wo Menschen leben, da möchte die Kirche sein“, erklärt er.
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In Kitzingen sei bald ein runder Tisch mit den politischen und kirchlichen Verantwortlichen geplant, erklärt Spöckl. „Wir wollen das Soziale mehr in den Mittelpunkt rücken, damit diese Menschen nicht ganz vergessen werden.“ Etwa 30 der insgesamt rund 100 Bewohner aus dem Notwohngebiet sind zur Weihnachtsfeier gekommen, schätzt Schmidt. Die Menschen tauschen Neuigkeiten über die Familie aus und oder singen die Weihnachtslieder mit, die der Posaunenchor der evangelischen Stadtkirche Kitzingen unter der Leitung von Pfarrer Michael Bausenwein anstimmt. Auf der anderen Straßenseite sind die tristen Wohnblocks des Notwohngebiets zu sehen. Dort wohnen Menschen, die durch Krankheit oder einen Schicksalsschlag ihre Wohnung verloren haben. „50 Prozent der Wohnungen haben keine Dusche und kein warmes Wasser“, sagt Schmidt. Ein großer Wunsch der „Wegweiser“-Mitarbeiter sei deshalb eine mobile Dusche, in der die Menschen jeden Tag duschen können.
Integration fällt manchem schwer
Eine schmale Frau, die Haare zum Pferdeschwanz gebunden, erzählt, dass in ihrer Wohnung Schimmel sei. Sie habe ihren gewalttätigen Mann verlassen und lebe schon seit vielen Jahren mit ihrem mittlerweile erwachsenen Sohn hier. Sie habe eine Arbeitsstelle gefunden, aber sehe keinen Ausweg aus ihrer Situation. „Je länger die Menschen hier wohnen, desto schwerer fällt es ihnen, sich woanders zu integrieren“, hat Schmidt beobachtet. Manche seien aufgrund von Schulden zwangsgeräumt worden und würden nun in einem kleinen Zimmer leben. Manche wurden auch schon in diese Siedlung hineingeboren. „Viele hatten ein gutes Leben, in dem vieles gut lief. Aber irgendwann sind sie abgerutscht und haben es nicht mehr nach oben geschafft“, sagt Schmidt.
Wie groß die Not bei vielen ist, lässt sich an den Weihnachtsgeschenken erahnen, welche die Ehrenamtlichen später austeilen. Produkte für die Körperpflege sind darunter, frisches Obst und Gemüse, Süßigkeiten, Einkaufsgutscheine für Lebensmittel und Spielzeug, puschelige Ohrenschützer. Finanziert wird die Arbeit mit Spenden. Insgesamt 1250 Euro haben die Pfarreiengemeinschaft, die evangelische Stadtkirche und der Diözesan-Caritasverband gespendet, sagt Schmidt. Damit konnten unter anderem die Weihnachtsgutscheine finanziert werden. Anlässlich der Weihnachtsfeier gibt es zudem vom Zweigverein Sankt Vinzenz des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) 200 Euro aus dem Erlös des Winterfests in der Siedlung sowie jeweils 100 Euro vom KDFB-Zweigverein Sankt Johannes und vom KKV – Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung Kitzingen. Rita Engert vom KKV hat außerdem neun Wolldecken mitgebracht, die noch am Nachmittag verteilt werden. Ebenso wichtig wie die Geschenke sind für die Bewohner die Gespräche. Die „Wegweiser“-Mitarbeiter begrüßen viele mit Namen, erkundigen sich nach der Familie und wünschen frohe Festtage. „Schön, dass es euch gibt“, bekommen die Ehrenamtlichen immer wieder zu hören. „Wir bekommen unglaublich viel zurück“, sagt Schmidt. Und immer wieder schaffen es Menschen auch, das Notwohngebiet zu verlassen. „In den vergangenen eineinhalb Jahren haben zwei Familien eine Wohnung gefunden“, freut sich Schmidt. Mit der Hilfe von ehrenamtlichen Betreuern sollen sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen.