Wenn man Siegfried März im Iphöfer Wald aussetzt, findet er in jedem Fall wieder heim. Denn er kennt die Wege wie seine Westentasche. Der 69-Jährige ist ehrenamtlicher Wegewart und für die Stadt Iphofen seit vergangenem Jahr zusammen mit Wilfried Seufert (Iphofen) und Hans Singer (Dornheim) regelmäßig auf den rund 100 Kilometern gut markierter, naturnaher Wanderwege unterwegs, unter denen sich auch einer der „Traumrunden“ des Kitzinger Landes befindet.

Der Wald und das Wandern – sie üben auf Siegfried März seit Jahrzehnten schon eine unerklärliche Faszination aus. Vielleicht waren die Natur und die Bewegung draußen eine willkommene Abwechslung zum Job als Techniker bei der Firma Knauf, wo er 38 Jahre lang gearbeitet hat. Mit seiner Frau sei er schon immer gerne im nahen Wald und Flur unterwegs gewesen, das Ehepaar schnürte die Wanderschuhe aber auch schon in ganz anderen Regionen.

Als der Steigerwaldklub Iphofen im Jahr 2011 ehrenamtlich die Pflege der Wanderwege übernommen hatte, war Siegried März auch immer wieder dabei, wenn es um die Beschilderung oder die Wartung der Strecken ging. Der einstige Vorsitzende Franz Woda habe damals erkannt, dass März der geborene Wegewart sei. Nachdem der Steigerwaldklub im Jahr 2014 die Aufgaben personell nicht mehr meistern konnte, kam die Stadt Iphofen dann auf März zu, der seither weiterhin unentgeltlich die Wege unter seinen Fittichen hat. Mittlerweile hatte er auch beim Schwarzwaldverein das Siegel „zertifizierter Wanderführer“ erworben. Im Schwarzwald habe er sich auch Anregungen geholt, wie man Wanderwege professionell erschließt.

„Wenn neue Wege, wie nun bei den Traumrunden, entstehen, übernehmen die Wegewarte die Markierung. Dabei kleben wir Schilder mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination auf, die auf den Ort hinweisen“, erklärt März eine seiner Aufgaben. Das Kleben schone nicht nur die Bäume, die von den Nägeln in Mitleidenschaft gezogen werden, die bislang verwendet worden waren. Auch die Sägewerke freuen sich, wenn das Sägeblatt nicht über den Stahl schrammt. Bevor die Markierung aufgeklebt wird, muss die Baumrinde glatt gemacht und manchmal sogar etwas abgehobelt werden.

Dann wird der Kleber auf die Markierungszeichen aufgetragen und am Baumstamm befestigt. Das alles geschieht nicht nach Lust und Laune, sondern nach Kriterien, die der Deutsche Wanderverband für Wegwarte empfiehlt.

Rund 100 Schilder haben er und die Kollegen für die 12,9 Kilometer lange Traumrunde in Iphofen verteilt. Diese wurden „auf Sicht“ aufgeklebt. Sie befinden sich also in Blickrichtung des Wanderers und auf Augenhöhe. Im Frühjahr und im Herbst ist das Trio dann im Wald unterwegs, um zu kontrollieren, ob noch alle Schilder vorhanden oder sichtbar sind. Manche müssen erneuert, andere freigeschnitten und abgewaschen werden. Dabei prüft man gleich die Wege, ob sie noch begehbar sind. Was die Wegewarte nicht leisten können, wird dann an den städtischen Bauhof weiter gegeben. Zum Beispiel, wenn große Fahrzeuge breite Schneisen in den Weg geschlagen haben, über die dann Fahrradfahrer stolpern könnten.

Wenn ab und zu das Telefon klingelt und er gebeten wird, doch einem Hinweis eines Wanderes mal nachzugehen und ein Schild zu erneuern oder sich einen Weg anzuschauen und beispielsweise Gras zu mähen, dann steht Siegfried März freilich zur Stelle.

Bei einer Wegbegehung kommen auch mal schnell 20 bis 30 Kilometer zusammen – schließlich muss man den Weg oft nicht nur hin, sondern auch zurück gehen. Etwa zwei Drittel der Markierungen erreiche man aber auch mit dem Auto. Oder mit dem Traktor von Hans Singer. Größere Märsche, das sind für Siegfried März aber kein Problem. „Ich mache das, solange ich es noch kann“, erklärt der Rentner, den sein Posten augenscheinlich jung hält. Die Faszination für die Natur und die Lust, die Wege für den Wanderer zu erschließen sind nach wie vor vorhanden – „auch wenn man die Wanderwege rund um Iphofen natürlich mittlerweile mit anderen Augen sieht.“

Dass an manchen Bäumen mehrere verschiedene Markierungen hängen, ist Siegfried März oft ein Dorn im Auge. Schließlich kreuzen sich im Iphöfer Wald einige Wander- und Themenwege, auch unterschiedlicher Gemeinden. Einige der teilweise vor vielen Jahren einmal festgelegten Wege sind auf vielen Kilometern zudem identisch, andere gibt es nicht mehr. Ebenso existieren Wanderkarten, die je nach Alter mehr oder weniger aktuell sind. Jedoch werde die Zeit und natürlich das beflissene Auge der Wegewarte hier über kurz oder lang schon Klarheit bringen.

Sein persönlicher Favorit der Wanderwege rund um Iphofen ist der sogenannte „Bibartweg“, der von der Bildeiche zwischen Birklingen und Iphofen in Richtung Schwanberg und wieder zurück verläuft. „Hier ist die Natur noch am unberührtesten“, meint Siegfried März. Und neu hinzugekommen ist mit der Traumrunde Iphofen eine ganz junge Tour, die vom Parkplatz Ringsbühl über den Kalbberg und die Ruine Speckfeld führt.

Die Tourist Information Iphofen hält zahlreiche Wanderinformationen bereit. Man kann sich diese auch im Internet herunter laden: www.iphofen.de/wandervorschlaege_zum_download.html

Wanderwege rund um Iphofen

Rund 100 Kilometer gut markierter und naturnaher Wanderwege gibt es im Bereich Iphofens. Einige Beispiele:

Der Geo-ökologische Lehrpfad am Schwanberg bietet auf 1,4 Kilometern Länge oberhalb der Weinlage Kronsberg einen Ausblick auf das fränkische Weinland sowie lehrreiche Einblicke in Geologie, Flora und Fauna sowie Historie.

Der Museumsweg zum Kirchenburgmuseum Mönchsondheim ist gut fünf Kilometer lang.

Wer gut zu Fuß ist, meistert die zwölf Kilometer des Weges „Zum Schwanberg“ und „Über den Schwanberg nach Wiesenbronn (Castell) und auf dem Weinwanderweg wieder zurück“. Ökologisch interessierte Wanderer sollten die Naturerlebniswege (Mittelwaldweg, Hutewaldweg und Naturwaldreservat Wolfsee) in Angriff nehmen, die rund drei Kilometer lang sind. Geführte Wanderungen bietet die Tourist Information Iphofen entlang des Geo-Ökologischen Lehrpfades durch die Gästeführer Weinerlebnis-Franken an, aber auch Mitglieder des Steigerwaldklubs gehen mit Gästen auf Touren.

Anmeldung bei Wanderführer Siegfried März, Tel. (0 93 23) 9 21, ammeluap@yahoo.de oder bei Volker Dungs, Tel. (0 93 23) 8 701 43, maria.volker@arcor.de